Sprichwörter · Charakter und Verhalten
Sprichwörter über Bescheidenheit
Zurückhaltung wird in Sprichwörtern gelobt, aber nicht ohne Ironie. Mehrere bekannte Belege spielen damit, dass Bescheidenheit auch schaden kann.
24 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert
Bekannte Sprichwörter
Demut ist der Anfang aller Weisheit.
Sprichw.Wer die eigenen Grenzen kennt, kann erst lernen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Augustinus und geht auf die Formel von der Furcht als Anfang der Weisheit zurück.
QuelleAugustinus
Siehe auch: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Furcht ist der Anfang der Weisheit.
Die Friedhöfe sind voll von unersetzlichen Leuten.
Sprichw.Spöttische Erinnerung daran, dass jeder ersetzbar ist.
Herkunft: Der Ausspruch wird Charles de Gaulle und mehreren anderen zugeschrieben, ohne dass sich ein Erstbeleg finden ließe.
Siehe auch: Ein Esel schilt den anderen Langohr. Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Höflichkeit kostet nichts und bringt viel.
Sprichw.Ein freundlicher Umgangston ist mühelos und zahlt sich aus.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Französischen, wo Höflichkeit nichts koste und alles einbringe.
Siehe auch: Wer sich unter die Kleie mischt, den fressen die Säue. Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Nicht die Note macht den Menschen.
Sprichw.Eine schulische Bewertung sagt wenig über den Wert einer Person.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts aus der pädagogischen Diskussion, ohne älteren Beleg.
Über Geld spricht man nicht, man hat es.
Sprichw.Eine Redensart, die den offenen Umgang mit Vermögensfragen als unfein abtut.
Herkunft: Die Formel wird der Bankiersfamilie Rothschild zugeschrieben, ohne dass sich ein Erstbeleg finden ließe. Verbreitet ist sie seit dem 20. Jahrhundert.
Wer gibt, macht sich frei.
Sprichw.Wer teilt, löst sich zugleich von der Sorge um den Besitz.
Herkunft: Der Gedanke gehört zur stoischen und zur christlichen Besitzlehre und findet sich bei Seneca.
Themen: GroßzügigkeitReichtum
QuelleSeneca
Siehe auch: Die gebende Hand wird nicht leer. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wer nichts hat, den beneidet auch niemand.
Wer viel redet, sagt wenig.
Sprichw.Umfang und Gehalt einer Rede haben wenig miteinander zu tun.
Herkunft: Eine Bildung nach demselben Muster, hier auf den Vielredner gemünzt statt auf den Wissenden.
Themen: Klugheit und Dummheit
Wer viel weiß, redet wenig.
Sprichw.Wirkliche Sachkenntnis muss sich nicht dauernd behaupten.
Herkunft: Der Gedanke findet sich in der antiken Philosophie und im ostasiatischen Schrifttum. Im Deutschen ist die Formel seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Themen: WissenKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Eigenlob stinkt. Der leerste Krug klingt am lautesten. Stille Wasser sind tief.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.
Sprichw.Ironischer Spruch: Zurückhaltung wird gelobt, hilft aber beim Vorankommen wenig.
Herkunft: Der Spruch parodiert die ältere Lehrformel von der Bescheidenheit als Zierde. Der grammatisch falsche Dativ am Ende ist Teil des Scherzes und kein Versehen.
Gute Ware lobt sich selbst.
Sprichw.Was wirklich taugt, braucht keine Anpreisung.
Herkunft: Ein Kaufmannssprichwort, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Es ist die Gegenrede zur marktschreierischen Anpreisung.
Siehe auch: Wie der Meister, so das Werk. Wer billig kauft, kauft zweimal.
Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Sprichw.Ein tadelloser Ruf ist mehr wert als Vermögen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament (Sprüche 22,1).
Themen: EhrlichkeitReichtum
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Armut schändet nicht. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Sprichw.Wer sich zu viel auf sich einbildet, wird umso härter enttäuscht.
Herkunft: Der Satz geht auf das biblische Buch der Sprüche (16,18) zurück.
Themen: HochmutMisserfolg
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Wer hoch steigt, fällt tief.
Jeder kehre vor seiner eigenen Tür.
Sprichw.Wer bei sich selbst aufräumt, hat keinen Anlass, über andere zu klagen.
Herkunft: Die Wendung geht auf die städtische Kehrordnung zurück, nach der jeder Hausbesitzer für den Bereich vor seinem Haus zuständig war. Goethe griff sie in den „Zahmen Xenien“ auf.
QuelleGoethe
Siehe auch: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wie man's macht, ist es verkehrt. Die Wahrheit tut weh.
Der leerste Krug klingt am lautesten.
Sprichw.Wer am wenigsten zu bieten hat, macht am meisten Aufhebens.
Herkunft: Das Bild ist alt und findet sich in mehreren europäischen Sprachen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: HochmutKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Eigenlob stinkt.
Das letzte Hemd hat keine Taschen.
Sprichw.Besitz nützt am Ende nichts, weil man nichts davon mitnehmen kann.
Herkunft: Das Totenhemd hat tatsächlich keine Taschen. Der Gedanke selbst ist älter und findet sich im ersten Timotheusbrief des Neuen Testaments, wonach wir nichts in die Welt gebracht haben und nichts hinausbringen werden.
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer gibt, macht sich frei. Geld allein macht nicht glücklich. Der Geizige besitzt sein Geld nicht, sein Geld besitzt ihn.
Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Sprichw.Man sollte über das urteilen, wovon man etwas versteht, und nicht über alles andere.
Herkunft: Geht auf eine Anekdote über den griechischen Maler Apelles zurück, der die Kritik eines Schusters an den Schuhen seines Bildes gelten ließ, dessen weitergehende Einwände aber zurückwies.
Siehe auch: Ein jeder tue, was seines Amtes ist.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
Sprichw.Wer den eigenen Fehler erkennt, hat den schwierigsten Teil der Korrektur hinter sich.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die Inschrift am Apollontempel von Delphi zurück, die zur Selbsterkenntnis auffordert.
Themen: ErfahrungVeränderung
QuelleOrakel von Delphi
Siehe auch: Irren ist menschlich. Durch Schaden wird man klug. Demut ist der Anfang aller Weisheit.
Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden.
Sprichw.Wer sich über andere stellt, wird darauf zurückgeworfen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Lukasevangelium (Lukas 14,11).
Themen: HochmutMisserfolg
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Hochmut kommt vor dem Fall.
Wer weit reisen will, muss leicht packen.
Sprichw.Wer weit kommen will, darf sich nicht mit Überflüssigem beladen.
Herkunft: Ein Reisesprichwort, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt und in vielen Sprachen verbreitet.
Kurze Sprichwörter
Armut schändet nicht.
Sprichw.Wenig zu besitzen ist kein Grund, sich zu schämen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der verbreiteten Gleichsetzung von Armut mit Verschulden.
Themen: ArmutEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Sprichw.Wer etwas geleistet hat, soll auch die Anerkennung dafür bekommen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Römerbrief des Neuen Testaments (Römer 13,7).
Themen: DankbarkeitRecht und Gerechtigkeit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Eigenlob stinkt.
Sprichw.Wer sich selbst lobt, macht damit auf andere einen schlechten Eindruck.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der derbe Vergleich mit dem Geruch findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Themen: Hochmut
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Der leerste Krug klingt am lautesten.
Irren ist menschlich.
Sprichw.Fehler zu machen gehört zum Menschsein und ist kein Grund für harte Verurteilung.
Senecarömischer Philosoph und Staatsmann, um 1 bis 65 n. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „errare humanum est“, deren Gedanke sich schon bei Seneca findet.
Auch: Errare humanum est.
Themen: MisserfolgKlugheit und Dummheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Durch Schaden wird man klug. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Alter schützt vor Torheit nicht.
Der Klügere gibt nach.
Sprichw.Einen Streit zu beenden, indem man selbst zurücksteckt, gilt als das Vernünftigere.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Ihr wird gern die spöttische Fortsetzung angehängt, dass deshalb die Dummen die Welt beherrschen.
Themen: StreitKlugheit und Dummheit
Auf dieser Seite stehen sprichwörter über Bescheidenheit. Alle weiteren Themen finden Sie im Themenregister, den gesamten Bestand im alphabetischen Verzeichnis.