Sprichwörter · Charakter und Verhalten
Sprichwörter über Vorsicht
Der klassische Warnsatz gehört zum Kernbestand jeder Sprichwortsammlung. Meist wird ein konkreter Schaden geschildert, aus dem eine allgemeine Regel wird.
45 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 2
Bekannte Sprichwörter
Die Furcht hat große Augen.
Sprichw.Wer sich fürchtet, sieht die Gefahr größer, als sie ist.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „timor addit alas“ verwandte Bild vom Aufgeschreckten mit weit geöffneten Augen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Auch: Angst hat große Augen.
Themen: Angst
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Halbes Wissen ist schlimmer als gar keines.
Sprichw.Wer nur einen Teil kennt, zieht daraus oft falschere Schlüsse als jemand, der gar nichts weiß.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Alexander Pope zurück, der schrieb, ein wenig Wissen sei eine gefährliche Sache. Im Deutschen ist die Formel seit dem 19. Jahrhundert verbreitet.
Themen: WissenKlugheit und Dummheit
QuelleAlexander Pope
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Sprichw.In vielen Lagen ist es klüger, nichts zu sagen, als sich zu äußern.
Herkunft: Der Vergleich der beiden Metalle stammt aus dem arabischen Sprachraum und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert verbreitet, unter anderem durch Thomas Carlyle, der ihn als schweizerische Inschrift wiedergab.
Themen: Klugheit und DummheitWahrheit
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Stille Wasser sind tief. Wer viel weiß, redet wenig.
Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Sprichw.Mahnung, niemanden schlecht zu behandeln, weil man ihm wiederbegegnen kann.
Herkunft: Eine jüngere Formel des 20. Jahrhunderts, meist als Warnung gebraucht. Ein älterer Beleg fehlt.
Siehe auch: Wer sich unter die Kleie mischt, den fressen die Säue. Höflichkeit kostet nichts und bringt viel. Gleich und gleich gesellt sich gern.
Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Sprichw.Auf ein kleines Problem gehört keine übergroße Reaktion.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt und setzt die Kanone als größtes verfügbares Kriegsgerät gegen das kleinste Tier.
Themen: Klugheit und DummheitTiere
Siehe auch: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Fliegen die Schwalben niedrig, kommt Regen.
Spare in der Zeit, so hast du in der Not.
Sprichw.Wer in guten Zeiten zurücklegt, ist gegen schlechte Zeiten gewappnet.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Sparkassenbewegung des 19. Jahrhunderts, der auf einem älteren Merkvers aufbaut.
Auch: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.
Siehe auch: Wer in der Jugend nicht spart, muss im Alter darben. Wer im Sommer nicht sammelt, muss im Winter darben. Vorbeugen ist besser als heilen.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Sprichw.Ein kleiner, sicherer Vorteil ist mehr wert als eine große, ungewisse Aussicht.
Herkunft: Der Gedanke ist in ganz Europa verbreitet und geht auf eine Fabel Äsops zurück, in der eine Nachtigall den Jäger vergeblich auf größere Beute verweist.
Auch: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
QuelleÄsop
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.
Sprichw.Vor einer lebenslangen Bindung sollte man genau hinsehen, ob man wirklich zusammenpasst.
Friedrich SchillerDichter und Dramatiker, 1759 bis 1805
Herkunft: Die Zeilen stammen aus Friedrich Schillers „Lied von der Glocke“ (1799).
Themen: EhePartnerschaftLiebe
QuelleSchiller
Siehe auch: Wer heiratet, tut gut; wer ledig bleibt, tut besser. Ehen werden im Himmel geschlossen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Sprichw.Ein guter äußerer Eindruck sagt nichts über den tatsächlichen Wert einer Sache oder Person.
Herkunft: Der Gedanke ist im Deutschen seit dem Mittelalter belegt und findet sich in ähnlicher Form in vielen europäischen Sprachen.
Siehe auch: Der Schein trügt. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.
Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Sprichw.Eine Drohung oder ein Problem fällt in der Regel weniger schlimm aus, als es zunächst aussieht.
Herkunft: Die Beobachtung stammt aus der Küche: Eine Speise kühlt zwischen Herd und Tisch ab. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Sprichw.Die Erwartung des Schlimmen quält oft mehr als das Ereignis.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei antiken Autoren, unter anderem bei Publilius Syrus.
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Die Nacht ist keines Menschen Freund. Wer nachts nicht schlafen kann, dem fehlt am Tag der Mut.
Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Sprichw.Wer einmal Schaden genommen hat, geht dieser Gefahr künftig aus dem Weg.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 13. Jahrhundert belegt und damit eines der ältesten schriftlich bezeugten deutschen Sprichwörter.
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Durch Schaden wird man klug.
Glück und Glas, wie leicht bricht das.
Sprichw.Eine Warnung davor, sich auf eine gute Lage zu verlassen: Günstige Umstände können ebenso plötzlich enden wie Glas zerbricht.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Glas war damals kostbar und zerbrechlich zugleich, was den Vergleich besonders einleuchtend machte.
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Übermut tut selten gut. Wasser hat keine Balken.
Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Sprichw.Ein bevorstehendes Ereignis kündigt sich meist schon vorher an.
Thomas Campbellschottischer Dichter, 1777 bis 1844
Herkunft: Übersetzung einer Zeile des schottischen Dichters Thomas Campbell aus dem frühen 19. Jahrhundert.
QuelleThomas Campbell
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Sprichw.Wer eine riskante Sache oft genug wiederholt, wird irgendwann Schiffbruch erleiden.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 14. Jahrhundert belegt und in fast allen europäischen Sprachen verbreitet. Der Krug steht für den alltäglichen, oft wiederholten Gang.
Themen: LeichtsinnSchicksal
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen.
Die Nacht ist keines Menschen Freund.
Sprichw.Im Dunkeln wirken Sorgen größer und Wege gefährlicher.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Vor der Straßenbeleuchtung war die Nacht tatsächlich gefährlich, was der Formel ihre wörtliche Grundlage gab.
Siehe auch: Wer nachts nicht schlafen kann, dem fehlt am Tag der Mut. Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Schweigen kann man nicht bereuen.
Sprichw.Ein ungesagtes Wort hat noch niemandem geschadet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Publilius Syrus, wonach niemand das Schweigen bereut habe, viele aber das Reden.
Themen: Klugheit und DummheitWahrheit
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Stille Wasser sind tief. Wer viel weiß, redet wenig.
Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist.
Sprichw.Über den Ertrag einer Sache zu verfügen, bevor sie gelungen ist, ist verfrüht.
Herkunft: Das Bild ist in Europa seit dem Mittelalter verbreitet und findet sich unter anderem in einer Fabel von La Fontaine.
Auch: Man soll die Bärenhaut nicht verkaufen, bevor der Bär erlegt ist.
Themen: TiereLeichtsinn
QuelleLa Fontaine
Siehe auch: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, nur vorbereiten.
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Sprichw.Ein Erfolg sollte erst gefeiert werden, wenn er endgültig feststeht.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Solon zurück, der bei Herodot rät, niemanden vor seinem Tod glücklich zu preisen. Im Deutschen ist die Fassung mit dem Tag seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.
Siehe auch: Es ist noch nicht aller Tage Abend. Kommt Zeit, kommt Rat.
Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen.
Sprichw.Wer alles auf eine Möglichkeit setzt, verliert im Ernstfall alles auf einmal.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, wo seit dem 17. Jahrhundert davor gewarnt wird, alle Eier in einen Korb zu legen.
Siehe auch: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Erst wägen, dann wagen.
Man soll schlafende Hunde nicht wecken.
Sprichw.Ein Problem, das gerade ruht, sollte man nicht ohne Not wieder aufrühren.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Kurze Sprichwörter
Am falschen Ende sparen.
Sprichw.Dort kürzen, wo es sich später bitter rächt.
Herkunft: Eine jüngere Formel aus der Kaufmannssprache des 19. Jahrhunderts.
Doppelt hält besser.
Sprichw.Eine zusätzliche Absicherung schadet nie.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem Handwerk, wo eine zweite Naht oder ein zweiter Nagel die Verbindung sichert.
Siehe auch: Handwerk hat goldenen Boden. Gelegenheit macht Diebe. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Eile mit Weile.
Sprichw.Zügig arbeiten, aber ohne Hast: Wer überstürzt handelt, macht Fehler und verliert am Ende Zeit.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Devise „festina lente“, die dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben wird.
QuelleAugustus
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Gesagt, getan. Erst denken, dann reden.
Erst besinnen, dann beginnen.
Sprichw.Ein Vorhaben will bedacht sein, bevor man es anfängt.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts.
Themen: LeichtsinnKlugheit und Dummheit
Erst denken, dann reden.
Sprichw.Eine Äußerung sollte überlegt sein, bevor sie ausgesprochen wird.
Herkunft: Ein Merkspruch der Erziehungsliteratur, der den älteren Gedanken vom Schweigen als Gold in eine Handlungsanweisung überführt.
Themen: Klugheit und Dummheit
Siehe auch: In der Kürze liegt die Würze. Eile mit Weile.
Erst wägen, dann wagen.
Sprichw.Vor einem Risiko sollte man die Folgen abschätzen.
Herkunft: Der Reim lebt vom Gleichklang der beiden Verben, die ursprünglich beide zur Waage gehören: Wägen ist das Abmessen, Wagen das Aufs-Spiel-Setzen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: MutKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nie verliert, hat nie gespielt. Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts.
Gelegenheit macht Diebe.
Sprichw.Wer offen liegen lässt, was leicht zu nehmen ist, verführt andere zum Zugreifen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „occasio facit furem“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitEhrlichkeit
Siehe auch: Doppelt hält besser. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Der Schein trügt.
Sprichw.Der erste Eindruck führt oft in die Irre.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „fallaces sunt rerum species“, die bei Seneca belegt ist.
Themen: Wahrheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.
Stille Wasser sind tief.
Sprichw.Zurückhaltende Menschen haben oft mehr Tiefe oder auch mehr Hintergedanken, als man ihnen zutraut.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem in einer lateinischen Fassung bei Quintus Curtius Rufus über ruhig fließende, aber tiefe Gewässer. Im Deutschen ist er seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ErfahrungKlugheit und Dummheit
QuelleCurtius Rufus
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wer viel weiß, redet wenig.
Auf dieser Seite stehen sprichwörter über Vorsicht. Alle weiteren Themen finden Sie im Themenregister, den gesamten Bestand im alphabetischen Verzeichnis.