Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen über Menschen und Verhalten, Seite 3
160 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 3 von 6
Bekannte Redewendungen
Das Herz rutscht in die Hose
Redew.Vor Angst plötzlich den Mut verlieren.
Herkunft: Die Vorstellung, das Herz sinke bei Angst nach unten, findet sich in mehreren Sprachen. Die derbe deutsche Fassung mit der Hose ist seit dem 17. Jahrhundert bezeugt.
Auch: Das Herz in die Hose fallen lassen
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Den Kopf in den Sand stecken Den Teufel an die Wand malen
Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Redew.Sich eine Ermahnung gut merken.
Herkunft: Geht auf einen alten Rechtsbrauch zurück, bei dem jugendliche Zeugen einer Grenzbegehung an den Ohren gezogen wurden, damit sie sich den Vorgang lebenslang merkten.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Jemandem die Leviten lesen
Jemandem Honig ums Maul schmieren
Redew.Jemandem übertrieben schmeicheln, um etwas zu erreichen.
Herkunft: Die Wendung wird auf die Bärendressur zurückgeführt, bei der das Tier mit Honig gefügig gemacht wurde. Gesichert ist diese Herleitung nicht, das Bild vom süßen Reden ist aber alt.
Auch: Jemandem Honig um den Bart schmieren
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und KommunikationEssen und Trinken
Jemanden in den höchsten Tönen loben
Redew.Jemanden überschwänglich loben.
Herkunft: Aus der Musik: Die höchsten Töne sind die auffälligsten. Wer in ihnen lobt, übertreibt hörbar.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
Siehe auch: Den Mund zu voll nehmen Das Blaue vom Himmel versprechen Aus einer Mücke einen Elefanten machen
Jemandem in den Rücken fallen
Redew.Jemanden hintergehen, auf dessen Unterstützung er gezählt hat.
Herkunft: Aus der Kriegssprache: Der Angriff von hinten trifft den Ungeschützten und galt als besonders ehrlos.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Jemanden in die Pfanne hauen
Etwas in den Wind schlagen
Redew.Eine Warnung oder einen Rat ohne Weiteres übergehen.
Herkunft: Das Bild ist das des Wegwerfens in den Wind, der alles zerstreut. Es findet sich in ähnlicher Form bereits in der antiken Dichtung.
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
Siehe auch: Etwas unter den Tisch fallen lassen
Jemanden in die Pfanne hauen
Redew.Jemanden bloßstellen oder ihn absichtlich schlecht dastehen lassen.
Herkunft: Die Wendung wird auf die Metzgersprache zurückgeführt: Was in die Pfanne kommt, ist erledigt. Denkbar ist auch ein Zusammenhang mit der Pfanne des Steinschlossgewehrs.
Themen: Menschen und VerhaltenEssen und Trinken
Siehe auch: Jemanden an den Pranger stellen Jemandem in den Rücken fallen
Jemanden ins kalte Wasser werfen
Redew.Jemanden ohne Vorbereitung in eine schwierige Aufgabe schicken.
Herkunft: Das Bild stammt vom Schwimmenlernen nach alter Methode, bei der der Anfänger ohne Vorbereitung ins Wasser gesetzt wurde.
Auch: Ins kalte Wasser geworfen werden · Ins kalte Wasser springen
Themen: ArbeitMenschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Das Eis brechen
Jemandem die kalte Schulter zeigen
Redew.Jemanden betont abweisend behandeln.
Herkunft: Für die Wendung kursiert die Erklärung, ungeliebten Gästen sei kaltes Schulterstück vorgesetzt worden. Belegt ist das nicht. Näher liegt die Körperhaltung: Wer sich abwendet, zeigt dem anderen die Schulter statt des Gesichts.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Sich eine Abfuhr holen Einen Korb bekommen
Die Kirche im Dorf lassen
Redew.Nicht übertreiben und die Verhältnismäßigkeit wahren.
Herkunft: Die Wendung geht auf Prozessionen zurück, die aus Ehrgeiz immer weiter über die Dorfgrenzen hinaus ausgedehnt wurden. Wer die Kirche im Dorf lässt, verzichtet auf diesen Aufwand und bleibt beim Angemessenen.
Redewendungen mit belegter Herkunft
In den sauren Apfel beißen
Redew.Etwas Unangenehmes auf sich nehmen, weil es sich nicht vermeiden lässt.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der unreife Apfel steht für das Unangenehme, das man dennoch hinunterbringen muss.
Sich in die Nesseln setzen
Redew.Sich durch unbedachtes Verhalten Ärger einhandeln.
Herkunft: Brennnesseln verursachen sofortige, unangenehme Folgen. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Menschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Das Kind mit dem Bade ausschütten Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern
In Sack und Asche gehen
Redew.Tiefe Reue zeigen und sie auch nach außen sichtbar machen.
Herkunft: Sack und Asche waren im Alten Testament die äußeren Zeichen der Buße.
Themen: Menschen und Verhalten
QuelleAltes Testament
Die Karten auf den Tisch legen
Redew.Die eigenen Absichten offenlegen, statt sie weiter zu verbergen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Kartenspiel, bei dem das Aufdecken das Blatt für alle sichtbar macht.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
Siehe auch: Mit offenen Karten spielen Kein Blatt vor den Mund nehmen Das Herz auf der Zunge tragen
Das Kind mit dem Bade ausschütten
Redew.Bei einer Korrektur über das Ziel hinausschießen und dabei auch das Gute mit beseitigen.
Sebastian FranckChronist und Sprichwortsammler, 1499 bis 1543
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt, unter anderem bei Sebastian Franck.
Themen: Menschen und VerhaltenAlltag
QuelleSebastian Franck
Siehe auch: Sich in die Nesseln setzen
Den Kopf in den Sand stecken
Redew.Einer unangenehmen Lage ausweichen, statt sich ihr zu stellen.
Herkunft: Beruht auf der irrigen Annahme, Strauße würden bei Gefahr den Kopf vergraben.
Themen: Menschen und VerhaltenTiereKörper
Siehe auch: Das Herz rutscht in die Hose Den Teufel an die Wand malen
Kurze Redewendungen
Sich ein Herz fassen
Redew.Die eigene Zurückhaltung überwinden und etwas wagen.
Herkunft: Das Herz galt als Sitz des Mutes. Wer es fasst, nimmt seinen Mut buchstäblich in die Hand. Belegt seit dem 16. Jahrhundert.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Alle Brücken hinter sich abbrechen
Jemandem den Hof machen
Redew.Um jemanden werben und ihm auffällig Aufmerksamkeit widmen.
Herkunft: Übernahme aus dem Französischen („faire la cour“) und ursprünglich auf das Verhalten bei Hofe bezogen.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemandem schöne Augen machen Ein Auge auf jemanden werfen
Ins Fettnäpfchen treten
Redew.Durch eine unbedachte Äußerung jemanden vor den Kopf stoßen.
Herkunft: Vor Bauernstuben stand ein Napf mit Fett zum Einfetten der Schuhe. Wer hineintrat, verteilte das Fett auf der frisch gescheuerten Diele und verärgerte die Hausfrau.
Themen: AlltagMenschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
Siehe auch: Sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen
Kalte Füße bekommen
Redew.Kurz vor einer Entscheidung doch noch den Mut verlieren.
Herkunft: Die Wendung wird auf das Kartenspiel zurückgeführt, bei dem ein Verlierer die kalten Füße als Vorwand zum Aufhören genannt habe. Gesichert ist das nicht.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Katz und Maus spielen
Redew.Jemanden im Ungewissen lassen und die eigene Überlegenheit auskosten.
Herkunft: Die Katze tötet die gefangene Maus nicht sofort, sondern lässt sie mehrfach entkommen. Genau diese Grausamkeit meint die Wendung.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
Klein beigeben
Redew.Den Widerstand aufgeben und nachgeben.
Herkunft: Aus dem Kartenspiel: Wer eine niedrige Karte zugibt, verzichtet auf den Stich und damit auf den Widerstand.
Themen: Menschen und Verhalten
Siehe auch: Zu Kreuze kriechen
Den Kopf hinhalten müssen
Redew.Für etwas geradestehen, das man nicht zu verantworten hat.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Strafrecht der frühen Neuzeit, in dem der Kopf im Wortsinn für ein Vergehen einstand.
Themen: Menschen und VerhaltenArbeitKörper
Siehe auch: Etwas ausbaden müssen Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Etwas auslöffeln müssen
Kopf und Kragen riskieren
Redew.Alles aufs Spiel setzen, im Zweifel auch das eigene Leben.
Herkunft: Kopf und Kragen bezeichneten in der Rechtssprache die Todesstrafe durch Enthaupten.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Hart am Wind segeln Den Bock zum Gärtner machen
Jemandem den Kopf verdrehen
Redew.Jemanden so verliebt machen, dass er nicht mehr klar denkt.
Herkunft: Wer verliebt ist, dreht den Kopf nach dem anderen. Die Wendung überträgt die Geste auf den Zustand.
Themen: LiebeKörperMenschen und Verhalten
Siehe auch: Schmetterlinge im Bauch haben Liebe auf den ersten Blick Durch die rosarote Brille sehen
Jemandem den Kopf waschen
Redew.Jemanden deutlich zurechtweisen.
Herkunft: Das Bild ist das der kräftigen Kopfwäsche, die als unangenehm empfunden wurde. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Sprache und KommunikationKörperMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden an den Pranger stellen Jemandem die Leviten lesen Ein dickes Fell haben
Einen Korb bekommen
Redew.Von jemandem zurückgewiesen werden.
Herkunft: Erklärt wird die Wendung mit einem alten Brauch, bei dem ein Verehrer in einem Korb zum Fenster hochgezogen wurde; ein Korb mit brüchigem Boden bedeutete die Absage.
Auch: Jemandem einen Korb geben
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Sich eine Abfuhr holen Jemandem die kalte Schulter zeigen
Kreide fressen
Redew.Sich betont sanft und freundlich geben, obwohl man anderes im Sinn hat.
Herkunft: Die Wendung spielt auf das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein an, in dem der Wolf Kreide frisst, um seine Stimme sanfter klingen zu lassen.
Den Kürzeren ziehen
Redew.Bei einer Auseinandersetzung unterliegen.
Herkunft: Verweist auf das Losen mit unterschiedlich langen Halmen, bei dem der kürzeste verlor.
Lange Finger machen
Redew.Stehlen, meist auf kleinere Gelegenheitsdiebstähle bezogen.
Herkunft: Der lange Finger ist der ausgestreckte, greifende. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert für den Diebstahl belegt.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
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