Sprichwörter · Charakter und Verhalten
Sprichwörter über Bescheidenheit
Zurückhaltung wird in Sprichwörtern gelobt, aber nicht ohne Ironie. Mehrere bekannte Belege spielen damit, dass Bescheidenheit auch schaden kann.
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Bekannte Sprichwörter
Bescheidenheit ist nicht dasselbe wie Kleinmut.
Sprichw.Wer zurückhaltend auftritt, muss deshalb nicht verzagt sein.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Demut ist der Anfang aller Weisheit. Wer im Unglück lacht, hat es halb überwunden. Wer dankbar lebt, hat weniger Ansprüche.
Demut ist der Anfang aller Weisheit.
Sprichw.Wer die eigenen Grenzen kennt, kann erst lernen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Augustinus und geht auf die Formel von der Furcht als Anfang der Weisheit zurück.
QuelleAugustinus
Siehe auch: Bescheidenheit ist nicht dasselbe wie Kleinmut. Wissen ist nicht dasselbe wie Verstehen. Wer reist, vergleicht; wer vergleicht, versteht.
Ehrlichkeit fängt bei sich selbst an.
Sprichw.Wer sich selbst etwas vormacht, ist auch gegenüber anderen nicht aufrichtig.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit der Inschrift von Delphi.
Themen: EhrlichkeitWahrheit
QuelleOrakel von Delphi
Siehe auch: Wer dankbar lebt, hat weniger Ansprüche. Großzügigkeit ist eine Übung, keine Anlage. Geduld ist eine Tugend.
Ein eigenes Dach ist mehr wert als ein fremder Palast.
Sprichw.Das Eigene, so klein es ist, wiegt schwerer als der Aufenthalt im Fremden.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit dem Sprichwort vom eigenen Herd.
Themen: Haus und HeimatReichtum
Siehe auch: Wer viel hat und wenig zeigt, hat am meisten. Wer gibt, macht sich frei. Reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.
Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Erwartungen.
Sprichw.Das Wetter ist, was es ist; unpassend wird es erst durch die Planung.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit dem Satz, es gebe kein schlechtes Wetter.
Siehe auch: Geduld ist eine Tugend. Wer wenig verspricht, kann viel halten. Wer vom Tod spricht, meint das Leben.
Die Friedhöfe sind voll von unersetzlichen Leuten.
Sprichw.Spöttische Erinnerung daran, dass jeder ersetzbar ist.
Herkunft: Der Ausspruch wird Charles de Gaulle und mehreren anderen zugeschrieben, ohne dass sich ein Erstbeleg finden ließe.
Siehe auch: Wer sich für den Nabel der Welt hält, hat wenig von ihr gesehen. Ein Esel schilt den anderen Langohr. Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Geben, ohne zu rechnen, ist die einzige Großzügigkeit.
Sprichw.Wer beim Schenken kalkuliert, schenkt nicht, sondern investiert.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit dem Gedanken bei Seneca, die Wohltat liege in der Gesinnung.
Themen: GroßzügigkeitGeld
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer viel gibt, braucht selbst am wenigsten. Wer gibt, soll schweigen; wer nimmt, soll reden. Wer gibt, macht sich frei.
Der Geizige gönnt sich selbst am wenigsten.
Sprichw.Wer nichts hergibt, hält sich selbst am kürzesten.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 18. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Wer nur spart, lebt nicht. Sparen ohne Zweck ist Verzicht ohne Grund. Der Geizige lebt arm, um reich zu sterben.
Ein Glas erfreut, das zweite genügt, das dritte schadet.
Sprichw.Dreistufige Merkregel zum Maßhalten beim Trinken.
Herkunft: Der Gedanke geht auf eine griechische Sentenz zurück, die dem Dichter Eubulos zugeschrieben wird.
Themen: TrinkenGesundheit
QuelleEubulos
Siehe auch: Das letzte Glas ist immer eines zu viel. Wer den Wein nicht verträgt, soll das Wasser loben. Wer maßhalten kann, braucht keinen Arzt.
Glück ist ein Augenblick, Zufriedenheit ein Zustand.
Sprichw.Das eine kommt und geht, das andere lässt sich einrichten.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts aus der Zufriedenheitsforschung.
Siehe auch: Nichts ist so beständig wie der Wandel. Nichts bleibt, wie es ist. In der Ehe zählt nicht der Hochzeitstag, sondern der Alltag.
Das Glück wohnt selten in großen Häusern.
Sprichw.Zufriedenheit hat wenig mit dem Umfang des Besitzes zu tun.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Geld allein macht nicht glücklich. Der Geiz macht den Beutel schwer und das Herz leer. Der Reichste ist nicht der mit dem meisten Geld, sondern der mit den wenigsten Wünschen.
Glück, das niemand sieht, ist auch eines.
Sprichw.Zufriedenheit braucht kein Publikum.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Wer dankbar lebt, hat weniger Ansprüche. Das Glück wohnt selten in großen Häusern. Wer vergleicht, verliert.
Große Menschen machen wenig Aufhebens.
Sprichw.Wer etwas kann, muss darauf nicht hinweisen.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit dem älteren Bild vom leeren Krug, der am lautesten klingt.
Siehe auch: Wer sich zu klein macht, wird übersehen. Wer leise auftritt, wird länger gehört. Wer viel hat und wenig zeigt, hat am meisten.
Großzügigkeit ist eine Übung, keine Anlage.
Sprichw.Wer teilen will, muss es sich angewöhnen; von selbst stellt es sich nicht ein.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Themen: GroßzügigkeitLernen
Siehe auch: Geben, ohne zu rechnen, ist die einzige Großzügigkeit. Wer dankbar lebt, hat weniger Ansprüche. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Höflichkeit kostet nichts und bringt viel.
Sprichw.Ein freundlicher Umgangston ist mühelos und zahlt sich aus.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Französischen, wo Höflichkeit nichts koste und alles einbringe.
Siehe auch: Wer sich unter die Kleie mischt, den fressen die Säue. Man sieht sich immer zweimal im Leben. In der Partnerschaft entscheidet nicht das Thema, sondern der Ton.
Das Leben ist kein Wettlauf.
Sprichw.Wer alles als Wettbewerb betrachtet, verliert unabhängig vom Ergebnis.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Neid lehrt nur vergleichen, nicht handeln. Jeder trägt sein Päckchen. Jeder hat sein Kreuz zu tragen.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.
Sprichw.Ironischer Spruch: Zurückhaltung wird gelobt, hilft aber beim Vorankommen wenig.
Herkunft: Der Spruch parodiert die ältere Lehrformel von der Bescheidenheit als Zierde. Der grammatisch falsche Dativ am Ende ist Teil des Scherzes und kein Versehen.
Gute Ware lobt sich selbst.
Sprichw.Was wirklich taugt, braucht keine Anpreisung.
Herkunft: Ein Kaufmannssprichwort, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Es ist die Gegenrede zur marktschreierischen Anpreisung.
Siehe auch: Wie der Meister, so das Werk. Wer nur auf den Preis sieht, kauft zweimal. Wer billig kauft, kauft zweimal.
Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Sprichw.Ein tadelloser Ruf ist mehr wert als Vermögen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament (Sprüche 22,1).
Themen: EhrlichkeitReichtum
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer in Ehren alt wird, hat mehr erreicht als der, der reich stirbt. Im Handel ist der Ruf das Kapital. Besser arm in Ehren als reich in Schanden.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Sprichw.Wer sich zu viel auf sich einbildet, wird umso härter enttäuscht.
Herkunft: Der Satz geht auf das biblische Buch der Sprüche (16,18) zurück.
Themen: HochmutMisserfolg
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer hoch zu Ross sitzt, fällt tief. Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Wer hoch steigt, fällt tief.
Jeder kehre vor seiner eigenen Tür.
Sprichw.Wer bei sich selbst aufräumt, hat keinen Anlass, über andere zu klagen.
Herkunft: Die Wendung geht auf die städtische Kehrordnung zurück, nach der jeder Hausbesitzer für den Bereich vor seinem Haus zuständig war. Goethe griff sie in den „Zahmen Xenien“ auf.
QuelleGoethe
Siehe auch: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wie man's macht, ist es verkehrt. Wer die Wahrheit liebt, muss sie auch über sich hören.
Der leerste Krug klingt am lautesten.
Sprichw.Wer am wenigsten zu bieten hat, macht am meisten Aufhebens.
Herkunft: Das Bild ist alt und findet sich in mehreren europäischen Sprachen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: HochmutKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Wer sich rühmt, dem glaubt man nicht. Eigenlob stinkt.
Kurze Sprichwörter
Alter geht vor Schönheit.
Sprichw.Scherzhafte Formel, mit der man jemandem den Vortritt lässt.
Herkunft: Eine Höflichkeitsformel des 19. Jahrhunderts, meist ironisch gebraucht.
Siehe auch: Der Ton macht die Musik.
Armut schändet nicht.
Sprichw.Wenig zu besitzen ist kein Grund, sich zu schämen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der verbreiteten Gleichsetzung von Armut mit Verschulden.
Themen: ArmutEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Ein guter Name ist besser als Reichtum. Wer in Ehren alt wird, hat mehr erreicht als der, der reich stirbt.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Sprichw.Wer etwas geleistet hat, soll auch die Anerkennung dafür bekommen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Römerbrief des Neuen Testaments (Römer 13,7).
Themen: DankbarkeitRecht und Gerechtigkeit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer sich selbst genügt, braucht wenig Beifall. Ein Dank ist die halbe Bezahlung. Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Eigenlob stinkt.
Sprichw.Wer sich selbst lobt, macht damit auf andere einen schlechten Eindruck.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der derbe Vergleich mit dem Geruch findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Themen: Hochmut
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Wer viel hat und wenig zeigt, hat am meisten. Wer sich zu klein macht, wird übersehen.
Geduld ist eine Tugend.
Sprichw.Die Fähigkeit zu warten gilt als Charaktereigenschaft, nicht als Schwäche.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „patientia virtus“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Erwartungen. Wer vom Tod spricht, meint das Leben. Wer den Streit sucht, findet ihn überall.
Herrschen heißt dienen.
Sprichw.Wer Verantwortung trägt, ist denen verpflichtet, für die er sie trägt.
Herkunft: Der Gedanke geht auf das Neue Testament zurück, wo der Größte der Diener aller sein soll (Markus 10,43).
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer Macht hat, hat Verantwortung. Wie der Herr, so's Gescherr. Wer oben steht, steht allein.
Irren ist menschlich.
Sprichw.Fehler zu machen gehört zum Menschsein und ist kein Grund für harte Verurteilung.
Senecarömischer Philosoph und Staatsmann, um 1 bis 65 n. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „errare humanum est“, deren Gedanke sich schon bei Seneca findet.
Auch: Errare humanum est.
Themen: MisserfolgKlugheit und Dummheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Durch Schaden wird man klug. Wer nur rechnet, verrechnet sich. Wer jung ist, darf Fehler machen; wer alt ist, muss sie erklären.
Der Klügere gibt nach.
Sprichw.Einen Streit zu beenden, indem man selbst zurücksteckt, gilt als das Vernünftigere.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Ihr wird gern die spöttische Fortsetzung angehängt, dass deshalb die Dummen die Welt beherrschen.
Themen: StreitKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer in der Ehe recht behalten will, verliert.
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