Sprichwörter · Arbeit und Gesellschaft
Sprichwörter über Recht und Gerechtigkeit
Zwischen Rechtsprichwörtern und Rechtsregeln ist die Grenze fließend. Viele dieser Sätze wurden tatsächlich als Merkregel vor Gericht benutzt.
27 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert
Bekannte Sprichwörter
Die Wahrheit kommt ans Licht.
Sprichw.Was verborgen werden soll, wird auf Dauer doch bekannt.
Herkunft: Der Gedanke ist in vielen Sprachen verbreitet und findet sich im Deutschen auch in der Fassung vom fein gesponnenen Faden, der ans Licht kommt.
Siehe auch: Lügen haben kurze Beine. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Die Sonne bringt es an den Tag.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Sprichw.Grundsatz, nach dem ein gutes Ziel auch fragwürdige Wege rechtfertige. Wird heute fast nur noch kritisch zitiert.
Herkunft: Die Formel wird meist Machiavelli zugeschrieben; in dieser Fassung steht sie bei ihm nicht.
Themen: MachtEhrlichkeit
Siehe auch: Wer sich entschuldigt, klagt sich an.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Sprichw.Vergeltung im gleichen Maß wie die erlittene Tat.
Herkunft: Der Grundsatz stammt aus dem Alten Testament (2. Mose 21,24) und war ursprünglich eine Begrenzung der Rache auf ein angemessenes Maß.
Themen: Streit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wie du mir, so ich dir.
Betrug schlägt seinen eigenen Herrn.
Sprichw.Wer andere hintergeht, schadet am Ende sich selbst.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitLügen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer lügt, der trügt. Unrecht Gut gedeihet nicht. Lügen haben kurze Beine.
Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Sprichw.Wer von einer Straftat profitiert, macht sich ebenso schuldig wie der Täter.
Herkunft: Alte Rechtsregel, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitGeld
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mitgefangen, mitgehangen.
Im Zweifel für den Angeklagten.
Sprichw.Solange Schuld nicht bewiesen ist, gilt die für den Beschuldigten günstigere Annahme.
Herkunft: Übersetzung des juristischen Grundsatzes „in dubio pro reo“.
Themen: Wahrheit
Siehe auch: Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Sprichw.Wer wenig Macht hat, wird für dasselbe Vergehen härter belangt als der Mächtige.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer hat, dem wird gegeben. Im Zweifel für den Angeklagten.
Die Letzten werden die Ersten sein.
Sprichw.Die Rangordnung kann sich vollständig umkehren; oft als Trost für Benachteiligte gebraucht.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Matthäusevangelium (Matthäus 20,16).
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Auf einen strengen Winter folgt ein guter Sommer.
Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozess.
Sprichw.Eine Einigung mit Abstrichen kostet weniger als ein gewonnener Rechtsstreit.
Herkunft: Eine alte Juristenweisheit, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
Sprichw.Der Ausgang eines Verfahrens ist ebenso wenig vorhersehbar wie das Wetter auf See.
Herkunft: Alte Juristenweisheit, im deutschen Sprachraum seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Siehe auch: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Niemand weiß, was der morgige Tag bringt.
Was der Mensch sät, das wird er ernten.
Sprichw.Jeder bekommt am Ende das zurück, was er selbst in die Welt gesetzt hat.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Galater 6,7).
Auch: Was man sät, das erntet man.
Themen: SchicksalLandwirtschaft
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie man sich bettet, so liegt man. Unrecht Gut gedeihet nicht. Kleine Ursachen, große Wirkungen.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Sprichw.Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
Herkunft: Die deutsche Reimfassung der sogenannten Goldenen Regel, die sich in ähnlicher Form in vielen Überlieferungen findet, unter anderem im Neuen Testament.
Themen: NachbarnEhrlichkeit
QuelleNeues Testament
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Sprichw.Wer anderen schaden will, richtet den Schaden häufig bei sich selbst an.
Herkunft: Der Gedanke findet sich im biblischen Buch der Sprüche (26,27) und im Prediger (10,8).
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Betrug schlägt seinen eigenen Herrn.
Wer hat, dem wird gegeben.
Sprichw.Wer schon viel besitzt, bekommt am leichtesten noch mehr dazu.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Matthäus 25,29) und wird heute meist gesellschaftskritisch gebraucht.
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Sprichw.Wer sich zuerst meldet oder anstellt, wird zuerst bedient.
Herkunft: Alte Mühlenordnung: Das Getreide wurde in der Reihenfolge des Eintreffens gemahlen. Der Satz ist als Rechtsregel überliefert.
Siehe auch: Alles zu seiner Zeit.
Wie du mir, so ich dir.
Sprichw.Eine Kränkung wird mit gleicher Münze heimgezahlt.
Herkunft: Die Formel ist die volkstümliche Fassung des alttestamentlichen Vergeltungsgrundsatzes und im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wer niemandem traut, dem traut auch niemand. Wer gern gibt, dem gibt man gern.
Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter.
Sprichw.Solange sich niemand beschwert, hat ein Verstoß keine Folgen.
Herkunft: Alte Rechtsregel, die den Grundsatz des Antragsdelikts in Sprichwortform bringt.
Siehe auch: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.
Sprichw.Von jemandem, der nichts besitzt, lässt sich auch nichts eintreiben.
Herkunft: Alte Rechtsregel, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Borgen macht Sorgen. Geld und Freundschaft verträgt sich schlecht.
Kurze Sprichwörter
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sprichw.Wird gesagt, um einen Einzelfall abzutun, der einer allgemeinen Aussage widerspricht.
Herkunft: Übersetzung der juristischen Formel „exceptio probat regulam in casibus non exceptis“, in der „probat“ ursprünglich „prüft“ bedeutete.
Siehe auch: Ordnung muss sein. Neue Herren, neue Gesetze.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Sprichw.Wer etwas geleistet hat, soll auch die Anerkennung dafür bekommen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Römerbrief des Neuen Testaments (Römer 13,7).
Themen: DankbarkeitBescheidenheit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Gelegenheit macht Diebe.
Sprichw.Wer offen liegen lässt, was leicht zu nehmen ist, verführt andere zum Zugreifen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „occasio facit furem“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: VorsichtEhrlichkeit
Siehe auch: Doppelt hält besser. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Gleiches Recht für alle.
Sprichw.Forderung, dass für jeden dieselben Regeln gelten.
Herkunft: Die Formel geht auf die römische Rechtsidee der „aequitas“ zurück und wurde in der Französischen Revolution zum politischen Schlagwort.
Themen: Macht
Kauf ist Kauf.
Sprichw.Ein abgeschlossener Kauf lässt sich nicht rückgängig machen.
Herkunft: Eine alte Rechtsregel, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Macht geht vor Recht.
Sprichw.Wer stärker ist, setzt sich durch, gleichgültig wer im Recht ist.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde im 19. Jahrhundert zum politischen Schlagwort in der Auseinandersetzung um den Vorrang des Rechts.
Themen: Macht
Siehe auch: Einigkeit macht stark.
Mitgefangen, mitgehangen.
Sprichw.Wer bei einer Sache mitgemacht hat, trägt die Folgen mit, auch wenn er nur am Rand beteiligt war.
Herkunft: Der Reimspruch stammt aus der Rechtssprache und meinte ursprünglich die Mithaftung von Beteiligten. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: FreundschaftStreit
Siehe auch: Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Neue Herren, neue Gesetze.
Sprichw.Mit einer neuen Führung ändern sich auch die Regeln.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt, entstanden in einer Zeit, in der ein Herrschaftswechsel tatsächlich neue Rechtsordnungen brachte.
Themen: MachtVeränderung
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Unrecht Gut gedeihet nicht.
Sprichw.Unehrlich erworbener Besitz bringt auf Dauer keinen Nutzen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament, wonach unrecht erworbenes Gut nicht bleibt. Die deutsche Fassung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: GeldEhrlichkeit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Betrug schlägt seinen eigenen Herrn. Wer lügt, der trügt. Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.
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