Sprichwörter · Arbeit und Gesellschaft
Sprichwörter über Recht und Gerechtigkeit
Zwischen Rechtsprichwörtern und Rechtsregeln ist die Grenze fließend. Viele dieser Sätze wurden tatsächlich als Merkregel vor Gericht benutzt.
38 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 2
Bekannte Sprichwörter
Das Recht ist für alle da, aber nicht für alle gleich erreichbar.
Sprichw.Formale Gleichheit vor dem Gesetz bedeutet nicht, dass jeder es auch durchsetzen kann.
Herkunft: Eine Formel aus der rechtspolitischen Diskussion des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen. Wer hat, dem wird gegeben.
Die Wahrheit braucht keine Zeugen.
Sprichw.Was zutrifft, setzt sich auch ohne Bestätigung durch.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Auch: Die Wahrheit braucht keine Zeugen, die Lüge viele.
Themen: WahrheitEhrlichkeitLügenVertrauen
Siehe auch: Wer nichts zu verbergen hat, muss sich nichts merken. Wer lügt, braucht ein gutes Gedächtnis. Taten sagen mehr als Worte.
Die Wahrheit kommt ans Licht.
Sprichw.Was verborgen werden soll, wird auf Dauer doch bekannt.
Herkunft: Der Gedanke ist in vielen Sprachen verbreitet und findet sich im Deutschen auch in der Fassung vom fein gesponnenen Faden, der ans Licht kommt.
Siehe auch: Lügen haben kurze Beine. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Die Sonne bringt es an den Tag.
Wer die Macht hat, braucht keine Argumente.
Sprichw.Wer sich ohnehin durchsetzen kann, muss niemanden überzeugen.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit dem älteren Satz, Macht gehe vor Recht.
Siehe auch: Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei. Macht geht vor Recht. Kleine Herren, große Plage.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Sprichw.Vergeltung im gleichen Maß wie die erlittene Tat.
Herkunft: Der Grundsatz stammt aus dem Alten Testament (2. Mose 21,24) und war ursprünglich eine Begrenzung der Rache auf ein angemessenes Maß.
Themen: Streit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wie du mir, so ich dir.
Betrug schlägt seinen eigenen Herrn.
Sprichw.Wer andere hintergeht, schadet am Ende sich selbst.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitLügen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer lügt, der trügt. Wer im Handel lügt, verkauft nur einmal. Unrecht Gut gedeihet nicht.
Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Sprichw.Wer von einer Straftat profitiert, macht sich ebenso schuldig wie der Täter.
Herkunft: Alte Rechtsregel, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitGeld
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mitgefangen, mitgehangen.
Im Zweifel für den Angeklagten.
Sprichw.Solange Schuld nicht bewiesen ist, gilt die für den Beschuldigten günstigere Annahme.
Herkunft: Übersetzung des juristischen Grundsatzes „in dubio pro reo“.
Themen: Wahrheit
Siehe auch: Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei. Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Sprichw.Wer wenig Macht hat, wird für dasselbe Vergehen härter belangt als der Mächtige.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Das Recht ist für alle da, aber nicht für alle gleich erreichbar. Wer hat, dem wird gegeben. Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei.
Die Letzten werden die Ersten sein.
Sprichw.Die Rangordnung kann sich vollständig umkehren; oft als Trost für Benachteiligte gebraucht.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Matthäusevangelium (Matthäus 20,16).
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Auf einen strengen Winter folgt ein guter Sommer.
Macht ohne Kontrolle wird Willkür.
Sprichw.Ohne Gegengewicht entartet jede Befugnis.
Herkunft: Der Gedanke gehört zur Lehre von der Gewaltenteilung, wie Montesquieu sie 1748 ausformuliert hat.
QuelleMontesquieu
Siehe auch: Wer alles kontrolliert, hat nie vertraut.
Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozess.
Sprichw.Eine Einigung mit Abstrichen kostet weniger als ein gewonnener Rechtsstreit.
Herkunft: Eine alte Juristenweisheit, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei.
Sprichw.Im Recht zu sein bedeutet nicht, sich auch durchzusetzen.
Herkunft: Eine Juristenweisheit, im deutschen Sprachraum seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Siehe auch: Wer die Macht hat, braucht keine Argumente. Im Zweifel für den Angeklagten. Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Der Regen fällt auf Gerechte und Ungerechte.
Sprichw.Das Wetter macht keinen Unterschied zwischen den Menschen; übertragen: das Schicksal auch nicht.
Herkunft: Aus dem Matthäusevangelium (Matthäus 5,45).
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Das Glück ist blind. Wo die Liebe hinfällt. Sterben müssen wir alle.
Die Sonne scheint für alle.
Sprichw.Manches steht allen gleichermaßen zu, unabhängig von Rang und Vermögen.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits bei Petronius belegt und im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
QuellePetronius
Siehe auch: Im Schlaf sind alle Menschen gleich. Gleiches Recht für alle. Der Tod macht alle gleich.
Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
Sprichw.Der Ausgang eines Verfahrens ist ebenso wenig vorhersehbar wie das Wetter auf See.
Herkunft: Alte Juristenweisheit, im deutschen Sprachraum seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Siehe auch: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Niemand weiß, was der morgige Tag bringt.
Was der Mensch sät, das wird er ernten.
Sprichw.Jeder bekommt am Ende das zurück, was er selbst in die Welt gesetzt hat.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Galater 6,7).
Auch: Was man sät, das erntet man.
Themen: SchicksalLandwirtschaft
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie man sich bettet, so liegt man. Unrecht Gut gedeihet nicht. Kleine Ursachen, große Wirkungen.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Sprichw.Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
Herkunft: Die deutsche Reimfassung der sogenannten Goldenen Regel, die sich in ähnlicher Form in vielen Überlieferungen findet, unter anderem im Neuen Testament.
Themen: NachbarnEhrlichkeit
QuelleNeues Testament
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Sprichw.Wer anderen schaden will, richtet den Schaden häufig bei sich selbst an.
Herkunft: Der Gedanke findet sich im biblischen Buch der Sprüche (26,27) und im Prediger (10,8).
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Betrug schlägt seinen eigenen Herrn.
Kurze Sprichwörter
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sprichw.Wird gesagt, um einen Einzelfall abzutun, der einer allgemeinen Aussage widerspricht.
Herkunft: Übersetzung der juristischen Formel „exceptio probat regulam in casibus non exceptis“, in der „probat“ ursprünglich „prüft“ bedeutete.
Siehe auch: Ordnung muss sein. Neue Herren, neue Gesetze.
Besitz verpflichtet.
Sprichw.Wer viel hat, trägt für den Umgang damit Verantwortung.
Herkunft: Die Formel geht auf Artikel 14 des deutschen Grundgesetzes zurück, wonach Eigentum verpflichtet; der Gedanke ist älter.
Themen: ReichtumGroßzügigkeit
QuelleGrundgesetz
Siehe auch: Wer viel verschenkt, muss wenig bewachen. Wer gibt, macht sich frei. Wer viel hat, hat viel zu verlieren.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Sprichw.Wer etwas geleistet hat, soll auch die Anerkennung dafür bekommen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Römerbrief des Neuen Testaments (Römer 13,7).
Themen: DankbarkeitBescheidenheit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer sich selbst genügt, braucht wenig Beifall. Ein Dank ist die halbe Bezahlung. Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Gelegenheit macht Diebe.
Sprichw.Wer offen liegen lässt, was leicht zu nehmen ist, verführt andere zum Zugreifen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „occasio facit furem“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: VorsichtEhrlichkeit
Siehe auch: Doppelt hält besser. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Gleiches Recht für alle.
Sprichw.Forderung, dass für jeden dieselben Regeln gelten.
Herkunft: Die Formel geht auf die römische Rechtsidee der „aequitas“ zurück und wurde in der Französischen Revolution zum politischen Schlagwort.
Themen: Macht
Siehe auch: Die Sonne scheint für alle. Der Regen fällt auf Gerechte und Ungerechte.
Das Glück ist blind.
Sprichw.Wem etwas zufällt, hat es nicht verdient, sondern nur getroffen.
Herkunft: Die Darstellung der Glücksgöttin Fortuna mit verbundenen Augen ist seit der Antike verbreitet.
Siehe auch: Der Regen fällt auf Gerechte und Ungerechte. Wo die Liebe hinfällt. Wer die Macht hat, braucht keine Argumente.
Kauf ist Kauf.
Sprichw.Ein abgeschlossener Kauf lässt sich nicht rückgängig machen.
Herkunft: Eine alte Rechtsregel, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Im Handel gilt das Wort.
Macht geht vor Recht.
Sprichw.Wer stärker ist, setzt sich durch, gleichgültig wer im Recht ist.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde im 19. Jahrhundert zum politischen Schlagwort in der Auseinandersetzung um den Vorrang des Rechts.
Themen: Macht
Siehe auch: Wer die Macht hat, braucht keine Argumente. Kleine Herren, große Plage. Einigkeit macht stark.
Mitgefangen, mitgehangen.
Sprichw.Wer bei einer Sache mitgemacht hat, trägt die Folgen mit, auch wenn er nur am Rand beteiligt war.
Herkunft: Der Reimspruch stammt aus der Rechtssprache und meinte ursprünglich die Mithaftung von Beteiligten. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: FreundschaftStreit
Siehe auch: Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Neue Herren, neue Gesetze.
Sprichw.Mit einer neuen Führung ändern sich auch die Regeln.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt, entstanden in einer Zeit, in der ein Herrschaftswechsel tatsächlich neue Rechtsordnungen brachte.
Themen: MachtVeränderung
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wetter und Laune ändern sich schnell. Kein Wetter hält ewig. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Unrecht Gut gedeihet nicht.
Sprichw.Unehrlich erworbener Besitz bringt auf Dauer keinen Nutzen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament, wonach unrecht erworbenes Gut nicht bleibt. Die deutsche Fassung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: GeldEhrlichkeit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Ehrlich sein kostet, unehrlich sein kostet mehr. Betrug schlägt seinen eigenen Herrn. Wer lügt, der trügt.
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