Sprichwörter · Arbeit und Gesellschaft
Sprichwörter über Armut
Armutssprichwörter sind nüchtern und oft bitter. Sie beschreiben Mangel als Zustand, der erfinderisch macht und gleichzeitig einengt.
17 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert
Bekannte Sprichwörter
Fleiß bringt Brot, Faulheit Not.
Sprichw.Wer arbeitet, kommt zurecht, wer sich drückt, gerät in Schwierigkeiten.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Schulfibel-Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts.
Im Schlaf sind alle Menschen gleich.
Sprichw.Im Schlaf zählen Rang und Vermögen nicht.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei den antiken Moralisten, unter anderem bei Publilius Syrus.
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Der Tod macht alle gleich. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Der Schlaf ist der Bruder des Todes.
Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder hat einen Hammer.
Sprichw.Spöttische Gegenrede zu dem Sprichwort vom eigenen Glück: Nicht alle starten mit denselben Möglichkeiten.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, gebildet als Widerspruch zum älteren Sprichwort.
Salz und Brot macht Wangen rot.
Sprichw.Auch einfache Kost hält gesund; als Trost bei schmalem Tisch gebraucht.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Zeit, in der Salz und Brot die Grundnahrung darstellten und zugleich als Gastgeschenk gereicht wurden.
Themen: EssenGesundheit
Siehe auch: Hunger ist der beste Koch.
Spare in der Zeit, so hast du in der Not.
Sprichw.Wer in guten Zeiten zurücklegt, ist gegen schlechte Zeiten gewappnet.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Sparkassenbewegung des 19. Jahrhunderts, der auf einem älteren Merkvers aufbaut.
Auch: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.
Siehe auch: Wer in der Jugend nicht spart, muss im Alter darben. Wer im Sommer nicht sammelt, muss im Winter darben. Vorbeugen ist besser als heilen.
Wer nichts hat, den beneidet auch niemand.
Sprichw.Missgunst richtet sich nur gegen den, der etwas vorzuweisen hat.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei den antiken Moralisten und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Siehe auch: Der Neidische magert an fremdem Fett. Wer neidet, der leidet. Wer gibt, macht sich frei.
Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Sprichw.Nüchterne Feststellung gegen den Ratschlag, man müsse nur sparsam sein.
Herkunft: Eine volkstümliche Gegenrede zu den Sparsprüchen des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Sparen ist verdienen. Sparsamkeit erhält das Haus. In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Besser arm in Ehren als reich in Schanden.
Sprichw.Ein guter Ruf wiegt schwerer als Vermögen, das auf unlautere Weise erworben wurde.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitReichtum
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Armut schändet nicht. Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Hunger ist der beste Koch.
Sprichw.Wer richtig hungrig ist, dem schmeckt auch einfaches Essen ausgezeichnet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Cicero, der schreibt, der Hunger sei die Würze der Speise. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleCicero
Siehe auch: Salz und Brot macht Wangen rot.
In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Sprichw.Wer keine Wahl hat, nimmt auch das, was er sonst verschmähen würde.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Die Fliege galt als das geringste denkbare Tier, das selbst der Teufel verschmähen würde.
Siehe auch: Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Sprichw.Wer wenig Macht hat, wird für dasselbe Vergehen härter belangt als der Mächtige.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitMacht
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer hat, dem wird gegeben. Im Zweifel für den Angeklagten.
Der Tod macht alle gleich.
Sprichw.Vor dem Sterben zählen Rang und Vermögen nicht mehr.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Literatur verbreitet, unter anderem bei Horaz, und im Mittelalter durch die Darstellungen des Totentanzes bildlich geworden.
QuelleHoraz
Siehe auch: Sterben müssen wir alle. Im Schlaf sind alle Menschen gleich. Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders.
Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts.
Sprichw.Wer keinen Besitz zu schützen hat, geht auch keine Rücksicht ein.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Literatur verbreitet, unter anderem bei Juvenal, der schreibt, der Reisende mit leeren Taschen singe vor dem Räuber.
QuelleJuvenal
Siehe auch: Wer nie verliert, hat nie gespielt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Erst wägen, dann wagen.
Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.
Sprichw.Von jemandem, der nichts besitzt, lässt sich auch nichts eintreiben.
Herkunft: Alte Rechtsregel, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitGeld
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Borgen macht Sorgen. Geld und Freundschaft verträgt sich schlecht.
Kurze Sprichwörter
Armut schändet nicht.
Sprichw.Wenig zu besitzen ist kein Grund, sich zu schämen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der verbreiteten Gleichsetzung von Armut mit Verschulden.
Themen: BescheidenheitEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Borgen macht Sorgen.
Sprichw.Wer sich Geld leiht, handelt sich damit Druck und Abhängigkeit ein.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Gleichklang der beiden Wörter hat ihm zu seiner Verbreitung verholfen.
Siehe auch: Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Geld und Freundschaft verträgt sich schlecht. Der Geizige besitzt sein Geld nicht, sein Geld besitzt ihn.
Not macht erfinderisch.
Sprichw.Wer wenig Mittel hat, findet oft überraschende Lösungen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „mater artium necessitas“, wonach die Not die Mutter der Künste sei. Der Gedanke findet sich bereits bei Platon.
Themen: Klugheit und DummheitErfahrung
QuellePlaton
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