Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen über Menschen und Verhalten, Seite 2
160 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 2 von 6
Bekannte Redewendungen
Kein Blatt vor den Mund nehmen
Redew.Ungeschminkt sagen, was man denkt.
Herkunft: Wird auf die Bühnenpraxis zurückgeführt, bei der Schauspieler sich ein Blatt vor das Gesicht hielten, um Kritik anonym vortragen zu können.
Themen: Sprache und KommunikationMenschen und Verhalten
Siehe auch: Mit offenen Karten spielen Die Karten auf den Tisch legen Das Herz auf der Zunge tragen
Das Blaue vom Himmel versprechen
Redew.Großzügige Zusagen machen, die sich unmöglich halten lassen.
Herkunft: Blau steht in mehreren deutschen Wendungen für das Unerreichbare und für die Täuschung, so auch im blauen Dunst und in der blauen Blume der Romantik. Wer das Blaue vom Himmel verspricht, verspricht das, was niemand geben kann.
Themen: Sprache und KommunikationFarbenMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden in den höchsten Tönen loben Jemandem einen Bären aufbinden Den Mund zu voll nehmen
Jemandem die Butter vom Brot nehmen
Redew.Jemanden um seinen Anteil oder Vorteil bringen.
Herkunft: Butter auf dem Brot war lange keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Zeichen von Wohlstand. Wer sie wegnimmt, nimmt das Beste an der Sache.
Jemanden durch den Kakao ziehen
Redew.Sich über jemanden lustig machen.
Herkunft: Der Kakao steht hier verhüllend für einen derberen Ausdruck. Erich Kästner spielte in einem Gedicht ausdrücklich mit dieser Zweideutigkeit.
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
QuelleErich Kästner
Siehe auch: Jemanden auf den Arm nehmen Das Pulver nicht erfunden haben Einen Vogel haben
Durch die rosarote Brille sehen
Redew.Alles beschönigt und ohne kritischen Blick wahrnehmen.
Herkunft: Getönte Brillengläser verändern den Farbeindruck der Umgebung. Rosa steht dabei für das Beschönigende, weil es die Welt freundlicher erscheinen lässt, als sie ist.
Themen: FarbenLiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Liebe auf den ersten Blick Jemandem den Kopf verdrehen Schmetterlinge im Bauch haben
Das Fass zum Überlaufen bringen
Redew.Nach vielen Ärgernissen den einen Anlass liefern, der die Geduld endgültig aufbraucht.
Herkunft: Ein volles Fass läuft schon beim kleinsten Zusatz über. Gemeint ist nicht der Zusatz selbst, sondern die vorher schon erreichte Grenze. Deshalb steht die Wendung meist in der Fassung vom Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Auch: Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt
Themen: Menschen und VerhaltenAlltag
Siehe auch: Öl ins Feuer gießen
Die Faust in der Tasche ballen
Redew.Sich ärgern, ohne es zeigen zu können.
Herkunft: Die geballte Faust ist eine Drohgebärde. Bleibt sie in der Tasche, bleibt der Zorn unsichtbar und folgenlos.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Siehe auch: Aus der Haut fahren Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern
Die Flinte ins Korn werfen
Redew.Vorschnell aufgeben und einen Plan fallen lassen, sobald es schwierig wird.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Kriegswesen: Der fliehende Soldat wirft seine Waffe ins Kornfeld, um schneller wegzukommen.
Themen: AlltagGlück und PechMenschen und Verhalten
Siehe auch: Etwas über Bord werfen Das Handtuch werfen Die Waffen strecken
Sich grün und blau ärgern
Redew.Sich maßlos über etwas ärgern.
Herkunft: Die Farben verweisen auf Blutergüsse, die als Folge von Schlägen entstehen. Der Ärger wird also mit einer körperlichen Misshandlung gleichgesetzt.
Themen: Menschen und VerhaltenFarben
Siehe auch: Sich schwarzärgern Rot sehen Sich in die Nesseln setzen
Ein Haar in der Suppe finden
Redew.An einer im Grunde guten Sache unbedingt etwas auszusetzen haben.
Herkunft: Ein einzelnes Haar verdirbt eine ganze Mahlzeit, obwohl es nichts am Geschmack ändert. Genau darin liegt der Vorwurf an den Nörgler.
Themen: Menschen und VerhaltenEssen und Trinken
Siehe auch: Jemanden an den Pranger stellen Jemandem den Kopf waschen Ein dickes Fell haben
Redewendungen mit belegter Herkunft
Den Bock zum Gärtner machen
Redew.Ausgerechnet demjenigen eine Aufgabe übertragen, der dafür am wenigsten geeignet ist.
Herkunft: Ziegenböcke fressen mit Vorliebe junge Triebe und richten in einem Garten in kurzer Zeit großen Schaden an. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: ArbeitTiereMenschen und Verhalten
Siehe auch: Hart am Wind segeln Kopf und Kragen riskieren Die Katze im Sack kaufen
Für jemanden die Hand ins Feuer legen
Redew.Sich uneingeschränkt für jemanden verbürgen.
Herkunft: Geht auf die römische Sage von Mucius Scaevola zurück, der seine Hand ins Feuer hielt, um seine Unerschrockenheit zu beweisen.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
Für jemanden eine Lanze brechen
Redew.Sich öffentlich für jemanden oder etwas einsetzen.
Herkunft: Das Bild stammt vom ritterlichen Turnier, bei dem man stellvertretend für einen anderen antrat.
Das Herz auf der Zunge tragen
Redew.Alles aussprechen, was einen bewegt, ohne es zurückzuhalten.
Herkunft: Das Herz galt als Sitz der Empfindung. Wer es auf der Zunge trägt, spricht unmittelbar aus, was er fühlt. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Menschen und VerhaltenKörperSprache und Kommunikation
Siehe auch: Mit offenen Karten spielen Kein Blatt vor den Mund nehmen Die Karten auf den Tisch legen
Kurze Redewendungen
Sich kein Bein ausreißen
Redew.Sich sichtlich wenig Mühe geben.
Herkunft: Die verneinte Fassung ist die gebräuchliche: Wer sich kein Bein ausreißt, strengt sich erkennbar nicht an.
Auch: Sich ein Bein ausreißen
Berge versetzen
Redew.Außergewöhnlich Schwieriges bewirken.
Herkunft: Die Wendung geht auf das Neue Testament zurück (1. Korinther 13,2).
Themen: ErfolgMenschen und Verhalten
QuelleNeues Testament
Den Braten riechen
Redew.Rechtzeitig merken, dass etwas im Gange ist, das einem nicht passt.
Herkunft: Wer den Braten riecht, bemerkt schon am Geruch, was in der Küche vorgeht, bevor aufgetragen wird. Die Wendung wird auf eine Fabel zurückgeführt, in der ein Bauer einen Gast mit Kohl statt mit Fleisch bewirtet.
Jemandem die Daumen drücken
Redew.Jemandem für ein bevorstehendes Ereignis viel Glück wünschen.
Herkunft: Die Geste geht auf einen alten Abwehrbrauch gegen Unheil zurück.
Themen: Glück und PechKörperMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemandem die Stange halten
Jemandem Daumenschrauben anlegen
Redew.Jemanden massiv unter Druck setzen, damit er nachgibt.
Herkunft: Verweist auf ein Folterinstrument der frühen Neuzeit, mit dem Geständnisse erzwungen wurden.
Themen: Menschen und VerhaltenArbeit
Ein dickes Fell haben
Redew.Unempfindlich gegenüber Kritik und Widrigkeiten sein.
Herkunft: Das Bild stammt vom Tier, dessen Fell Schläge und Kälte abhält. Wer ein dickes Fell hat, lässt Kränkungen nicht an sich heran.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
Siehe auch: Jemanden an den Pranger stellen Jemandem den Kopf waschen Ein Haar in der Suppe finden
Dienst nach Vorschrift machen
Redew.Nur genau das tun, was vorgeschrieben ist, und keinen Handschlag mehr.
Herkunft: Der Ausdruck stammt aus dem Arbeitskampf und bezeichnet eine Form der Behinderung, bei der Vorschriften so genau befolgt werden, dass der Betrieb sich verlangsamt.
Themen: ArbeitMenschen und Verhalten
Das Eis brechen
Redew.Anfängliche Befangenheit zwischen Menschen auflösen.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Binnenschifffahrt: Vor der Zeit der Eisbrecher musste die Decke auf zugefrorenen Flüssen aufgebrochen werden, damit der Verkehr wieder in Gang kam. Wer das Eis bricht, macht den Weg für alle anderen frei.
Themen: Sprache und KommunikationErfolgMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden ins kalte Wasser werfen
Die erste Geige spielen
Redew.In einer Gruppe die tonangebende Rolle innehaben.
Herkunft: Bezieht sich auf den Konzertmeister im Orchester, der die erste Violine führt.
Themen: ErfolgArbeitMenschen und Verhalten
Siehe auch: Die zweite Geige spielen Den Ton angeben
Eine Extrawurst verlangen
Redew.Eine Sonderbehandlung fordern.
Herkunft: In der Metzgerei war die Extrawurst die zusätzlich und eigens gefertigte Wurst, oft als Zugabe. Wer eine Extrawurst verlangt, möchte anders behandelt werden als alle anderen.
Auch: Eine Extrawurst gebraten bekommen
Die Fronten klären
Redew.In einer Auseinandersetzung deutlich machen, wer wofür steht.
Herkunft: Ebenfalls aus der Militärsprache. Geklärte Fronten sind solche, bei denen erkennbar ist, wo die Trennlinie verläuft.
Grün vor Neid werden
Redew.Vor Missgunst kaum an sich halten können.
Herkunft: Die Säftelehre der antiken Medizin ordnete Gemütszustände Körperflüssigkeiten zu; die grüngelbe Galle stand für Missgunst und Zorn. Daher auch der Ausdruck, jemandem laufe die Galle über.
Themen: Menschen und VerhaltenFarben
Sich die Haare raufen
Redew.Vor Ärger oder Ratlosigkeit nicht weiterwissen.
Herkunft: Das Ausreißen der Haare war in der Antike eine förmliche Trauergebärde und ist in dieser Bedeutung schon im Alten Testament bezeugt.
Themen: Menschen und VerhaltenKörper
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Sich schwarzärgern Sich in die Nesseln setzen Sich grün und blau ärgern
Hals über Kopf
Redew.Überstürzt und ohne jede Vorbereitung.
Herkunft: Die Wendung ist eine Verkürzung der älteren Fassung „über Hals und Kopf“ und beschreibt das kopfüber Stürzen. Sie ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Die Hand aufhalten
Redew.Für eine Gefälligkeit Geld verlangen.
Herkunft: Die Geste des Bettelns und des Entgegennehmens. Im übertragenen Gebrauch schwingt der Vorwurf mit, dass eine Gefälligkeit nur gegen Bezahlung erfolgt.
Themen: GeldKörperMenschen und Verhalten
Hart am Wind segeln
Redew.Sich dicht an der Grenze des Erlaubten oder des Machbaren bewegen.
Herkunft: Bezeichnet in der Seefahrt den Kurs möglichst nah an die Windrichtung heran.
Themen: ArbeitMenschen und Verhalten
Siehe auch: Den Bock zum Gärtner machen Kopf und Kragen riskieren Alles auf eine Karte setzen
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