Sprichwörter · Charakter und Verhalten
Sprichwörter über Vorsicht
Der klassische Warnsatz gehört zum Kernbestand jeder Sprichwortsammlung. Meist wird ein konkreter Schaden geschildert, aus dem eine allgemeine Regel wird.
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Bekannte Sprichwörter
Die erste Warnung ist ein Rat, die zweite ein Vorwurf.
Sprichw.Wer eine Warnung überhört, muss beim zweiten Mal mit einem anderen Ton rechnen.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel des 20. Jahrhunderts.
Themen: LeichtsinnNachbarn
Siehe auch: Wer die Warnung überhört, zahlt das Lehrgeld.
Ein Fehler zieht den nächsten nach sich.
Sprichw.Wer einen Fehler ausbessern will, macht dabei oft den nächsten.
Herkunft: Eine Handwerksregel des 19. Jahrhunderts, verwandt mit dem Sprichwort vom Unglück, das selten allein kommt.
Themen: MisserfolgArbeit
Siehe auch: Wer sich drückt, wird gedrückt. Wer nicht auf den Körper hört, muss auf den Arzt hören. Wer heute nichts tut, hat morgen doppelt zu tun.
Die Furcht hat große Augen.
Sprichw.Wer sich fürchtet, sieht die Gefahr größer, als sie ist.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „timor addit alas“ verwandte Bild vom Aufgeschreckten mit weit geöffneten Augen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Auch: Angst hat große Augen.
Themen: Angst
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Eifersucht schärft den Blick für das, was nicht da ist.
Halbes Wissen ist schlimmer als gar keines.
Sprichw.Wer nur einen Teil kennt, zieht daraus oft falschere Schlüsse als jemand, der gar nichts weiß.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Alexander Pope zurück, der schrieb, ein wenig Wissen sei eine gefährliche Sache. Im Deutschen ist die Formel seit dem 19. Jahrhundert verbreitet.
Themen: WissenKlugheit und Dummheit
QuelleAlexander Pope
Im Winter zeigt sich, wer Holz gemacht hat.
Sprichw.Wer im Sommer vorgesorgt hat, kommt durch den Winter.
Herkunft: Eine bäuerliche Erfahrungsformel, verwandt mit der Fabel von Grille und Ameise.
Themen: JahreszeitenFleiß
Siehe auch: Wer im Sommer nicht sammelt, muss im Winter darben. Vorbeugen ist besser als heilen. Spare in der Zeit, so hast du in der Not.
Leichtfertig begonnen ist halb verloren.
Sprichw.Ein Vorhaben ohne Vorbereitung scheitert oft schon im Ansatz.
Herkunft: Eine Umkehrung des älteren Spruchs, frisch gewagt sei halb gewonnen.
Themen: LeichtsinnArbeit
Siehe auch: Wer nicht hinschaut, tritt daneben. Zweimal messen, einmal schneiden. Wer krumm anfängt, wird nie gerade fertig.
Leichtsinn ist teurer als Vorsicht.
Sprichw.Der Schaden aus Unachtsamkeit übersteigt den Aufwand für Umsicht.
Herkunft: Eine Versicherungsformel des 20. Jahrhunderts.
Themen: LeichtsinnGeld
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer den Becher zu oft leert, leert auch den Beutel. Wer aufs Eis geht, muss mit dem Einbrechen rechnen.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Sprichw.In vielen Lagen ist es klüger, nichts zu sagen, als sich zu äußern.
Herkunft: Der Vergleich der beiden Metalle stammt aus dem arabischen Sprachraum und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert verbreitet, unter anderem durch Thomas Carlyle, der ihn als schweizerische Inschrift wiedergab.
Themen: Klugheit und DummheitWahrheit
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Wer nüchtern bleibt, hört alles. Stille Wasser sind tief.
Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Sprichw.Mahnung, niemanden schlecht zu behandeln, weil man ihm wiederbegegnen kann.
Herkunft: Eine jüngere Formel des 20. Jahrhunderts, meist als Warnung gebraucht. Ein älterer Beleg fehlt.
Siehe auch: Wer sich unter die Kleie mischt, den fressen die Säue. In der Partnerschaft entscheidet nicht das Thema, sondern der Ton. Höflichkeit kostet nichts und bringt viel.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Sprichw.Ein kleiner, sicherer Vorteil ist mehr wert als eine große, ungewisse Aussicht.
Herkunft: Der Gedanke ist in ganz Europa verbreitet und geht auf eine Fabel Äsops zurück, in der eine Nachtigall den Jäger vergeblich auf größere Beute verweist.
Auch: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
QuelleÄsop
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. Leichtsinn ist teurer als Vorsicht.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Sprichw.Ein guter äußerer Eindruck sagt nichts über den tatsächlichen Wert einer Sache oder Person.
Herkunft: Der Gedanke ist im Deutschen seit dem Mittelalter belegt und findet sich in ähnlicher Form in vielen europäischen Sprachen.
Siehe auch: Der Schein trügt. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.
Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Sprichw.Eine Drohung oder ein Problem fällt in der Regel weniger schlimm aus, als es zunächst aussieht.
Herkunft: Die Beobachtung stammt aus der Küche: Eine Speise kühlt zwischen Herd und Tisch ab. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer bereit ist, fürchtet sich weniger.
Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Sprichw.Die Erwartung des Schlimmen quält oft mehr als das Ereignis.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei antiken Autoren, unter anderem bei Publilius Syrus.
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Wer viel hat, hat viel zu verlieren. Die Nacht ist keines Menschen Freund. Wer viel verschenkt, muss wenig bewachen.
Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Sprichw.Wer einmal Schaden genommen hat, geht dieser Gefahr künftig aus dem Weg.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 13. Jahrhundert belegt und damit eines der ältesten schriftlich bezeugten deutschen Sprichwörter.
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Durch Schaden wird man klug.
Glück und Glas, wie leicht bricht das.
Sprichw.Eine Warnung davor, sich auf eine gute Lage zu verlassen: Günstige Umstände können ebenso plötzlich enden wie Glas zerbricht.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Glas war damals kostbar und zerbrechlich zugleich, was den Vergleich besonders einleuchtend machte.
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Übermut tut selten gut. Wer aufs Eis geht, muss mit dem Einbrechen rechnen.
Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Sprichw.Ein bevorstehendes Ereignis kündigt sich meist schon vorher an.
Thomas Campbellschottischer Dichter, 1777 bis 1844
Herkunft: Übersetzung einer Zeile des schottischen Dichters Thomas Campbell aus dem frühen 19. Jahrhundert.
QuelleThomas Campbell
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Sprichw.Wer eine riskante Sache oft genug wiederholt, wird irgendwann Schiffbruch erleiden.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 14. Jahrhundert belegt und in fast allen europäischen Sprachen verbreitet. Der Krug steht für den alltäglichen, oft wiederholten Gang.
Themen: LeichtsinnSchicksal
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer aufs Eis geht, muss mit dem Einbrechen rechnen. Wer alles auf eine Karte setzt, hat keine zweite.
Macht ohne Kontrolle wird Willkür.
Sprichw.Ohne Gegengewicht entartet jede Befugnis.
Herkunft: Der Gedanke gehört zur Lehre von der Gewaltenteilung, wie Montesquieu sie 1748 ausformuliert hat.
Themen: MachtRecht und Gerechtigkeit
QuelleMontesquieu
Siehe auch: Wer alles kontrolliert, hat nie vertraut.
Die Nacht ist keines Menschen Freund.
Sprichw.Im Dunkeln wirken Sorgen größer und Wege gefährlicher.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Vor der Straßenbeleuchtung war die Nacht tatsächlich gefährlich, was der Formel ihre wörtliche Grundlage gab.
Siehe auch: Wer viel hat, hat viel zu verlieren. Wer nachts nicht schlafen kann, dem fehlt am Tag der Mut. Wer Sorgen mit ins Bett nimmt, schläft mit ihnen.
Schweigen kann man nicht bereuen.
Sprichw.Ein ungesagtes Wort hat noch niemandem geschadet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Publilius Syrus, wonach niemand das Schweigen bereut habe, viele aber das Reden.
Themen: Klugheit und DummheitWahrheit
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wer nüchtern bleibt, hört alles. Stille Wasser sind tief.
Kurze Sprichwörter
Am falschen Ende sparen.
Sprichw.Dort kürzen, wo es sich später bitter rächt.
Herkunft: Eine jüngere Formel aus der Kaufmannssprache des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Leichtsinn ist teurer als Vorsicht. Zweimal messen, einmal schneiden. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
Angst warnt, Vorsicht handelt.
Sprichw.Furcht meldet die Gefahr, aber erst die Umsicht tut etwas dagegen.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Vorsicht ist keine Feigheit. Bescheidenheit ist nicht dasselbe wie Kleinmut.
Armut macht vorsichtig.
Sprichw.Wer wenig hat, überlegt jede Ausgabe zweimal.
Herkunft: Eine volkstümliche Erfahrungsformel des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts zurücklegt, lebt von der Hand in den Mund. Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Doppelt hält besser.
Sprichw.Eine zusätzliche Absicherung schadet nie.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem Handwerk, wo eine zweite Naht oder ein zweiter Nagel die Verbindung sichert.
Siehe auch: Handwerk hat goldenen Boden. Gelegenheit macht Diebe. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Eile mit Weile.
Sprichw.Zügig arbeiten, aber ohne Hast: Wer überstürzt handelt, macht Fehler und verliert am Ende Zeit.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Devise „festina lente“, die dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben wird.
QuelleAugustus
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Gesagt, getan. Erst denken, dann reden.
Erst besinnen, dann beginnen.
Sprichw.Ein Vorhaben will bedacht sein, bevor man es anfängt.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts.
Themen: LeichtsinnKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer zweimal nachdenkt, muss nur einmal handeln. Wer krumm anfängt, wird nie gerade fertig.
Erst denken, dann reden.
Sprichw.Eine Äußerung sollte überlegt sein, bevor sie ausgesprochen wird.
Herkunft: Ein Merkspruch der Erziehungsliteratur, der den älteren Gedanken vom Schweigen als Gold in eine Handlungsanweisung überführt.
Themen: Klugheit und Dummheit
Siehe auch: In der Kürze liegt die Würze. Eile mit Weile.
Erst wägen, dann wagen.
Sprichw.Vor einem Risiko sollte man die Folgen abschätzen.
Herkunft: Der Reim lebt vom Gleichklang der beiden Verben, die ursprünglich beide zur Waage gehören: Wägen ist das Abmessen, Wagen das Aufs-Spiel-Setzen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: MutKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Wer wagt, verliert manchmal. Wer nicht wagt, verliert immer. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nie verliert, hat nie gespielt.
Gelegenheit macht Diebe.
Sprichw.Wer offen liegen lässt, was leicht zu nehmen ist, verführt andere zum Zugreifen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „occasio facit furem“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitEhrlichkeit
Siehe auch: Doppelt hält besser. Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Der Schein trügt.
Sprichw.Der erste Eindruck führt oft in die Irre.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „fallaces sunt rerum species“, die bei Seneca belegt ist.
Themen: Wahrheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.
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