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Alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft
Alt heißt hier: Die Herkunft lässt sich belegen, meist bis in die Antike, die Bibel oder das mittelalterliche Handwerk. Aufgenommen sind nur Einträge, bei denen eine Quelle benannt werden kann. Wo die Herkunft unklar ist, steht das ausdrücklich dabei, und diese Einträge erscheinen hier nicht.
451 Einträge mit Bedeutung · Seite 1 von 16
Abendrot, Gutwetterbot; Morgenrot mit Regen droht.
Sprichw.Wetterregel, die aus der Färbung des Himmels auf den kommenden Tag schließt.
Herkunft: Die Regel hat einen physikalischen Kern. In unseren Breiten zieht das Wetter überwiegend von Westen heran. Ein rot gefärbter Abendhimmel im Westen zeigt trockene Luft in der Richtung an, aus der das Wetter der nächsten Stunden kommt.
Themen: WetterJahreszeiten
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Abschiednehmen heißt ein wenig sterben.
Sprichw.Jede Trennung nimmt einem ein Stück von dem, was man war.
Edmond Haraucourtfranzösischer Dichter, 1856 bis 1941
Herkunft: Übersetzung der französischen Zeile „partir, c'est mourir un peu“ aus einem Gedicht von Edmond Haraucourt (1891).
Auch: Partir, c'est mourir un peu.
QuelleHaraucourt
Siehe auch: Wer lebt, muss Abschied nehmen lernen. Scheiden tut weh. Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
Alle Wege führen nach Rom.
Sprichw.Es gibt mehrere Möglichkeiten, zum selben Ergebnis zu kommen.
Herkunft: Der Satz spielt auf das römische Straßennetz an, dessen Fernstraßen auf die Hauptstadt zuliefen.
Siehe auch: Mit Geduld und Zeit kommt man weit.
Alles zu seiner Zeit.
Sprichw.Jede Sache hat ihren richtigen Zeitpunkt und sollte nicht erzwungen werden.
Herkunft: Der Gedanke geht auf das Buch Prediger im Alten Testament zurück, wo jedes Ding seine Zeit hat. Als knappe Redensart ist er im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer früh anfängt, muss nicht schnell arbeiten. Die Natur eilt nicht und doch wird alles fertig. Wo Ordnung herrscht, kommt Ruhe ein.
Alte Bäume verpflanzt man nicht.
Sprichw.Ältere Menschen sollte man nicht aus ihrer gewohnten Umgebung reißen.
Herkunft: Eine gärtnerische Erfahrung, die auf den Menschen übertragen wird: Ein alter Baum wächst nach dem Umsetzen kaum noch an, weil die Wurzeln zu weit reichen.
Themen: AlterVeränderungHaus und Heimat
Siehe auch: Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt. Wer immer dasselbe tut, darf kein anderes Ergebnis erwarten. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Alte Leute vergessen den Namen und behalten die Geschichte.
Sprichw.Das Langzeitgedächtnis bleibt oft, während Neues nicht mehr haftet.
Herkunft: Eine volkstümliche Beobachtung, die der Gedächtnisforschung des 20. Jahrhunderts entspricht.
Themen: AlterVergangenheitErfahrung
Siehe auch: Die gute alte Zeit war auch nicht besser. Wer sich erinnert, lebt zweimal. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.
Alte Liebe rostet nicht.
Sprichw.Eine lang zurückliegende Zuneigung kann nach Jahren noch bestehen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Bild vom Rost setzt voraus, dass Zuneigung wie Eisen behandelt wird, das eigentlich verfallen müsste.
Themen: LiebeFreundschaftVergangenheit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer zusammen lachen kann, hält länger zusammen. Ein alter Freund ist besser als zwei neue. Kein Abschied ist für immer.
Ein alter Freund ist besser als zwei neue.
Sprichw.Wer sich über Jahre bewährt hat, ist verlässlicher als eine frische Bekanntschaft.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch Jesus Sirach im Alten Testament, wonach ein neuer Freund wie neuer Wein sei.
Themen: FreundschaftVergangenheitVertrauen
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Alte Liebe rostet nicht. Wer zusammen lachen kann, hält länger zusammen. Freundschaft will gepflegt sein.
Alter geht vor Schönheit.
Sprichw.Scherzhafte Formel, mit der man jemandem den Vortritt lässt.
Herkunft: Eine Höflichkeitsformel des 19. Jahrhunderts, meist ironisch gebraucht.
Themen: AlterBescheidenheitNachbarn
Siehe auch: Der Ton macht die Musik.
Das Alter kommt ungeladen.
Sprichw.Niemand bittet darum, und doch stellt es sich bei jedem ein.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Alter schützt vor Torheit nicht.
Sprichw.Auch ältere Menschen machen Dummheiten; Lebensjahre allein bringen keine Vernunft.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der Erwartung, mit den Jahren komme von selbst die Vernunft.
Themen: AlterKlugheit und Dummheit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger. Graue Haare machen noch keinen Weisen. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
An den Früchten erkennt man den Baum.
Sprichw.Was jemand taugt, zeigt sich an dem, was er hervorbringt, nicht an dem, was er sagt.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus der Bergpredigt (Matthäus 7,16).
Themen: NaturErfahrungLandwirtschaft
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie die Saat, so die Ernte.
Andere Länder, andere Sitten.
Sprichw.Was anderswo üblich ist, muss nicht dem entsprechen, was man von zu Hause kennt.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Herodot in seiner Beschreibung fremder Bräuche. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ReisenErfahrungNachbarn
QuelleHerodot
Siehe auch: Wer reist, vergleicht; wer vergleicht, versteht. Wer reist, hat etwas zu erzählen. Reisen bildet.
Andere Zeiten, andere Sitten.
Sprichw.Was früher üblich war, muss heute nicht mehr gelten.
Herkunft: Die Formel ist die zeitliche Entsprechung zum Satz von den anderen Ländern und anderen Sitten. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: VeränderungVergangenheitNachbarn
Siehe auch: Wer immer dasselbe tut, darf kein anderes Ergebnis erwarten. Wer die alten Wege verlässt, findet neue. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.
Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
Sprichw.Wer den Anfang geschafft hat, hat den schwierigsten Teil hinter sich.
Herkunft: Der Gedanke wird Aristoteles zugeschrieben und findet sich als lateinisches „dimidium facti qui coepit habet“ bei Horaz.
QuelleAristoteles, Horaz
Siehe auch: Wer zu lange plant, fängt nie an. Wer nichts anfängt, bringt nichts zu Ende. Der erste Schritt ist der schwerste.
Angst macht Beine.
Sprichw.Furcht setzt Kräfte frei, über die man sonst nicht verfügt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer trinkt, vergisst nicht, er verschiebt nur.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Sprichw.Kinder ähneln ihren Eltern in Verhalten und Eigenschaften.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Bild ist buchstäblich gemeint: Fallobst bleibt in der Nähe des Baumes liegen.
Themen: FamilieElternKinderErfahrung
Siehe auch: Wie der Vater, so der Sohn. Art lässt nicht von Art. Kein Baum wächst ohne Wurzeln.
Der Appetit kommt beim Essen.
Sprichw.Oft stellt sich die Lust an einer Sache erst ein, wenn man damit begonnen hat.
Herkunft: Die Wendung ist als französisches Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde durch François Rabelais bekannt.
Themen: EssenErfahrungNeuanfang
QuelleRabelais
Siehe auch: Frisch gewagt ist halb gewonnen. Der erste Schritt ist der schwerste.
April, April, der macht, was er will.
Sprichw.Kommentar zum schnell wechselnden Aprilwetter.
Herkunft: Der Vers greift eine tatsächliche Wetterlage auf: Im April liegt Mitteleuropa häufig in einer wechselhaften Westströmung, in der sich Sonne, Regen und Graupel innerhalb weniger Stunden ablösen.
Themen: WetterJahreszeiten
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Arbeit macht das Leben süß.
Sprichw.Wer etwas leistet, empfindet auch die freie Zeit als Gewinn.
Herkunft: Die Zeile stammt aus einem Kinderlied von Gottlob Wilhelm Burmann aus dem späten 18. Jahrhundert.
QuelleBurmann
Siehe auch: Wer schmieden will, muss erst das Feuer schüren. Wer den Kern essen will, muss die Nuss knacken.
Armut lehrt Künste.
Sprichw.Wer nichts hat, findet Wege, die dem Wohlhabenden gar nicht einfallen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „paupertas omnes artes docet“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: ArmutKlugheit und DummheitArbeit
Siehe auch: Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts zurücklegt, lebt von der Hand in den Mund. Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Armut schändet nicht.
Sprichw.Wenig zu besitzen ist kein Grund, sich zu schämen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der verbreiteten Gleichsetzung von Armut mit Verschulden.
Themen: ArmutBescheidenheitEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Ein guter Name ist besser als Reichtum. Wer in Ehren alt wird, hat mehr erreicht als der, der reich stirbt.
Art lässt nicht von Art.
Sprichw.Die angeborene Wesensart bricht früher oder später durch.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: ErfahrungFamilieEltern
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wer zusammen reist, lernt sich kennen. Stille Wasser sind tief.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
Sprichw.Auch wer sonst wenig zustande bringt, hat gelegentlich zufällig Erfolg.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz wird meist herablassend gebraucht und schreibt den Erfolg allein dem Zufall zu.
Auch: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
Themen: GlückTiereKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. Wer das Glück sucht, findet es selten.
Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
Sprichw.Auf rüdes Verhalten darf man mit gleicher Härte antworten.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Holzarbeit: Ein knorriger Klotz lässt sich nur mit einem entsprechend groben Keil spalten. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Sprichw.Was verschoben wurde, ist damit noch lange nicht erledigt.
Herkunft: Der Satz stammt aus der Rechtssprache: Ein vertagtes Verfahren ist nicht eingestellt. Das Wortspiel mit den beiden ähnlichen Verben hat ihn in die Alltagssprache gebracht.
Themen: MisserfolgZeitZukunft
Siehe auch: Wer nur zurückblickt, sieht nicht, wohin er tritt.
Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Sprichw.Vergeltung im gleichen Maß wie die erlittene Tat.
Herkunft: Der Grundsatz stammt aus dem Alten Testament (2. Mose 21,24) und war ursprünglich eine Begrenzung der Rache auf ein angemessenes Maß.
Themen: Recht und GerechtigkeitStreit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wie du mir, so ich dir.
Aus den Augen, aus dem Sinn.
Sprichw.Wer nicht mehr präsent ist, gerät schnell in Vergessenheit.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „quod non videt oculus, cor non dolet“ und ist im Deutschen seit dem Mittelalter belegt.
Themen: AbschiedLiebeFreundschaftVergangenheit
Siehe auch: Über alles wächst Gras. Wer den Hafen erreicht hat, vergisst den Sturm.
Aus Fehlern lernt man.
Sprichw.Ein Fehlschlag ist kein Verlust, solange man daraus etwas mitnimmt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich in der lateinischen Formel „errando discimus“ und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Themen: MisserfolgLernenErfahrung
Siehe auch: Wer lebt, macht Fehler; wer keine macht, lebt nicht. Stillstand ist Rückschritt.
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sprichw.Wird gesagt, um einen Einzelfall abzutun, der einer allgemeinen Aussage widerspricht.
Herkunft: Übersetzung der juristischen Formel „exceptio probat regulam in casibus non exceptis“, in der „probat“ ursprünglich „prüft“ bedeutete.
Themen: Recht und GerechtigkeitOrdnungWissen
Siehe auch: Ordnung muss sein. Neue Herren, neue Gesetze.
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