Auswahl
Kurze Sprichwörter mit höchstens vier Wörtern
Kurz heißt hier konkret: höchstens vier Wörter. Diese Sätze eignen sich für Karten, Widmungen und überall dort, wo wenig Platz ist. Die Auswahl entsteht durch eine feste Regel, nicht durch Gefühl, und ist deshalb nachvollziehbar.
111 Einträge mit Bedeutung · Seite 1 von 4
Aller Anfang ist schwer.
Sprichw.Der Einstieg in etwas Neues kostet am meisten Überwindung, danach wird es leichter.
Herkunft: Der Gedanke ist in vielen Sprachen verbreitet und im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Eine bestimmte Quelle lässt sich nicht ausmachen, weil die Beobachtung so naheliegt, dass sie mehrfach unabhängig entstanden sein dürfte.
Siehe auch: Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
Alles zu seiner Zeit.
Sprichw.Jede Sache hat ihren richtigen Zeitpunkt und sollte nicht erzwungen werden.
Herkunft: Der Gedanke geht auf das Buch Prediger im Alten Testament zurück, wo jedes Ding seine Zeit hat. Als knappe Redensart ist er im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Der Weg ist das Ziel.
Alte Liebe rostet nicht.
Sprichw.Eine lang zurückliegende Zuneigung kann nach Jahren noch bestehen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Bild vom Rost setzt voraus, dass Zuneigung wie Eisen behandelt wird, das eigentlich verfallen müsste.
Themen: LiebeFreundschaftVergangenheit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Ein alter Freund ist besser als zwei neue. Freundschaft will gepflegt sein.
Am falschen Ende sparen.
Sprichw.Dort kürzen, wo es sich später bitter rächt.
Herkunft: Eine jüngere Formel aus der Kaufmannssprache des 19. Jahrhunderts.
Andere Länder, andere Sitten.
Sprichw.Was anderswo üblich ist, muss nicht dem entsprechen, was man von zu Hause kennt.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Herodot in seiner Beschreibung fremder Bräuche. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ReisenErfahrungNachbarn
QuelleHerodot
Siehe auch: Reisen bildet. Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. Wer daheim bleibt, lernt die Welt nicht kennen.
Andere Zeiten, andere Sitten.
Sprichw.Was früher üblich war, muss heute nicht mehr gelten.
Herkunft: Die Formel ist die zeitliche Entsprechung zum Satz von den anderen Ländern und anderen Sitten. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: VeränderungVergangenheitNachbarn
Siehe auch: Wer die alten Wege verlässt, findet neue. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Nichts ist so beständig wie der Wandel.
Angst macht Beine.
Sprichw.Furcht setzt Kräfte frei, über die man sonst nicht verfügt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Arbeit adelt.
Sprichw.Wer arbeitet, verdient Ansehen, unabhängig von seiner Herkunft.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem 19. Jahrhundert und richtete sich gegen den Geburtsadel: Nicht die Herkunft, sondern die Leistung solle Ansehen begründen.
Siehe auch: Wie die Arbeit, so der Lohn. Der Neid sieht das Ziel, nicht den Weg.
Armut schändet nicht.
Sprichw.Wenig zu besitzen ist kein Grund, sich zu schämen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der verbreiteten Gleichsetzung von Armut mit Verschulden.
Themen: ArmutBescheidenheitEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Sprichw.Was verschoben wurde, ist damit noch lange nicht erledigt.
Herkunft: Der Satz stammt aus der Rechtssprache: Ein vertagtes Verfahren ist nicht eingestellt. Das Wortspiel mit den beiden ähnlichen Verben hat ihn in die Alltagssprache gebracht.
Themen: MisserfolgZeitZukunft
Das Auge isst mit.
Sprichw.Wie ein Gericht aussieht, beeinflusst, wie es schmeckt.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die antike Kochkunst zurück und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert als feste Wendung belegt.
Aus Fehlern lernt man.
Sprichw.Ein Fehlschlag ist kein Verlust, solange man daraus etwas mitnimmt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich in der lateinischen Formel „errando discimus“ und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Themen: MisserfolgLernenErfahrung
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sprichw.Wird gesagt, um einen Einzelfall abzutun, der einer allgemeinen Aussage widerspricht.
Herkunft: Übersetzung der juristischen Formel „exceptio probat regulam in casibus non exceptis“, in der „probat“ ursprünglich „prüft“ bedeutete.
Themen: Recht und GerechtigkeitOrdnungWissen
Siehe auch: Ordnung muss sein. Neue Herren, neue Gesetze.
Besser beneidet als bemitleidet.
Sprichw.Missgunst zu ernten ist immer noch besser, als anderen leidzutun.
Herkunft: Der Gedanke wird dem griechischen Dichter Pindar zugeschrieben und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert als Reimspruch belegt.
QuellePindar
Besser spät als nie.
Sprichw.Etwas verspätet zu tun ist immer noch besser, als es zu unterlassen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „potius sero quam numquam“, das bei Livius belegt ist.
QuelleLivius
Borgen macht Sorgen.
Sprichw.Wer sich Geld leiht, handelt sich damit Druck und Abhängigkeit ein.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Gleichklang der beiden Wörter hat ihm zu seiner Verbreitung verholfen.
Siehe auch: Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Geld und Freundschaft verträgt sich schlecht. Der Geizige besitzt sein Geld nicht, sein Geld besitzt ihn.
Doppelt hält besser.
Sprichw.Eine zusätzliche Absicherung schadet nie.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem Handwerk, wo eine zweite Naht oder ein zweiter Nagel die Verbindung sichert.
Themen: VorsichtOrdnungHandwerk
Siehe auch: Handwerk hat goldenen Boden. Gelegenheit macht Diebe. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Sprichw.Wer etwas geleistet hat, soll auch die Anerkennung dafür bekommen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Römerbrief des Neuen Testaments (Römer 13,7).
Themen: DankbarkeitRecht und GerechtigkeitBescheidenheit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Ehrlich währt am längsten.
Sprichw.Wer aufrichtig handelt, fährt auf lange Sicht besser als jemand, der sich Vorteile erschwindelt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. „Währen“ steht hier im Sinne von dauern, nicht von sich bewähren.
Themen: EhrlichkeitWahrheitVertrauen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Ein alter Freund ist besser als zwei neue.
Eifersucht macht blind.
Sprichw.Wer eifersüchtig ist, sieht überall Anzeichen für Verrat, auch wo keine sind.
Herkunft: Eine Bildung nach dem Muster des älteren Satzes, die Liebe mache blind. Im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Themen: EifersuchtLiebePartnerschaft
Siehe auch: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Eifersucht ist Gift für die Liebe. Wer liebt, ohne zu vertrauen, liebt nicht.
Eigenlob stinkt.
Sprichw.Wer sich selbst lobt, macht damit auf andere einen schlechten Eindruck.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der derbe Vergleich mit dem Geruch findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Themen: BescheidenheitHochmut
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Der leerste Krug klingt am lautesten.
Eile mit Weile.
Sprichw.Zügig arbeiten, aber ohne Hast: Wer überstürzt handelt, macht Fehler und verliert am Ende Zeit.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Devise „festina lente“, die dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben wird.
QuelleAugustus
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Gesagt, getan. Erst denken, dann reden.
Einigkeit macht stark.
Sprichw.Eine Gruppe, die zusammenhält, setzt sich leichter durch als jeder für sich.
Herkunft: Die Formel geht auf das lateinische „concordia res parvae crescunt“ bei Sallust zurück und wurde im 19. Jahrhundert zum politischen Wahlspruch mehrerer Staaten.
Themen: ZusammenhaltMachtStreit
QuelleSallust
Siehe auch: Viele Hände, schnelles Ende. Macht geht vor Recht.
Ende gut, alles gut.
Sprichw.Wenn eine Sache gut ausgeht, treten die Schwierigkeiten davor in den Hintergrund.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem Mittelalter belegt. Shakespeare verwendete sie als Titel einer Komödie, die im Deutschen als „Ende gut, alles gut“ bekannt ist.
QuelleShakespeare
Erst besinnen, dann beginnen.
Sprichw.Ein Vorhaben will bedacht sein, bevor man es anfängt.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts.
Erst denken, dann reden.
Sprichw.Eine Äußerung sollte überlegt sein, bevor sie ausgesprochen wird.
Herkunft: Ein Merkspruch der Erziehungsliteratur, der den älteren Gedanken vom Schweigen als Gold in eine Handlungsanweisung überführt.
Themen: Klugheit und DummheitVorsicht
Siehe auch: In der Kürze liegt die Würze. Eile mit Weile.
Erst wägen, dann wagen.
Sprichw.Vor einem Risiko sollte man die Folgen abschätzen.
Herkunft: Der Reim lebt vom Gleichklang der beiden Verben, die ursprünglich beide zur Waage gehören: Wägen ist das Abmessen, Wagen das Aufs-Spiel-Setzen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: VorsichtMutKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nie verliert, hat nie gespielt. Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts.
Der Fisch will schwimmen.
Sprichw.Scherzhafte Aufforderung, zum Fischgericht auch etwas zu trinken.
Herkunft: Ein Trinkspruch, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Er diente als Rechtfertigung dafür, zum Fischgericht Wein zu reichen.
Siehe auch: Ein guter Trunk macht Alte jung.
Freundschaft will gepflegt sein.
Sprichw.Eine Beziehung hält nur, solange man etwas dafür tut.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Themen: FreundschaftNachbarnZusammenhalt
Siehe auch: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Ein alter Freund ist besser als zwei neue. Alte Liebe rostet nicht.
Gegensätze ziehen sich an.
Sprichw.Sehr verschiedene Menschen finden oft gerade wegen ihrer Unterschiede zueinander.
Herkunft: Die Formel stammt aus der Physik des 19. Jahrhunderts, wo ungleichnamige Pole einander anziehen, und wurde von dort auf Menschen übertragen.
Themen: LiebePartnerschaftFreundschaft
Auf dieser Seite stehen kurze Sprichwörter mit höchstens vier Wörtern, jeweils mit Bedeutung. Alle weiteren Themen finden Sie im Themenregister, den gesamten Bestand im alphabetischen Verzeichnis.
Weiter im Nachschlagewerk