Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen aus dem Alltag
Diese Wendungen benutzt fast jeder, oft ohne über das Bild dahinter nachzudenken. Genau das macht sie interessant: Hinter „auf dem Schlauch stehen“ oder „von der Rolle sein“ stecken sehr konkrete Herkunftsbereiche, von der Feuerwehr bis zum Radrennen.
79 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 3
Bekannte Redewendungen
Alle Brücken hinter sich abbrechen
Redew.Sich jede Rückkehrmöglichkeit nehmen und einen radikalen Neuanfang erzwingen.
Herkunft: Wer nach dem Übersetzen die Brücke zerstört, kann nicht mehr zurück. Das Bild ist aus der antiken Kriegsführung überliefert und wird unter anderem im Zusammenhang mit Feldherren berichtet, die ihren Truppen den Rückweg nehmen wollten.
Themen: Menschen und Verhalten
Siehe auch: Sich ein Herz fassen
Alle über einen Kamm scheren
Redew.Sehr unterschiedliche Fälle oder Personen gleich behandeln, ohne zu unterscheiden.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Handwerk des Baders, der beim Haareschneiden für alle Kunden denselben Kamm benutzte.
Auch: Alles über einen Kamm scheren
Themen: Menschen und Verhalten
Etwas auf dem Kasten haben
Redew.Fähig und tüchtig sein, etwas wirklich können.
Herkunft: „Kasten“ steht in der Umgangssprache scherzhaft für den Kopf, ähnlich wie Oberstübchen und Dachstuhl.
Themen: Menschen und VerhaltenArbeit
Siehe auch: Etwas aus dem Ärmel schütteln Etwas im Griff haben Etwas aus dem Effeff können
Etwas auf die hohe Kante legen
Redew.Geld beiseitelegen und für später aufbewahren, statt es auszugeben.
Herkunft: Verwiesen wird auf Verstecke für Ersparnisse im Himmelbett oder auf hohen Schrankkanten.
Themen: Geld
Etwas auf die lange Bank schieben
Redew.Eine Aufgabe immer wieder vertagen, statt sie zu erledigen.
Herkunft: Die Wendung wird auf mittelalterliche Gerichtsstuben zurückgeführt, in denen Akten in einer langen, truhenartigen Bank verwahrt wurden.
Themen: Arbeit
Siehe auch: Etwas auf Eis legen
Etwas aus dem Ärmel schütteln
Redew.Etwas ohne erkennbare Mühe und ohne Vorbereitung zustande bringen.
Herkunft: Verwiesen wird meist auf die weiten Ärmel mittelalterlicher Gewänder, die als Aufbewahrungsort dienten, sowie auf Taschenspielertricks.
Siehe auch: Etwas im Griff haben Etwas aus dem Effeff können Etwas auf dem Kasten haben
Da liegt der Hund begraben
Redew.Das ist der eigentliche Grund für das Problem.
Herkunft: Verbreitet ist die Erklärung, die Wendung gehe auf einen Grabstein für einen treuen Hund zurück. Sprachwissenschaftlich näher liegt eine Ableitung vom mittelhochdeutschen „hunde“ für Beute oder Schatz: Dort, wo der Schatz vergraben liegt, ist der entscheidende Punkt.
Themen: TiereSprache und Kommunikation
Siehe auch: Wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt
Das Fass zum Überlaufen bringen
Redew.Nach vielen Ärgernissen den einen Anlass liefern, der die Geduld endgültig aufbraucht.
Herkunft: Ein volles Fass läuft schon beim kleinsten Zusatz über. Gemeint ist nicht der Zusatz selbst, sondern die vorher schon erreichte Grenze. Deshalb steht die Wendung meist in der Fassung vom Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Auch: Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt
Themen: Menschen und Verhalten
Siehe auch: Öl ins Feuer gießen
Die Flinte ins Korn werfen
Redew.Vorschnell aufgeben und einen Plan fallen lassen, sobald es schwierig wird.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Kriegswesen: Der fliehende Soldat wirft seine Waffe ins Kornfeld, um schneller wegzukommen.
Themen: Glück und PechMenschen und Verhalten
Siehe auch: Etwas über Bord werfen Das Handtuch werfen Die Waffen strecken
Für einen Apfel und ein Ei
Redew.Für sehr wenig Geld, weit unter Wert.
Herkunft: Apfel und Ei standen früher für Waren von geringstem Wert, die auch der Ärmste aufbringen konnte.
Auch: Etwas für einen Apfel und ein Ei bekommen
Themen: GeldEssen und Trinken
Siehe auch: Etwas für ein Butterbrot bekommen
Redewendungen mit belegter Herkunft
Ein Buch mit sieben Siegeln sein
Redew.Für jemanden vollkommen unverständlich sein.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Offenbarung des Johannes, in der ein versiegeltes Buch niemand öffnen kann.
Themen: Sprache und Kommunikation
QuelleNeues Testament
Etwas durch die Blume sagen
Redew.Eine unangenehme Aussage so verpacken, dass sie nicht direkt ausgesprochen wird.
Herkunft: Die Blumensprache des 18. und 19. Jahrhunderts ordnete einzelnen Blüten feste Bedeutungen zu. Wer etwas durch die Blume sagte, überbrachte seine Botschaft, ohne sie auszusprechen.
Themen: Sprache und Kommunikation
Siehe auch: Zwischen den Zeilen lesen
Kurze Redewendungen
Alle Jubeljahre
Redew.Nur sehr selten, in unregelmäßigen und großen Abständen.
Herkunft: Das Jubeljahr ist ursprünglich das alle fünfzig Jahre begangene Erlassjahr des Alten Testaments.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Über kurz oder lang
Alles in Butter
Redew.Alles ist in Ordnung, es gibt keine Probleme.
Herkunft: Wird darauf zurückgeführt, dass empfindliche Waren wie Gläser früher in flüssiger Butter transportiert wurden, die nach dem Erkalten als Polster diente.
Themen: Essen und TrinkenGlück und Pech
Siehe auch: Klar Schiff machen
Am Ball bleiben
Redew.Eine Sache konsequent weiterverfolgen und nicht nachlassen.
Herkunft: Die Wendung stammt aus dem Ballsport.
Siehe auch: Die Stellung halten
Am seidenen Faden hängen
Redew.In höchster Gefahr schweben, sehr ungewiss sein.
Herkunft: Das Bild geht auf die Sage vom Schwert des Damokles zurück, das an einem Rosshaar über dem Thron hing.
Themen: Glück und Pech
Siehe auch: Auf der Kippe stehen
Die Ärmel hochkrempeln
Redew.Sich tatkräftig an die Arbeit machen.
Herkunft: Vor körperlicher Arbeit wurden die Ärmel zurückgeschlagen, damit sie nicht störten oder schmutzig wurden. Die Geste ist zum Bild für den Entschluss geworden, anzupacken.
Themen: Arbeit
Siehe auch: In die Hände spucken
Auf dem Schlauch stehen
Redew.Eine an sich einfache Sache im Moment nicht begreifen und nicht weiterkommen.
Herkunft: Das Bild stammt vermutlich aus dem Feuerwehr- oder Gartenbereich: Wer auf dem Schlauch steht, blockiert den Wasserfluss und wundert sich, warum nichts kommt.
Themen: Menschen und Verhalten
Etwas auf Eis legen
Redew.Ein Vorhaben vorläufig stoppen, ohne es endgültig aufzugeben.
Herkunft: Vor der Kühltechnik wurden verderbliche Waren in Eiskellern gelagert, um sie haltbar zu machen. Was auf Eis liegt, ist nicht verloren, aber vorerst stillgelegt.
Themen: Arbeit
Siehe auch: Etwas auf die lange Bank schieben
Auf Holz klopfen
Redew.Eine Geste, mit der man verhindern will, dass eine positive Aussage Unglück heraufbeschwört.
Herkunft: Der Brauch wird auf verschiedene ältere Abwehr- und Schutzvorstellungen zurückgeführt, darunter das Anklopfen der Bergleute an Grubenholz.
Themen: Glück und Pech
Kein Auge zutun
Redew.Die ganze Nacht wach liegen, meist vor Sorge oder Aufregung.
Herkunft: Wörtlich zu nehmen: Wer wach liegt, schließt die Augen nicht. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: Körper
Aus allen Nähten platzen
Redew.So voll sein, dass der Platz nicht mehr reicht.
Herkunft: Das Bild stammt von der Kleidung: Wird ein Stoff zu stark gespannt, geben zuerst die Nähte nach. Übertragen wird es auf Räume und Behälter, die überfüllt sind.
Themen: Körper
Aus allen Wolken fallen
Redew.Von einer Nachricht völlig überrascht und ernüchtert werden.
Herkunft: Wer in den Wolken schwebt, ist von der Wirklichkeit entrückt. Der Fall daraus beschreibt die plötzliche Ernüchterung durch eine überraschende Nachricht.
Themen: Glück und Pech
Aus dem Häuschen sein
Redew.Vor Freude oder Aufregung völlig außer sich sein.
Herkunft: Das Häuschen steht scherzhaft für den Kopf oder die gewohnte Fassung. Wer außer sich gerät, hat sie verlassen.
Themen: Glück und Pech
Siehe auch: Ein Sturm im Wasserglas
Aus dem Takt geraten
Redew.Aus dem gewohnten Ablauf gebracht werden.
Herkunft: Der Takt kommt aus der Musik und bezeichnet das gleichmäßige Zeitmaß. Wer aus dem Takt gerät, verliert den Gleichschritt mit den anderen.
Themen: Menschen und Verhalten
Etwas auslöffeln müssen
Redew.Die unangenehmen Folgen einer Sache tragen müssen, oft für den Fehler anderer.
Herkunft: Wer sich etwas eingebrockt hat, muss es auch essen. Das Bild stammt aus der Hausgemeinschaft, in der jeder für seine Portion aus dem gemeinsamen Topf selbst zuständig war.
Auch: Die Suppe auslöffeln, die man sich eingebrockt hat
Themen: Essen und TrinkenArbeit
Siehe auch: Etwas ausbaden müssen Die Suppe auslöffeln Den Laden schmeißen
Sich etwas einbrocken
Redew.Sich durch eigenes Zutun Ärger einhandeln.
Herkunft: Brocken meint das Hineinbrechen von Brot in die Suppe. Wer zu viel einbrockt, hat hinterher mehr auf dem Teller, als ihm lieb ist.
Themen: Essen und Trinken
Siehe auch: Sich in die Nesseln setzen
Den Faden verlieren
Redew.Beim Sprechen den Zusammenhang aus den Augen verlieren und nicht mehr weiterwissen.
Herkunft: Das Bild geht auf den Ariadnefaden der griechischen Sage zurück, der den Weg aus dem Labyrinth wies.
Themen: Sprache und Kommunikation
Siehe auch: Nicht auf den Mund gefallen sein
Ins Schwarze treffen
Redew.Mit einer Aussage oder Handlung genau richtig liegen oder ein Ziel genau erreichen.
Herkunft: Die Wendung stammt vom Scheibenschießen: Der innerste Ring der Zielscheibe, der die volle Punktzahl bringt, war traditionell schwarz.
Auch: Ins Schwarze getroffen
Themen: ErfolgSprache und Kommunikation
Siehe auch: Auf einen grünen Zweig kommen
Von der Rolle sein
Redew.Nicht mehr leistungsfähig oder konzentriert sein, den Anschluss verloren haben, aus dem Tritt geraten sein.
Herkunft: Die Wendung wird auf das Steherrennen im Bahnradsport zurückgeführt. Der Radfahrer folgt dort dicht hinter einer Schrittmachermaschine, an deren Heck eine Rolle angebracht ist. Wer den Windschatten und damit den Kontakt zu dieser Rolle verliert, fällt zurück und ist „von der Rolle“.
Auch: Von der Rolle kommen
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