Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen über Menschen und Verhalten, Seite 4
192 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 4 von 7
Bekannte Redewendungen
Jemanden ins kalte Wasser werfen
Redew.Jemanden ohne Vorbereitung in eine schwierige Aufgabe schicken.
Herkunft: Das Bild stammt vom Schwimmenlernen nach alter Methode, bei der der Anfänger ohne Vorbereitung ins Wasser gesetzt wurde.
Auch: Ins kalte Wasser geworfen werden · Ins kalte Wasser springen
Themen: ArbeitMenschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Das Eis brechen
Jemandem die kalte Schulter zeigen
Redew.Jemanden betont abweisend behandeln.
Herkunft: Für die Wendung kursiert die Erklärung, ungeliebten Gästen sei kaltes Schulterstück vorgesetzt worden. Belegt ist das nicht. Näher liegt die Körperhaltung: Wer sich abwendet, zeigt dem anderen die Schulter statt des Gesichts.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Sich eine Abfuhr holen Jemanden abblitzen lassen Einen Korb bekommen
Die Kirche im Dorf lassen
Redew.Nicht übertreiben und die Verhältnismäßigkeit wahren.
Herkunft: Die Wendung geht auf Prozessionen zurück, die aus Ehrgeiz immer weiter über die Dorfgrenzen hinaus ausgedehnt wurden. Wer die Kirche im Dorf lässt, verzichtet auf diesen Aufwand und bleibt beim Angemessenen.
Jemandem das letzte Hemd geben
Redew.So großzügig sein, dass man selbst nichts mehr behält.
Herkunft: Das Hemd war das unterste Kleidungsstück und damit das Letzte, was jemand besaß. Verwandt ist das Sprichwort vom letzten Hemd, das keine Taschen hat.
Themen: Menschen und VerhaltenGeld
Siehe auch: Die Spendierhosen anhaben Für jemanden durchs Feuer gehen
Das letzte Wort haben wollen
Redew.In jeder Auseinandersetzung recht behalten wollen.
Herkunft: Aus der Gerichtssprache: Dem Angeklagten steht das letzte Wort zu. Im Alltag hat sich der Ausdruck zum Vorwurf der Rechthaberei gewandelt.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
Siehe auch: Öl ins Feuer gießen
Liebe auf den ersten Blick
Redew.Zuneigung, die im Moment der ersten Begegnung entsteht.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der antiken Dichtung belegt, unter anderem bei Marlowe in der englischen Fassung des 16. Jahrhunderts.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
QuelleMarlowe
Siehe auch: Sich in jemanden vergucken Sich Hals über Kopf verlieben Jemandem den Kopf verdrehen
Mehr Glück als Verstand haben
Redew.Trotz unvernünftigen Handelns ungeschoren davonkommen.
Herkunft: Die Formel stellt zwei Wege zum Erfolg gegeneinander und spricht dem Betroffenen den zweiten ab. Im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Themen: Glück und PechMenschen und Verhalten
Siehe auch: Schwein haben Pech haben Einen Schutzengel gehabt haben
Redewendungen mit belegter Herkunft
In Sack und Asche gehen
Redew.Tiefe Reue zeigen und sie auch nach außen sichtbar machen.
Herkunft: Sack und Asche waren im Alten Testament die äußeren Zeichen der Buße.
Themen: Menschen und Verhalten
QuelleAltes Testament
Die Karten auf den Tisch legen
Redew.Die eigenen Absichten offenlegen, statt sie weiter zu verbergen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Kartenspiel, bei dem das Aufdecken das Blatt für alle sichtbar macht.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
Siehe auch: Mit offenen Karten spielen Kein Blatt vor den Mund nehmen Das Herz auf der Zunge tragen
Das Kind mit dem Bade ausschütten
Redew.Bei einer Korrektur über das Ziel hinausschießen und dabei auch das Gute mit beseitigen.
Sebastian FranckChronist und Sprichwortsammler, 1499 bis 1543
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt, unter anderem bei Sebastian Franck.
Themen: Menschen und VerhaltenAlltag
QuelleSebastian Franck
Siehe auch: Sich in die Nesseln setzen
Den Kopf in den Sand stecken
Redew.Einer unangenehmen Lage ausweichen, statt sich ihr zu stellen.
Herkunft: Beruht auf der irrigen Annahme, Strauße würden bei Gefahr den Kopf vergraben.
Themen: Menschen und VerhaltenTiereKörper
Siehe auch: Das Herz rutscht in die Hose Den Teufel an die Wand malen
Eine Leiche im Keller haben
Redew.Etwas Belastendes aus der Vergangenheit verbergen.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, wo vom Skelett im Schrank die Rede ist. Im Deutschen ist die Wendung seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitet.
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
Siehe auch: Jemandem etwas auf die Nase binden Die Katze aus dem Sack lassen Das ist Schnee von gestern
Den Mantel nach dem Wind hängen
Redew.Die eigene Haltung stets so wählen, wie es gerade nützt.
Herkunft: Wer seinen Mantel nach dem Wind dreht, schützt sich am besten. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und meinte ursprünglich klugen Selbstschutz, erst später den Vorwurf der Gesinnungslosigkeit.
Auch: Sein Fähnchen nach dem Wind hängen
Themen: Menschen und Verhalten
Siehe auch: Sein Fähnchen nach dem Wind hängen Mit den Wölfen heulen
Mit dem Kopf durch die Wand wollen
Redew.Etwas mit aller Gewalt durchsetzen wollen, ohne Rücksicht auf Widerstände.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt, meist mit dem Zusatz, dass der Kopf dabei den Kürzeren zieht.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Mit den Hühnern schlafen gehen
Redew.Sehr früh am Abend zu Bett gehen.
Herkunft: Hühner suchen bei Einbruch der Dämmerung den Stall auf. Wer mit ihnen schlafen geht, legt sich ungewöhnlich früh nieder.
Kurze Redewendungen
Ins Fettnäpfchen treten
Redew.Durch eine unbedachte Äußerung jemanden vor den Kopf stoßen.
Herkunft: Vor Bauernstuben stand ein Napf mit Fett zum Einfetten der Schuhe. Wer hineintrat, verteilte das Fett auf der frisch gescheuerten Diele und verärgerte die Hausfrau.
Themen: AlltagMenschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
Siehe auch: Sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen
Kalte Füße bekommen
Redew.Kurz vor einer Entscheidung doch noch den Mut verlieren.
Herkunft: Die Wendung wird auf das Kartenspiel zurückgeführt, bei dem ein Verlierer die kalten Füße als Vorwand zum Aufhören genannt habe. Gesichert ist das nicht.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Jemandem goldene Brücken bauen
Katz und Maus spielen
Redew.Jemanden im Ungewissen lassen und die eigene Überlegenheit auskosten.
Herkunft: Die Katze tötet die gefangene Maus nicht sofort, sondern lässt sie mehrfach entkommen. Genau diese Grausamkeit meint die Wendung.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
Klein beigeben
Redew.Den Widerstand aufgeben und nachgeben.
Herkunft: Aus dem Kartenspiel: Wer eine niedrige Karte zugibt, verzichtet auf den Stich und damit auf den Widerstand.
Themen: Menschen und Verhalten
Siehe auch: Zu Kreuze kriechen
Den Kopf hinhalten müssen
Redew.Für etwas geradestehen, das man nicht zu verantworten hat.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Strafrecht der frühen Neuzeit, in dem der Kopf im Wortsinn für ein Vergehen einstand.
Themen: Menschen und VerhaltenArbeitKörper
Siehe auch: Etwas ausbaden müssen Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Etwas auslöffeln müssen
Kopf und Kragen riskieren
Redew.Alles aufs Spiel setzen, im Zweifel auch das eigene Leben.
Herkunft: Kopf und Kragen bezeichneten in der Rechtssprache die Todesstrafe durch Enthaupten.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Hart am Wind segeln Den Bock zum Gärtner machen
Jemandem den Kopf verdrehen
Redew.Jemanden so verliebt machen, dass er nicht mehr klar denkt.
Herkunft: Wer verliebt ist, dreht den Kopf nach dem anderen. Die Wendung überträgt die Geste auf den Zustand.
Themen: LiebeKörperMenschen und Verhalten
Siehe auch: Sich in jemanden vergucken Sich Hals über Kopf verlieben Schmetterlinge im Bauch haben
Jemandem den Kopf waschen
Redew.Jemanden deutlich zurechtweisen.
Herkunft: Das Bild ist das der kräftigen Kopfwäsche, die als unangenehm empfunden wurde. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Sprache und KommunikationKörperMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden an den Pranger stellen Jemandem die Leviten lesen Ein dickes Fell haben
Einen Korb bekommen
Redew.Bei einer Werbung zurückgewiesen werden.
Herkunft: Die Wendung geht auf einen mittelalterlichen Brauch zurück: Der Werbende wurde im Korb zum Fenster hochgezogen, bei Ablehnung hatte der Korb einen brüchigen Boden.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Sich jemandem an den Hals werfen Sich eine Abfuhr holen Jemanden abblitzen lassen
Kreide fressen
Redew.Sich betont sanft und freundlich geben, obwohl man anderes im Sinn hat.
Herkunft: Die Wendung spielt auf das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein an, in dem der Wolf Kreide frisst, um seine Stimme sanfter klingen zu lassen.
Den Kürzeren ziehen
Redew.Bei einer Auseinandersetzung unterliegen.
Herkunft: Aus dem Losverfahren: Wer beim Ziehen von Halmen den kürzesten erwischte, hatte verloren.
Lange Finger machen
Redew.Stehlen, meist auf kleinere Gelegenheitsdiebstähle bezogen.
Herkunft: Der lange Finger ist der ausgestreckte, greifende. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert für den Diebstahl belegt.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Jemandem den Laufpass geben
Redew.Eine Beziehung beenden und den anderen wegschicken.
Herkunft: Der Laufpass war die Entlassungsurkunde eines Soldaten, mit der er den Dienst verlassen musste.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemandem das Herz brechen
Jemandem die Leviten lesen
Redew.Jemanden nachdrücklich zurechtweisen.
Herkunft: Bezieht sich auf das dritte Buch Mose, das Levitikus, aus dem in Klöstern zur Ermahnung vorgelesen wurde.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Jemandem den Kopf waschen Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Mit den Wölfen heulen
Redew.Sich der Mehrheit anschließen, auch gegen die eigene Überzeugung.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht auf die Beobachtung zurück, dass ein einzelnes Tier im Rudel mitheult, um nicht aufzufallen.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
Siehe auch: Sein Fähnchen nach dem Wind hängen Den Mantel nach dem Wind hängen
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