Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen über Menschen und Verhalten, Seite 2
192 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 2 von 7
Bekannte Redewendungen
Aus einer Mücke einen Elefanten machen
Redew.Eine Kleinigkeit maßlos aufbauschen.
Herkunft: Der Gegensatz von kleinstem und größtem Tier ist ein altes rhetorisches Bild. Im Deutschen ist die Wendung seit dem 16. Jahrhundert belegt, das Motiv selbst geht auf die griechische Antike zurück.
Themen: Sprache und KommunikationTiereMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden in den höchsten Tönen loben Den Mund zu voll nehmen Das Blaue vom Himmel versprechen
Kein Blatt vor den Mund nehmen
Redew.Ungeschminkt sagen, was man denkt.
Herkunft: Wird auf die Bühnenpraxis zurückgeführt, bei der Schauspieler sich ein Blatt vor das Gesicht hielten, um Kritik anonym vortragen zu können.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
Siehe auch: Mit offenen Karten spielen Die Karten auf den Tisch legen Das Herz auf der Zunge tragen
Das Blaue vom Himmel versprechen
Redew.Großzügige Zusagen machen, die sich unmöglich halten lassen.
Herkunft: Blau steht in mehreren deutschen Wendungen für das Unerreichbare und für die Täuschung, so auch im blauen Dunst und in der blauen Blume der Romantik. Wer das Blaue vom Himmel verspricht, verspricht das, was niemand geben kann.
Themen: Sprache und KommunikationFarbenMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden in den höchsten Tönen loben Jemandem einen Bären aufbinden Etwas in den schwärzesten Farben malen
Jemandem die Butter vom Brot nehmen
Redew.Jemanden um seinen Anteil oder Vorteil bringen.
Herkunft: Butter auf dem Brot war lange keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Zeichen von Wohlstand. Wer sie wegnimmt, nimmt das Beste an der Sache.
Auch: Sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen
Themen: Essen und TrinkenMenschen und VerhaltenGeld
Siehe auch: Sich auf die Hinterbeine stellen
Jemanden durch den Kakao ziehen
Redew.Sich über jemanden lustig machen.
Herkunft: Der Kakao steht hier verhüllend für einen derberen Ausdruck. Erich Kästner spielte in einem Gedicht ausdrücklich mit dieser Zweideutigkeit.
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
QuelleErich Kästner
Siehe auch: Jemanden auf den Arm nehmen Das Pulver nicht erfunden haben Einen Vogel haben
Durch die rosarote Brille sehen
Redew.Alles beschönigt und ohne kritischen Blick wahrnehmen.
Herkunft: Getönte Brillengläser verändern den Farbeindruck der Umgebung. Rosa steht dabei für das Beschönigende, weil es die Welt freundlicher erscheinen lässt, als sie ist.
Themen: FarbenLiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Sich in jemanden vergucken Sich Hals über Kopf verlieben Liebe auf den ersten Blick
Etwas erst einmal verdauen müssen
Redew.Zeit brauchen, um eine überraschende Nachricht zu verarbeiten.
Herkunft: Das Bild überträgt den körperlichen Vorgang auf die seelische Verarbeitung und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Das Fass zum Überlaufen bringen
Redew.Nach vielen Ärgernissen den einen Anlass liefern, der die Geduld endgültig aufbraucht.
Herkunft: Ein volles Fass läuft schon beim kleinsten Zusatz über. Gemeint ist nicht der Zusatz selbst, sondern die vorher schon erreichte Grenze. Deshalb steht die Wendung meist in der Fassung vom Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Auch: Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt
Themen: Menschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Öl ins Feuer gießen
Die Faust in der Tasche ballen
Redew.Sich ärgern, ohne es zeigen zu können.
Herkunft: Die geballte Faust ist eine Drohgebärde. Bleibt sie in der Tasche, bleibt der Zorn unsichtbar und folgenlos.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Aus der Haut fahren Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern
Die Flinte ins Korn werfen
Redew.Vorschnell aufgeben und einen Plan fallen lassen, sobald es schwierig wird.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Kriegswesen: Der fliehende Soldat wirft seine Waffe ins Kornfeld, um schneller wegzukommen.
Themen: AlltagGlück und PechMenschen und Verhalten
Siehe auch: Etwas über Bord werfen Das Handtuch werfen Die Waffen strecken
Kurze Redewendungen
Aus der Haut fahren
Redew.Vor Ärger die Fassung verlieren.
Herkunft: Das Bild ist das eines Tieres, das sich häutet, hier ins Gewaltsame gewendet: Der Zorn ist so groß, dass er den Körper zu sprengen scheint.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Die Faust in der Tasche ballen Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern
Etwas ausbaden müssen
Redew.Für einen Fehler geradestehen, den ein anderer gemacht hat.
Herkunft: Verweist auf das gemeinschaftliche Badehaus, in dem der Letzte das gebrauchte Wasser ausschütten musste.
Themen: ArbeitMenschen und Verhalten
Siehe auch: Etwas auslöffeln müssen Die Suppe auslöffeln Den Kopf hinhalten müssen
Jemandem einen Bären aufbinden
Redew.Jemandem etwas Erfundenes so erzählen, dass er es glaubt.
Herkunft: „Bär“ geht hier vermutlich auf ein älteres Wort für Last oder Abgabe zurück, nicht auf das Tier. Wer jemandem einen Bären aufbindet, lädt ihm eine Last auf, die er nicht bemerkt.
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und KommunikationTiere
Siehe auch: Ein Wolf im Schafspelz Das Blaue vom Himmel versprechen
Jemandem einen Bärendienst erweisen
Redew.In guter Absicht helfen und damit alles schlimmer machen.
Jean de La Fontainefranzösischer Fabeldichter, 1621 bis 1695
Herkunft: Geht auf eine Fabel von La Fontaine zurück, in der ein Bär seinem schlafenden Herrn eine Fliege mit einem Stein von der Stirn schlägt.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
QuelleLa Fontaine
Siehe auch: Jemandem unter die Arme greifen
Sich kein Bein ausreißen
Redew.Sich sichtlich wenig Mühe geben.
Herkunft: Die verneinte Fassung ist die gebräuchliche: Wer sich kein Bein ausreißt, strengt sich erkennbar nicht an.
Auch: Sich ein Bein ausreißen
Berge versetzen
Redew.Außergewöhnlich Schwieriges bewirken.
Herkunft: Die Wendung geht auf das Neue Testament zurück (1. Korinther 13,2).
Themen: ErfolgMenschen und Verhalten
QuelleNeues Testament
Bis in die Puppen
Redew.Sehr lange, meist bis tief in die Nacht.
Herkunft: Die Wendung geht auf den Berliner Tiergarten zurück, wo am Großen Stern Standbilder aufgestellt waren, die im Volksmund Puppen hießen. Der Weg dorthin galt als weit.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
Siehe auch: Die Sau rauslassen
Blaues Blut haben
Redew.Von adliger Abstammung sein, meist leicht spöttisch gebraucht.
Herkunft: Der Ausdruck stammt aus dem Spanischen und bezog sich auf die hellhäutigen Adligen, bei denen die Venen bläulich durchschienen, im Gegensatz zu den sonnengebräunten Landarbeitern.
Themen: FarbenMenschen und Verhalten
Den Bock zum Gärtner machen
Redew.Ausgerechnet demjenigen eine Aufgabe übertragen, der dafür am wenigsten geeignet ist.
Herkunft: Ziegenböcke fressen mit Vorliebe junge Triebe und richten in einem Garten in kurzer Zeit großen Schaden an. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: ArbeitTiereMenschen und Verhalten
Siehe auch: Hart am Wind segeln Kopf und Kragen riskieren Die Katze im Sack kaufen
Den Braten riechen
Redew.Rechtzeitig merken, dass etwas im Gange ist, das einem nicht passt.
Herkunft: Wer den Braten riecht, bemerkt schon am Geruch, was in der Küche vorgeht, bevor aufgetragen wird. Die Wendung wird auf eine Fabel zurückgeführt, in der ein Bauer einen Gast mit Kohl statt mit Fleisch bewirtet.
Ein Danaergeschenk
Redew.Eine Gabe, die dem Beschenkten schadet.
Herkunft: Nach dem hölzernen Pferd, mit dem die Griechen Troja eroberten. Vergil legt einem troianischen Priester die Warnung vor Geschenken der Danaer in den Mund.
Themen: Menschen und VerhaltenGlück und Pech
QuelleVergil
Siehe auch: Auf der Kippe stehen Am seidenen Faden hängen
Jemandem die Daumen drücken
Redew.Jemandem für ein bevorstehendes Ereignis viel Glück wünschen.
Herkunft: Die Geste geht auf einen alten Abwehrbrauch gegen Unheil zurück.
Themen: Glück und PechKörperMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemandem die Stange halten
Jemandem Daumenschrauben anlegen
Redew.Jemanden massiv unter Druck setzen, damit er nachgibt.
Herkunft: Verweist auf ein Folterinstrument der frühen Neuzeit, mit dem Geständnisse erzwungen wurden.
Themen: Menschen und VerhaltenArbeit
Ein dickes Fell haben
Redew.Unempfindlich gegenüber Kritik und Widrigkeiten sein.
Herkunft: Das Bild stammt vom Tier, dessen Fell Schläge und Kälte abhält. Wer ein dickes Fell hat, lässt Kränkungen nicht an sich heran.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
Siehe auch: Jemanden an den Pranger stellen Jemandem den Kopf waschen Ein Haar in der Suppe finden
Dienst nach Vorschrift machen
Redew.Nur genau das tun, was vorgeschrieben ist, und keinen Handschlag mehr.
Herkunft: Der Ausdruck stammt aus dem Arbeitskampf und bezeichnet eine Form der Behinderung, bei der Vorschriften so genau befolgt werden, dass der Betrieb sich verlangsamt.
Themen: ArbeitMenschen und Verhalten
Das Eis brechen
Redew.Anfängliche Befangenheit zwischen Menschen auflösen.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Binnenschifffahrt: Vor der Zeit der Eisbrecher musste die Decke auf zugefrorenen Flüssen aufgebrochen werden, damit der Verkehr wieder in Gang kam. Wer das Eis bricht, macht den Weg für alle anderen frei.
Themen: Sprache und KommunikationErfolgMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden ins kalte Wasser werfen
Die erste Geige spielen
Redew.In einer Gruppe die tonangebende Rolle innehaben.
Herkunft: Bezieht sich auf den Konzertmeister im Orchester, der die erste Violine führt.
Themen: ErfolgArbeitMenschen und Verhalten
Siehe auch: Die zweite Geige spielen Den Ton angeben
Eine Extrawurst verlangen
Redew.Eine Sonderbehandlung fordern.
Herkunft: In der Metzgerei war die Extrawurst die zusätzlich und eigens gefertigte Wurst, oft als Zugabe. Wer eine Extrawurst verlangt, möchte anders behandelt werden als alle anderen.
Auch: Eine Extrawurst gebraten bekommen
Die Flitterwochen sind vorbei
Redew.Die anfängliche Begeisterung ist der Normalität gewichen.
Herkunft: „Flitter“ meint hier den kurzlebigen Glanz. Die Wendung wird auch außerhalb von Beziehungen gebraucht, etwa in der Politik.
Themen: LiebeMenschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Jemandem den Zahn ziehen
Die Fronten klären
Redew.In einer Auseinandersetzung deutlich machen, wer wofür steht.
Herkunft: Ebenfalls aus der Militärsprache. Geklärte Fronten sind solche, bei denen erkennbar ist, wo die Trennlinie verläuft.
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