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Das Projekt

Über dieses Nachschlagewerk

Wer hier arbeitet, nach welchen Regeln, und warum ein Sprichwörterbuch im Jahr 2026 überhaupt noch gebraucht wird.

sprichwoerterbuch.de ist ein Nachschlagewerk für deutsche Sprichwörter, Redewendungen, Sprüche und Lebensweisheiten. Der Anspruch ist nicht, die größte Sammlung im Netz zu sein. Der Anspruch ist, dass jeder Satz, der hier steht, tatsächlich existiert, dass die Erklärung dazu selbst geschrieben ist und dass bei der Herkunft nicht geraten wird.

Das klingt nach einer niedrigen Hürde. In der Praxis ist es die, an der die meisten Sammlungen scheitern. Wer heute nach einem Sprichwort sucht, findet Seiten, die einander gleichen wie ein Ei dem anderen: dieselbe Auswahl, dieselben knappen Erklärungen, dieselben Herkunftsgeschichten. Der Grund ist banal. Eine Seite schreibt von der anderen ab, und mit jedem Kopiervorgang wird aus einer Vermutung eine Behauptung und aus einer Behauptung eine Tatsache.

Wie ein Eintrag entsteht

Am Anfang steht die Frage, ob es die Formulierung überhaupt gibt. Geprüft wird das an Wörterbüchern, an gemeinfreien historischen Sammlungen und an digitalisierter Literatur. Findet sich kein Beleg für den Gebrauch, wird der Satz nicht aufgenommen, auch wenn er noch so gut klingt. Ein erheblicher Teil dessen, was im Netz als altes deutsches Sprichwort kursiert, ist irgendwann in den letzten fünfzehn Jahren entstanden, meist als Bildunterschrift oder Kalenderspruch.

Dann folgt die Bedeutung. Sie wird neu formuliert, nicht übernommen, und sie soll den Gebrauch beschreiben statt das Bild nachzuerzählen. Bei „Den Kopf in den Sand stecken“ hilft es niemandem zu lesen, dass jemand seinen Kopf in Sand steckt. Nützlich ist der Hinweis, dass damit das Ausweichen vor einer unangenehmen Lage gemeint ist.

Zuletzt die Herkunft, und das ist der heikelste Teil. Genannt wird sie nur, wenn sie sich einer Quelle oder einem frühen Beleg zuordnen lässt. Ist die Überlieferung unklar, steht das im Eintrag, ausdrücklich und ohne Ausweichformel. Das ist unbefriedigender zu lesen als eine gute Geschichte, aber es ist die einzige Angabe, für die wir geradestehen können. Die ausführliche Fassung dieser Regeln steht unter Aufnahmekriterien.

Warum es keine Seite je Sprichwort gibt

Viele Sammlungen legen für jeden Eintrag eine eigene Seite an. Das ergibt ein paar tausend Adressen mit je drei Sätzen Inhalt, und für niemanden ist das ein Gewinn. Wer ein Sprichwort nachschlägt, will es meist im Zusammenhang sehen, mit ähnlichen daneben.

Deshalb stehen die Einträge hier auf ausführlichen Themenseiten. Verlinkbar sind sie trotzdem einzeln: Jeder Eintrag hat einen eigenen Anker, und unter jedem Eintrag liegt ein Knopf, der genau diesen Link in die Zwischenablage kopiert. Wer auf „Ins Schwarze treffen“ verweisen möchte, bekommt eine Adresse, die direkt dorthin springt, aber auf einer Seite landet, die noch dreißig weitere Wendungen zum selben Thema enthält.

Wie der Bestand gepflegt wird

Hinter der Website steht kein Redaktionssystem, in dem jemand Texte in Formulare tippt. Der gesamte Bestand liegt in einer einzigen Datei, und aus dieser Datei erzeugt ein Programm die fertigen Seiten. Das klingt umständlich, hat aber einen praktischen Vorteil: Regeln lassen sich maschinell durchsetzen statt nur aufschreiben.

Ein Beispiel. Die Regel „keine erfundenen Herkunftsgeschichten“ steht nicht nur auf dieser Seite, sie ist als Prüfung hinterlegt. Behauptet ein Eintrag, seine Herkunft sei belegt, bringt aber keinen Herkunftstext mit, wird er nicht veröffentlicht. Ebenso werden Einträge gemeldet, deren Bedeutungserklärung zu knapp ausfällt, und solche, die einem bereits vorhandenen Eintrag verdächtig ähnlich sehen. Über solche Fast-Dubletten entscheidet ein Mensch, denn zwei Formulierungen können sich sehr ähnlich sehen und trotzdem Verschiedenes bedeuten.

Vor jeder Veröffentlichung läuft eine Abnahme über alle Seiten. Sie prüft unter anderem, ob jeder interne Link ein Ziel hat, ob jeder Verweis auf einen einzelnen Eintrag auch wirklich auf der Seite landet, auf der dieser Eintrag steht, ob die Seitentitel einmalig sind und ob die Überschriften halten, was sie versprechen. Findet die Abnahme einen Fehler, gibt es keine Freigabe.

Warum ausgerechnet Sprichwörter

Sprichwörter sind ein seltsam vernachlässigter Teil der Sprache. Jeder benutzt sie, kaum jemand weiß, woher sie kommen, und in der Schule tauchen sie meist nur als Bastelaufgabe auf. Dabei erzählen sie viel: über Arbeit und Armut, über den Umgang mit Nachbarn, über das Wetter, von dem einmal die Ernte abhing. Wer eine Wendung wie „Etwas auf dem Kerbholz haben“ zurückverfolgt, landet bei einer Technik, mit der Schulden vor der allgemeinen Schriftkenntnis festgehalten wurden.

Dazu kommt ein praktischer Grund. Für Menschen, die Deutsch lernen, sind Sprichwörter und Redewendungen eine der letzten großen Hürden. Man kann sie nicht ableiten, man muss sie kennen, und wörtlich übersetzt ergeben sie Unsinn. Eine verlässliche Erklärung ist da mehr wert als eine unterhaltsame Geschichte.

Was noch fehlt

Der Bestand wächst laufend, und er ist weit davon entfernt, vollständig zu sein. Am dünnsten ist der Bereich der Sprüche, und das hat einen rechtlichen Grund: Fast alles, was in den letzten Jahrzehnten für Karten und Kalender geschrieben wurde, ist urheberrechtlich geschützt. Aufgenommen wird deshalb nur Volksgut und was gemeinfrei ist.

Ebenfalls offen ist die regionale Breite. Der Bestand bildet derzeit vor allem das hochdeutsche Kerngut ab. Mundartliche Überlieferung, von der es in den historischen Sammlungen reichlich gibt, fehlt noch fast vollständig, weil sie sorgfältige Prüfung erfordert und Schreibweisen sich stark unterscheiden.

Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, eine Herkunftsangabe zweifelhaft erscheint oder ein geläufiges Sprichwort fehlt, ist ein Hinweis willkommen. Die Kontaktmöglichkeit steht im Impressum.