Sprichwörter · Charakter und Verhalten
Sprichwörter über Klugheit und Dummheit
Kaum ein Themenfeld ist sprichwörtlich so gut besetzt wie dieses, und kaum eines ist so spöttisch. Neben ernsten Weisheitssätzen stehen bissige Spottsprüche, die sich über das angestrengte Nachdenken lustig machen.
94 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 4
Bekannte Sprichwörter
Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Sprichw.Wer aus Furcht handelt, entscheidet meist falsch.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in der antiken Philosophie, unter anderem bei Seneca. Als deutsche Redensart ist er seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer die Welt sehen will, muss die Tür hinter sich zumachen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer Neues wagt, muss Altes lassen.
Dem Armen fehlt es an Geld, dem Reichen an Rat.
Sprichw.Jeder hat seinen Mangel, nur an verschiedener Stelle.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 18. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Not macht erfinderisch. Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf.
Sprichw.Ein spöttischer Spruch, mit dem jemand angestrengtes Nachdenken abtut, meist scherzhaft als Aufforderung, sich nicht den Kopf zu zerbrechen.
Herkunft: Die genaue Herkunft ist nicht eindeutig belegt. Der Spruch gehört zu den scherzhaften Spott- und Trotzsprüchen, die im deutschsprachigen Raum mündlich überliefert wurden.
Auch: Das Denken überlässt man den Pferden, die haben den größeren Kopf. · Denken soll man den Pferden überlassen, die haben größere Köpfe.
Siehe auch: Wer schläft, sündigt nicht. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Wer hoch zu Ross sitzt, fällt tief.
Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.
Sprichw.Wird geäußert, wenn jemand ohne erkennbares Zutun besonders viel Erfolg hat.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt, also erst nach der Verbreitung der Kartoffel als Hauptnahrungsmittel. Sie gehört zu den neidvollen Sprichwörtern über unverdienten Erfolg.
Auch: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.
Themen: GlückLandwirtschaft
Siehe auch: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Wer das Glück sucht, findet es selten. Wer das Glück hat, führt die Braut heim.
Eifersucht hört nicht auf Vernunft.
Sprichw.Gegen Eifersucht hilft kein Argument, weil sie nicht aus dem Verstand kommt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Ovid, der die Eifersucht als taub gegenüber jedem Zuspruch beschreibt.
Themen: EifersuchtLiebe
QuelleOvid
Siehe auch: Wo Liebe ist, da ist auch Eifersucht. Wer schreit, hat unrecht.
Eifersucht ist ein schlechter Ratgeber.
Sprichw.Wer aus Eifersucht handelt, trifft selten eine vernünftige Entscheidung.
Herkunft: Eine jüngere Bildung nach dem Vorbild der Formel von der Angst als schlechtem Ratgeber.
Themen: EifersuchtPartnerschaft
Siehe auch: Wer Eifersucht sät, erntet Misstrauen. Eifersucht macht blind. Eifersucht ist Gift für die Liebe.
Erfolg ist ein Ergebnis, kein Ziel.
Sprichw.Wer den Erfolg zum Ziel macht, verfehlt die Sache, aus der er entsteht.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit dem Gedanken, das Glück stelle sich nebenbei ein.
Siehe auch: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Geld ist ein guter Diener und ein schlechter Herr.
Die Faulheit ist die Mutter der Erfindung.
Sprichw.Wer sich Arbeit ersparen will, findet oft den besseren Weg.
Herkunft: Eine ironische Umkehrung des älteren Satzes, die Not sei die Mutter der Erfindung.
Fleiß ohne Richtung ist nur Bewegung.
Sprichw.Anstrengung allein ergibt noch kein Ergebnis.
Herkunft: Eine Formel aus der Arbeitsorganisation des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer zweimal nachdenkt, muss nur einmal handeln. Wer seine Arbeit plant, arbeitet halb so lange. Wer nichts zu verbergen hat, muss sich nichts merken.
Gegen die Wahrheit hilft kein Argument.
Sprichw.Was zutrifft, lässt sich nicht wegdiskutieren.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit der lateinischen Sentenz, die Wahrheit sei die Tochter der Zeit.
Siehe auch: Wissen ist nicht dasselbe wie Verstehen. Wer immer dasselbe tut, darf kein anderes Ergebnis erwarten. Wer die Vergangenheit schönt, hat aus ihr nichts gelernt.
Halbes Wissen ist schlimmer als gar keines.
Sprichw.Wer nur einen Teil kennt, zieht daraus oft falschere Schlüsse als jemand, der gar nichts weiß.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Alexander Pope zurück, der schrieb, ein wenig Wissen sei eine gefährliche Sache. Im Deutschen ist die Formel seit dem 19. Jahrhundert verbreitet.
QuelleAlexander Pope
Der Himmel lügt nicht, aber man liest ihn falsch.
Sprichw.Die Zeichen stimmen, die Deutung nicht immer.
Herkunft: Eine bäuerliche Erfahrungsformel des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön. Dreht der Wind, dreht das Wetter. Wer nüchtern bleibt, hört alles.
Im Streit hört niemand zu.
Sprichw.Sobald man sich streitet, wird nur noch geantwortet, nicht mehr verstanden.
Herkunft: Eine Formel aus der Konfliktforschung des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Im Streit verliert man mehr, als man gewinnt. Wer nachgibt, hat nicht verloren, sondern aufgehört. Wer den Streit sucht, findet ihn überall.
Im Streit verliert man mehr, als man gewinnt.
Sprichw.Auch wer recht behält, zahlt für den Zwist mit Zeit, Geld und Beziehung.
Herkunft: Eine volkstümliche Erfahrungsformel, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Im Streit hört niemand zu. Wer nachgibt, hat nicht verloren, sondern aufgehört. Wer den Streit sucht, findet ihn überall.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Alter schützt vor Torheit nicht.
Sprichw.Auch ältere Menschen machen Dummheiten; Lebensjahre allein bringen keine Vernunft.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der Erwartung, mit den Jahren komme von selbst die Vernunft.
Themen: Alter
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger. Graue Haare machen noch keinen Weisen. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
Sprichw.Auch wer sonst wenig zustande bringt, hat gelegentlich zufällig Erfolg.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz wird meist herablassend gebraucht und schreibt den Erfolg allein dem Zufall zu.
Auch: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. Wer das Glück sucht, findet es selten.
Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Sprichw.Wer wenig weiß, hält oft besonders viel von sich.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts. Das gemeinsame Holz meint denselben Wuchsgrund, also dieselbe Ursache.
Themen: Hochmut
Siehe auch: Wer über andere hinwegsieht, sieht auch nicht, wer ihm hilft. Graue Haare machen noch keinen Weisen. Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können.
Durch Schaden wird man klug.
Sprichw.Aus eigenen Fehlern lernt man nachhaltiger als aus guten Ratschlägen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „quae nocent, docent“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Aus Schaden wird man klug.
Themen: ErfahrungMisserfolg
Siehe auch: Irren ist menschlich. Aus einer Niederlage lernt man mehr als aus einem Sieg. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
Furcht ist der Anfang der Weisheit.
Sprichw.Wer die Grenzen des eigenen Vermögens ernst nimmt, urteilt vorsichtiger. Ursprünglich religiös als Ehrfurcht gemeint.
Herkunft: Der Satz stammt aus Psalm 111 im Alten Testament, wo von der Furcht des Herrn die Rede ist.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wissen ist nicht dasselbe wie Verstehen. Wer alle Antworten kennt, hat die Fragen nicht verstanden. Wer reist, vergleicht; wer vergleicht, versteht.
Der Geizige schlachtet das Huhn, das ihm Eier legt.
Sprichw.Wer nur auf den sofortigen Gewinn schaut, zerstört die Quelle.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus einer Fabel Äsops von der Gans mit den goldenen Eiern.
QuelleÄsop
Geld ist ein guter Diener und ein schlechter Herr.
Sprichw.Als Werkzeug ist Vermögen nützlich, als Lebensziel richtet es Schaden an.
Herkunft: Der Gedanke wird Francis Bacon zugeschrieben und findet sich in ähnlicher Form bereits bei den antiken Moralisten.
QuelleFrancis Bacon
Siehe auch: Erfolg ist ein Ergebnis, kein Ziel.
Graue Haare machen noch keinen Weisen.
Sprichw.Lebensjahre allein bringen keine Einsicht.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts belegt, verwandt mit dem Satz, dass Alter vor Torheit nicht schützt.
Siehe auch: Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger. Mit den Jahren kommt die Weisheit. Jugend ist ein Fehler, der sich täglich bessert.
Guter Rat kommt über Nacht.
Sprichw.Eine schwierige Entscheidung sollte man überschlafen, statt sie sofort zu treffen.
Herkunft: Die Wendung ist die deutsche Fassung des griechischen Gedankens, die Nacht sei ein guter Ratgeber; im Lateinischen als „in nocte consilium“ überliefert.
Auch: Man muss eine Sache überschlafen.
Siehe auch: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Eifersucht ist ein schlechter Ratgeber. Angst ist ein schlechter Ratgeber.
In der Kürze liegt die Würze.
Sprichw.Eine knappe Darstellung wirkt stärker als eine ausufernde.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Gedanke selbst findet sich schon in der antiken Rhetorik als Lob der Knappheit.
Themen: Wissen
Siehe auch: Erst denken, dann reden.
Kurze Sprichwörter
Armut lehrt Künste.
Sprichw.Wer nichts hat, findet Wege, die dem Wohlhabenden gar nicht einfallen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „paupertas omnes artes docet“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts zurücklegt, lebt von der Hand in den Mund. Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Erst besinnen, dann beginnen.
Sprichw.Ein Vorhaben will bedacht sein, bevor man es anfängt.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts.
Themen: LeichtsinnVorsicht
Siehe auch: Wer zweimal nachdenkt, muss nur einmal handeln. Wer krumm anfängt, wird nie gerade fertig.
Erst denken, dann reden.
Sprichw.Eine Äußerung sollte überlegt sein, bevor sie ausgesprochen wird.
Herkunft: Ein Merkspruch der Erziehungsliteratur, der den älteren Gedanken vom Schweigen als Gold in eine Handlungsanweisung überführt.
Themen: Vorsicht
Siehe auch: In der Kürze liegt die Würze. Eile mit Weile.
Erst wägen, dann wagen.
Sprichw.Vor einem Risiko sollte man die Folgen abschätzen.
Herkunft: Der Reim lebt vom Gleichklang der beiden Verben, die ursprünglich beide zur Waage gehören: Wägen ist das Abmessen, Wagen das Aufs-Spiel-Setzen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer wagt, verliert manchmal. Wer nicht wagt, verliert immer. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nie verliert, hat nie gespielt.
Der Faule arbeitet doppelt.
Sprichw.Wer sich beim ersten Mal drückt, muss die Sache ein zweites Mal anfassen.
Herkunft: Eine Handwerksregel des 19. Jahrhunderts, verwandt mit dem Satz, was man nicht im Kopf habe, müsse man in den Beinen haben.
Siehe auch: Pfusch ist doppelte Arbeit.
Guter Rat ist teuer.
Sprichw.Wird gesagt, wenn eine Lage so verfahren ist, dass niemand eine Lösung weiß.
Herkunft: „Teuer“ meint hier nicht den Preis, sondern die Seltenheit: Guter Rat ist schwer zu bekommen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts hat, kann nichts sparen. Man braucht den Nachbarn erst, wenn es brennt.
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