Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen aus dem Alltag, Seite 3
90 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 3 von 3
Bekannte Redewendungen
Den Nagel auf den Kopf treffen
Redew.Mit einer Äußerung genau den entscheidenden Punkt benennen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Handwerk: Nur wer den Nagelkopf mittig trifft, treibt ihn gerade ins Holz.
Ohne Punkt und Komma reden
Redew.Pausenlos und ohne Unterbrechung reden.
Herkunft: Aus der Schriftsprache: Ohne Satzzeichen gibt es keine Pause. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Themen: Sprache und KommunikationAlltag
Tief in die Tasche greifen müssen
Redew.Für etwas viel Geld ausgeben müssen.
Herkunft: Die Tasche als Aufbewahrungsort für Geld. Je tiefer man greifen muss, desto mehr ist schon heraus.
Etwas unter den Tisch fallen lassen
Redew.Einen Punkt bewusst übergehen und nicht weiter behandeln.
Herkunft: Was unter den Tisch fällt, wird nicht mehr aufgehoben. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Auch: Unter den Tisch fallen
Themen: AlltagSprache und KommunikationArbeit
Siehe auch: Etwas in den Wind schlagen
Wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt
Redew.Den eigentlichen Kern eines Problems kennen.
Herkunft: „Hasenpfeffer“ ist ein Schmorgericht; der Hase liegt darin verborgen unter der Sauce.
Siehe auch: Da liegt der Hund begraben
Redewendungen mit belegter Herkunft
Mit den Hühnern schlafen gehen
Redew.Sehr früh am Abend zu Bett gehen.
Herkunft: Hühner suchen bei Einbruch der Dämmerung den Stall auf. Wer mit ihnen schlafen geht, legt sich ungewöhnlich früh nieder.
Die Ruhe vor dem Sturm
Redew.Eine auffällig stille Phase, auf die absehbar große Aufregung folgt.
Herkunft: Eine Wetterbeobachtung: Vor einem Gewitter fällt der Wind oft auffällig ab. Die Wendung überträgt das auf gesellschaftliche Lagen.
Themen: AlltagGlück und Pech
Das schlägt dem Fass den Boden aus
Redew.Das übersteigt jedes Maß und ist nicht mehr hinnehmbar.
Herkunft: Ein Fass ohne Boden ist unbrauchbar und der Inhalt verloren. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
Siehe auch: Zeter und Mordio schreien Hart am Wind segeln Das geht auf keine Kuhhaut
Etwas schwarz auf weiß haben
Redew.Etwas schriftlich und damit belegbar vorliegen haben.
Herkunft: Schwarze Tinte auf weißem Papier. Die Wendung wurde durch Goethes „Faust“ zusätzlich bekannt, wo Mephisto dem Schüler rät, alles Gesagte nach Hause zu tragen.
QuelleGoethe
Sein Kreuz mit etwas haben
Redew.Mit einer Sache dauerhaft zu kämpfen haben.
Herkunft: Das Bild geht auf die Passionsgeschichte des Neuen Testaments zurück, in der das Kreuz als Last getragen wird.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
QuelleNeues Testament
Das Tüpfelchen auf dem i
Redew.Die letzte Kleinigkeit, die etwas vollkommen macht.
Herkunft: Der Punkt über dem i wurde in mittelalterlichen Handschriften erst spät eingeführt, um das i von benachbarten Strichen zu unterscheiden. Er ist damit buchstäblich das Letzte, was ein Schreiber hinzufügte.
Auch: Das i-Tüpfelchen
Etwas unter Dach und Fach bringen
Redew.Eine Sache zum Abschluss bringen und damit absichern.
Herkunft: Stammt aus dem Fachwerkbau: „Fach“ bezeichnet das Feld zwischen den Balken, und erst mit Dach und geschlossenen Fächern war ein Haus fertig.
Siehe auch: Etwas in trockene Tücher bringen Etwas vom Tisch haben
Unter einem guten Stern stehen
Redew.Von den Umständen begünstigt sein.
Herkunft: Die Wendung stammt aus der Astrologie, in der die Stellung der Gestirne bei der Geburt das Schicksal bestimmen sollte.
Themen: Glück und PechAlltag
Etwas unter einen Hut bringen
Redew.Verschiedene Interessen, Termine oder Anforderungen miteinander vereinbaren.
Herkunft: Der Hut war Zeichen der Rechtsgewalt: Wer unter einem Hut stand, unterstand derselben Herrschaft. Bei Eheschließungen wurden die Beteiligten sinnbildlich unter einen Hut gebracht.
Vom Regen in die Traufe kommen
Redew.Aus einer schlechten Lage in eine noch schlechtere geraten.
Herkunft: Die Traufe ist die Stelle, an der das gesammelte Regenwasser vom Dach herunterschießt; wer ihr ausweicht, wird nur noch nasser.
Themen: Glück und PechAlltag
Siehe auch: Einen schwarzen Tag erwischen
Wie die Faust aufs Auge passen
Redew.Überhaupt nicht zusammenpassen. Die Wendung wird heute auch im gegenteiligen Sinn gebraucht, also für etwas, das genau passt.
Herkunft: Ursprünglich war der Widerspruch gemeint: Eine Faust auf dem Auge ist das Unpassendste überhaupt. Die umgekehrte Verwendung ist eine ironische Umdeutung des 20. Jahrhunderts.
Kurze Redewendungen
Die Nase voll haben
Redew.Von einer Sache genug haben und sie nicht länger ertragen wollen.
Herkunft: Die Wendung wird auf die Gaunersprache zurückgeführt, in der Häftlinge für jedes Vergehen Schläge auf die Nase erhielten. Diese Herleitung ist verbreitet, aber nicht gesichert.
Auch: Die Nase gestrichen voll haben
Die Notbremse ziehen
Redew.Ein Vorhaben abrupt beenden, bevor größerer Schaden entsteht.
Herkunft: Aus dem Eisenbahnwesen: Die Notbremse steht jedem Reisenden zur Verfügung, darf aber nur bei Gefahr betätigt werden.
Keinen Pfifferling wert sein
Redew.Überhaupt nichts wert sein, keinerlei Bedeutung oder Gegenwert haben.
Herkunft: Der Pfifferling galt als weit verbreiteter und daher wertloser Pilz.
Pi mal Daumen
Redew.Grob geschätzt, ohne genaue Berechnung.
Herkunft: Die Wendung verbindet die Kreiszahl mit dem Daumensprung, einem alten Verfahren zum groben Schätzen von Entfernungen. Sie ist erst im 20. Jahrhundert entstanden.
Auch: Über den Daumen gepeilt
Ein Sturm im Wasserglas
Redew.Große Aufregung um eine Sache, die kaum von Belang ist.
Herkunft: Die Wendung ist eine Lehnübersetzung aus dem Französischen und geht auf eine Bemerkung über politische Unruhen in einem Kleinstaat zurück, die Montesquieu zugeschrieben wird.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
QuelleMontesquieu
Siehe auch: Jemanden in den höchsten Tönen loben Den Mund zu voll nehmen Das Blaue vom Himmel versprechen
Etwas über Bord werfen
Redew.Grundsätze oder Vorhaben aufgeben, um schneller voranzukommen.
Herkunft: Stammt aus der Seefahrt, wo Ladung geopfert wurde, um ein Schiff zu leichtern.
Themen: Menschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Die Flinte ins Korn werfen Das Handtuch werfen
Über den Berg sein
Redew.Das Schwerste überstanden haben, besonders bei Krankheit oder einem schwierigen Vorhaben.
Herkunft: Aus der Sprache des Reisens und der Krankenpflege: Der Anstieg ist geschafft, der Rest geht bergab. In der Medizin bezeichnete der Berg die Fieberkrise.
Themen: AlltagGlück und Pech
Über die Bühne gehen
Redew.Wie geplant ablaufen und abgeschlossen werden.
Herkunft: Aus der Theatersprache: Ein Stück geht über die Bühne, also von Anfang bis Ende. Im Alltag ist daraus die Abwicklung eines Vorgangs geworden.
Über kurz oder lang
Redew.Früher oder später, aber mit Sicherheit.
Herkunft: Eine Doppelformel, die zwei Gegensätze nennt, um die Gesamtheit zu bezeichnen, wie auch in „über kurz oder lang“ und „durch dick und dünn“. Belegt seit dem 16. Jahrhundert.
Themen: Alltag
Siehe auch: Alle Jubeljahre
Unter die Haube kommen
Redew.Heiraten, meist scherzhaft oder leicht altmodisch gebraucht.
Herkunft: Verheiratete Frauen trugen früher eine Haube, ledige das offene oder geflochtene Haar.
Siehe auch: Um jemandes Hand anhalten Auf Freiersfüßen wandeln
Sich vom Acker machen
Redew.Sich unauffällig entfernen; salopp gebraucht.
Herkunft: Aus der Soldatensprache des 19. Jahrhunderts, in der der Acker das Übungs- und Schlachtfeld war.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
Etwas vom Tisch haben
Redew.Eine Angelegenheit endgültig erledigt haben.
Herkunft: Der Tisch ist der Verhandlungstisch. Was von ihm verschwindet, ist abschließend geregelt und muss nicht wieder aufgerufen werden.
Auch: Etwas ist vom Tisch
Siehe auch: Etwas unter Dach und Fach bringen Etwas in trockene Tücher bringen
Die Zeit totschlagen
Redew.Die Wartezeit mit belanglosen Beschäftigungen überbrücken.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Französischen, wo vom Töten der Zeit die Rede ist. Im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert geläufig.
Themen: Alltag
Zwischen den Zeilen lesen
Redew.Aus dem, was nicht ausgesprochen wird, den eigentlichen Sinn erschließen.
Herkunft: Aus der Geheimschrift: Botschaften wurden mit unsichtbarer Tinte zwischen die Zeilen eines harmlosen Briefes geschrieben.
Themen: Sprache und KommunikationAlltag
Siehe auch: Etwas durch die Blume sagen
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