Sprichwörter · Charakter und Verhalten
Sprichwörter über Klugheit und Dummheit
Kaum ein Themenfeld ist sprichwörtlich so gut besetzt wie dieses, und kaum eines ist so spöttisch. Neben ernsten Weisheitssätzen stehen bissige Spottsprüche, die sich über das angestrengte Nachdenken lustig machen.
49 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 2
Bekannte Sprichwörter
Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Sprichw.Wer aus Furcht handelt, entscheidet meist falsch.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in der antiken Philosophie, unter anderem bei Seneca. Als deutsche Redensart ist er seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer Neues wagt, muss Altes lassen. Guter Rat kommt über Nacht.
Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf.
Sprichw.Ein spöttischer Spruch, mit dem jemand angestrengtes Nachdenken abtut, meist scherzhaft als Aufforderung, sich nicht den Kopf zu zerbrechen.
Herkunft: Die genaue Herkunft ist nicht eindeutig belegt. Der Spruch gehört zu den scherzhaften Spott- und Trotzsprüchen, die im deutschsprachigen Raum mündlich überliefert wurden.
Auch: Das Denken überlässt man den Pferden, die haben den größeren Kopf. · Denken soll man den Pferden überlassen, die haben größere Köpfe.
Siehe auch: Wer schläft, sündigt nicht. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.
Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.
Sprichw.Wird geäußert, wenn jemand ohne erkennbares Zutun besonders viel Erfolg hat.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt, also erst nach der Verbreitung der Kartoffel als Hauptnahrungsmittel. Sie gehört zu den neidvollen Sprichwörtern über unverdienten Erfolg.
Auch: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.
Themen: GlückLandwirtschaft
Siehe auch: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Wer das Glück sucht, findet es selten. Wer das Glück hat, führt die Braut heim.
Eifersucht hört nicht auf Vernunft.
Sprichw.Gegen Eifersucht hilft kein Argument, weil sie nicht aus dem Verstand kommt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Ovid, der die Eifersucht als taub gegenüber jedem Zuspruch beschreibt.
Themen: EifersuchtLiebe
QuelleOvid
Siehe auch: Wo Liebe ist, da ist auch Eifersucht.
Eifersucht ist ein schlechter Ratgeber.
Sprichw.Wer aus Eifersucht handelt, trifft selten eine vernünftige Entscheidung.
Herkunft: Eine jüngere Bildung nach dem Vorbild der Formel von der Angst als schlechtem Ratgeber.
Themen: EifersuchtPartnerschaft
Siehe auch: Wer Eifersucht sät, erntet Misstrauen. Eifersucht macht blind. Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
Halbes Wissen ist schlimmer als gar keines.
Sprichw.Wer nur einen Teil kennt, zieht daraus oft falschere Schlüsse als jemand, der gar nichts weiß.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Alexander Pope zurück, der schrieb, ein wenig Wissen sei eine gefährliche Sache. Im Deutschen ist die Formel seit dem 19. Jahrhundert verbreitet.
QuelleAlexander Pope
Im Streit verliert man mehr, als man gewinnt.
Sprichw.Auch wer recht behält, zahlt für den Zwist mit Zeit, Geld und Beziehung.
Herkunft: Eine volkstümliche Erfahrungsformel, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Streit mit dem Nachbarn dauert länger als mit dem Fremden. Wo Liebe ist, da ist auch Streit.
Man muss den Esel nicht zum Brunnen tragen, wenn er nicht trinken will.
Sprichw.Wer nicht will, lässt sich nicht überreden, gleichgültig wie viel Mühe man aufwendet.
Herkunft: Eine deutsche Fassung des englischen Sprichworts vom Pferd, das man zur Tränke führen, aber nicht zum Trinken zwingen kann.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Sprichw.In vielen Lagen ist es klüger, nichts zu sagen, als sich zu äußern.
Herkunft: Der Vergleich der beiden Metalle stammt aus dem arabischen Sprachraum und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert verbreitet, unter anderem durch Thomas Carlyle, der ihn als schweizerische Inschrift wiedergab.
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Stille Wasser sind tief. Wer viel weiß, redet wenig.
Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Sprichw.Auf ein kleines Problem gehört keine übergroße Reaktion.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt und setzt die Kanone als größtes verfügbares Kriegsgerät gegen das kleinste Tier.
Siehe auch: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Fliegen die Schwalben niedrig, kommt Regen.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Alter schützt vor Torheit nicht.
Sprichw.Auch ältere Menschen machen Dummheiten; Lebensjahre allein bringen keine Vernunft.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der Erwartung, mit den Jahren komme von selbst die Vernunft.
Themen: Alter
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mit den Jahren kommt die Weisheit. Irren ist menschlich. Durch Schaden wird man klug.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
Sprichw.Auch wer sonst wenig zustande bringt, hat gelegentlich zufällig Erfolg.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz wird meist herablassend gebraucht und schreibt den Erfolg allein dem Zufall zu.
Auch: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. Wer das Glück sucht, findet es selten.
Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Sprichw.Wer wenig weiß, hält oft besonders viel von sich.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts. Das gemeinsame Holz meint denselben Wuchsgrund, also dieselbe Ursache.
Themen: Hochmut
Siehe auch: Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können. Ein Esel schilt den anderen Langohr. Die Friedhöfe sind voll von unersetzlichen Leuten.
Durch Schaden wird man klug.
Sprichw.Aus eigenen Fehlern lernt man nachhaltiger als aus guten Ratschlägen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „quae nocent, docent“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Aus Schaden wird man klug.
Themen: ErfahrungMisserfolg
Siehe auch: Irren ist menschlich. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Furcht ist der Anfang der Weisheit.
Sprichw.Wer die Grenzen des eigenen Vermögens ernst nimmt, urteilt vorsichtiger. Ursprünglich religiös als Ehrfurcht gemeint.
Herkunft: Der Satz stammt aus Psalm 111 im Alten Testament, wo von der Furcht des Herrn die Rede ist.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Demut ist der Anfang aller Weisheit.
Guter Rat kommt über Nacht.
Sprichw.Eine schwierige Entscheidung sollte man überschlafen, statt sie sofort zu treffen.
Herkunft: Die Wendung ist die deutsche Fassung des griechischen Gedankens, die Nacht sei ein guter Ratgeber; im Lateinischen als „in nocte consilium“ überliefert.
Auch: Man muss eine Sache überschlafen.
Siehe auch: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Eifersucht ist ein schlechter Ratgeber. Angst ist ein schlechter Ratgeber.
In der Kürze liegt die Würze.
Sprichw.Eine knappe Darstellung wirkt stärker als eine ausufernde.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Gedanke selbst findet sich schon in der antiken Rhetorik als Lob der Knappheit.
Themen: Wissen
Siehe auch: Erst denken, dann reden.
Der leerste Krug klingt am lautesten.
Sprichw.Wer am wenigsten zu bieten hat, macht am meisten Aufhebens.
Herkunft: Das Bild ist alt und findet sich in mehreren europäischen Sprachen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: HochmutBescheidenheit
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Eigenlob stinkt.
Mit Speck fängt man Mäuse.
Sprichw.Mit einem passenden Anreiz erreicht man mehr als mit Nachdruck.
Herkunft: Ein Bild aus der Schädlingsbekämpfung, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Gemeint ist der wirksame Köder, nicht die Gewalt.
Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können.
Sprichw.Eine dumme Frage zu stellen ist leicht, sie sinnvoll zu beantworten oft unmöglich.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die Sieben steht wie oft in Sprichwörtern nicht für eine Zahl, sondern für eine unbestimmte Menge.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wie man fragt, so wird man belehrt. Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf.
Schweigen kann man nicht bereuen.
Sprichw.Ein ungesagtes Wort hat noch niemandem geschadet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Publilius Syrus, wonach niemand das Schweigen bereut habe, viele aber das Reden.
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Stille Wasser sind tief. Wer viel weiß, redet wenig.
Kurze Sprichwörter
Erst besinnen, dann beginnen.
Sprichw.Ein Vorhaben will bedacht sein, bevor man es anfängt.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts.
Themen: LeichtsinnVorsicht
Erst denken, dann reden.
Sprichw.Eine Äußerung sollte überlegt sein, bevor sie ausgesprochen wird.
Herkunft: Ein Merkspruch der Erziehungsliteratur, der den älteren Gedanken vom Schweigen als Gold in eine Handlungsanweisung überführt.
Themen: Vorsicht
Siehe auch: In der Kürze liegt die Würze. Eile mit Weile.
Erst wägen, dann wagen.
Sprichw.Vor einem Risiko sollte man die Folgen abschätzen.
Herkunft: Der Reim lebt vom Gleichklang der beiden Verben, die ursprünglich beide zur Waage gehören: Wägen ist das Abmessen, Wagen das Aufs-Spiel-Setzen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nie verliert, hat nie gespielt. Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts.
Guter Rat ist teuer.
Sprichw.Wird gesagt, wenn eine Lage so verfahren ist, dass niemand eine Lösung weiß.
Herkunft: „Teuer“ meint hier nicht den Preis, sondern die Seltenheit: Guter Rat ist schwer zu bekommen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Irren ist menschlich.
Sprichw.Fehler zu machen gehört zum Menschsein und ist kein Grund für harte Verurteilung.
Senecarömischer Philosoph und Staatsmann, um 1 bis 65 n. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „errare humanum est“, deren Gedanke sich schon bei Seneca findet.
Auch: Errare humanum est.
Themen: MisserfolgBescheidenheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Durch Schaden wird man klug. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Alter schützt vor Torheit nicht.
Der Klügere gibt nach.
Sprichw.Einen Streit zu beenden, indem man selbst zurücksteckt, gilt als das Vernünftigere.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Ihr wird gern die spöttische Fortsetzung angehängt, dass deshalb die Dummen die Welt beherrschen.
Themen: StreitBescheidenheit
Liebe macht blind.
Sprichw.Wer verliebt ist, übersieht die Fehler des anderen.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Dichtung verbreitet, unter anderem bei Theokrit und Plautus. Die Darstellung des Liebesgottes mit verbundenen Augen ist eine mittelalterliche Zutat.
Themen: LiebePartnerschaft
Siehe auch: Eifersucht macht blind. Wer nichts fürchtet, ist nicht mutig, sondern unwissend. Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Not macht erfinderisch.
Sprichw.Wer wenig Mittel hat, findet oft überraschende Lösungen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „mater artium necessitas“, wonach die Not die Mutter der Künste sei. Der Gedanke findet sich bereits bei Platon.
QuellePlaton
Stille Wasser sind tief.
Sprichw.Zurückhaltende Menschen haben oft mehr Tiefe oder auch mehr Hintergedanken, als man ihnen zutraut.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem in einer lateinischen Fassung bei Quintus Curtius Rufus über ruhig fließende, aber tiefe Gewässer. Im Deutschen ist er seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
QuelleCurtius Rufus
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wer viel weiß, redet wenig.
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