Redewendungen · Redewendungen nach Themen
Redewendungen über Menschen und Verhalten
Die größte Gruppe im Bestand. Hier wird charakterisiert, entlarvt und gespottet, und zwar in Bildern, die von der Falknerei über die Kirche bis zum Fischteich reichen.
192 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 7
Bekannte Redewendungen
Alle Brücken hinter sich abbrechen
Redew.Sich jede Rückkehrmöglichkeit nehmen und einen radikalen Neuanfang erzwingen.
Herkunft: Wer nach dem Übersetzen die Brücke zerstört, kann nicht mehr zurück. Das Bild ist aus der antiken Kriegsführung überliefert und wird unter anderem im Zusammenhang mit Feldherren berichtet, die ihren Truppen den Rückweg nehmen wollten.
Themen: Alltag
Siehe auch: Sich ein Herz fassen
Alle über einen Kamm scheren
Redew.Sehr unterschiedliche Fälle oder Personen gleich behandeln, ohne zu unterscheiden.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Handwerk des Baders, der beim Haareschneiden für alle Kunden denselben Kamm benutzte.
Auch: Alles über einen Kamm scheren
Themen: Alltag
Sich jemandem an den Hals werfen
Redew.Sich jemandem aufdrängen, ohne Zurückhaltung um ihn werben.
Herkunft: Das Bild ist die Umarmungsgeste, hier ins Übertriebene gewendet. Im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Jemandem schöne Augen machen Ein Auge auf jemanden werfen Jemandem den Hof machen
Etwas auf dem Kasten haben
Redew.Fähig und tüchtig sein, etwas wirklich können.
Herkunft: „Kasten“ steht in der Umgangssprache scherzhaft für den Kopf, ähnlich wie Oberstübchen und Dachstuhl.
Siehe auch: Etwas aus dem Ärmel schütteln Etwas im Griff haben Etwas aus dem Effeff können
Jemanden auf den Arm nehmen
Redew.Sich einen Spaß mit jemandem erlauben und ihn nicht ernst nehmen.
Herkunft: Wer auf den Arm genommen wird, wird behandelt wie ein Kind und damit nicht ernst genommen.
Themen: KörperSprache und Kommunikation
Siehe auch: Jemanden durch den Kakao ziehen Das Pulver nicht erfunden haben Einen Vogel haben
Jemandem auf den Fersen sein
Redew.Jemanden so dicht verfolgen, dass er kaum noch entkommen kann.
Herkunft: Aus der Jagd- und Verfolgungssprache: Der Verfolger ist so nah, dass er die Fersen des Fliehenden sieht.
Themen: Körper
Siehe auch: Ein Herz und eine Seele sein
Jemandem auf den Zahn fühlen
Redew.Jemanden gezielt ausfragen, um herauszufinden, was wirklich dahintersteckt.
Herkunft: Aus der Heilkunde: Der Zahn wurde abgetastet, um Schäden zu finden. Wer jemandem auf den Zahn fühlt, sucht ebenso nach der Schwachstelle.
Themen: KörperSprache und Kommunikation
Jemandem auf der Nase herumtanzen
Redew.Jemandes Nachgiebigkeit ausnutzen und sich alles erlauben.
Herkunft: Das Bild verbindet Respektlosigkeit mit körperlicher Nähe. Die Nase steht dabei, wie in mehreren deutschen Wendungen, für die Person selbst.
Themen: Körper
Sich auf die Hinterbeine stellen
Redew.Sich wehren und nicht länger alles hinnehmen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Pferd, das sich aufbäumt, und vom Bären, der sich zur Wehr setzt.
Themen: Tiere
Siehe auch: Jemandem die Butter vom Brot nehmen
Jemanden auf die Palme bringen
Redew.Jemanden so reizen, dass er die Beherrschung verliert.
Herkunft: Eine jüngere Bildung des 20. Jahrhunderts. Das Bild ist das des Affen, der bei Aufregung den Baum hinaufklettert.
Siehe auch: Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern Rot sehen
Redewendungen mit belegter Herkunft
Alles grau in grau sehen
Redew.Die Lage durchweg trübe einschätzen.
Herkunft: Die Wendung ist eine Malereimetapher: Grau in Grau bezeichnet eine Technik, bei der ein Bild ausschließlich in Grautönen ausgeführt wird. Sie heißt fachsprachlich Grisaille.
Themen: Farben
Siehe auch: Schwarzsehen
Jemanden an den Pranger stellen
Redew.Jemanden öffentlich bloßstellen.
Herkunft: Der Pranger war bis ins 19. Jahrhundert ein Ort der öffentlichen Beschämung von Verurteilten.
Themen: Sprache und Kommunikation
Siehe auch: Jemandem den Kopf waschen Jemanden in die Pfanne hauen Ein dickes Fell haben
Auf dem hohen Ross sitzen
Redew.Überheblich auftreten und auf andere herabsehen.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Zeit, als nur Ritter und Vornehme zu Pferd unterwegs waren und buchstäblich auf die Fußgänger herabsahen.
Auch: Sich aufs hohe Ross setzen
Themen: Tiere
Siehe auch: Die Nase hoch tragen Das Pferd von hinten aufzäumen Auf das falsche Pferd setzen
Etwas auf dem Kerbholz haben
Redew.Sich etwas haben zuschulden kommen lassen.
Herkunft: Auf Kerbhölzern wurden Schulden durch eingeritzte Kerben festgehalten; das Holz wurde geteilt, damit keine Seite nachträglich etwas hinzufügen konnte.
Themen: Geld
Siehe auch: Auf Pump leben Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Den Kopf hinhalten müssen
Ein Auge auf jemanden werfen
Redew.Interesse an jemandem fassen und ihn als möglichen Partner ins Auge nehmen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch Daniel im Alten Testament, wo die Ältesten ihre Augen auf Susanna werfen.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Sich jemandem an den Hals werfen Jemandem schöne Augen machen Jemandem den Hof machen
Sich aus der Affäre ziehen
Redew.Sich geschickt aus einer heiklen Lage befreien, ohne Schaden zu nehmen.
Herkunft: „Affäre“ ist aus dem Französischen entlehnt und meinte ursprünglich das Gefecht. Wer sich daraus zieht, entkommt ohne Schaden.
Der Hecht im Karpfenteich sein
Redew.Jemand sein, der in eine träge oder eingespielte Gruppe Bewegung, Unruhe und Konkurrenzdruck bringt.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Teichwirtschaft: Ein eingesetzter Raubfisch hält die Karpfen in Bewegung und soll so ihre Kondition verbessern.
Auch: Ein Hecht im Karpfenteich
Siehe auch: Jemandem einen Floh ins Ohr setzen
Kurze Redewendungen
Jemanden abblitzen lassen
Redew.Eine Werbung deutlich zurückweisen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Steinschlossgewehr: Zündete das Pulver auf der Pfanne, ohne den Schuss auszulösen, sprach man vom Abblitzen.
Themen: Liebe
Siehe auch: Sich eine Abfuhr holen Einen Korb bekommen Jemandem die kalte Schulter zeigen
Sich eine Abfuhr holen
Redew.Deutlich zurückgewiesen werden.
Herkunft: „Abfuhr“ stammt aus der studentischen Fechtsprache, wo der Unterlegene vom Platz geführt wurde.
Themen: Liebe
Siehe auch: Jemanden abblitzen lassen Einen Korb bekommen Jemandem die kalte Schulter zeigen
Jemandem etwas abknöpfen
Redew.Jemandem Geld abnehmen, meist durch Überredung.
Herkunft: Knöpfe waren an alter Kleidung wertvoll und wurden einzeln abgetrennt und weiterverwendet. Wer jemandem etwas abknöpft, nimmt ihm ein Stück seines Besitzes.
Themen: Geld
Auf dem Schlauch stehen
Redew.Eine an sich einfache Sache im Moment nicht begreifen und nicht weiterkommen.
Herkunft: Das Bild stammt vermutlich aus dem Feuerwehr- oder Gartenbereich: Wer auf dem Schlauch steht, blockiert den Wasserfluss und wundert sich, warum nichts kommt.
Themen: Alltag
Auf den Busch klopfen
Redew.Vorsichtig etwas in Erfahrung bringen wollen.
Herkunft: Ebenfalls aus der Jägersprache: Treiber schlugen ins Gebüsch, um zu sehen, ob Wild darin steckt.
Themen: Sprache und Kommunikation
Auf Freiersfüßen wandeln
Redew.Auf der Suche nach einem Ehepartner sein.
Herkunft: „Freier“ ist das alte Wort für den Werbenden. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: Liebe
Siehe auch: Um jemandes Hand anhalten Sich jemandem an den Hals werfen Jemandem schöne Augen machen
Auf großem Fuß leben
Redew.Aufwendig leben und viel Geld ausgeben.
Herkunft: Für die Wendung kursiert die Erklärung, ein Adliger habe wegen eines missgebildeten Fußes besonders lange Schnabelschuhe tragen lassen, worauf die Mode reagiert habe. Diese Geschichte ist nicht belegt. Näher liegt der schlichte Zusammenhang von Fußbreite und Aufwand, wie ihn auch die Redensart vom breiten Auftreten kennt.
Auf Pump leben
Redew.Den eigenen Lebensstil auf Schulden aufbauen.
Herkunft: „Pumpen“ steht in der Umgangssprache seit dem 18. Jahrhundert für Borgen. Das Bild ist das des Schöpfens aus einem fremden Vorrat.
Themen: Geld
QuelleVictor Borge
Siehe auch: Etwas auf dem Kerbholz haben Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Den Kopf hinhalten müssen
Ein Auge riskieren
Redew.Verstohlen hinsehen, obwohl es sich nicht gehört.
Herkunft: Eine scherzhafte Bildung des 19. Jahrhunderts nach dem Muster des Wagnisses, bei dem etwas eingesetzt wird.
Ein Auge zudrücken
Redew.Einen Fehler durchgehen lassen, statt auf der Regel zu bestehen.
Herkunft: Wer ein Auge schließt, sieht nur die Hälfte. Die Wendung beschreibt die bewusste Nachsicht, nicht das Übersehen aus Unachtsamkeit.
Aus dem Takt geraten
Redew.Aus dem gewohnten Ablauf gebracht werden.
Herkunft: Der Takt kommt aus der Musik und bezeichnet das gleichmäßige Zeitmaß. Wer aus dem Takt gerät, verliert den Gleichschritt mit den anderen.
Themen: Alltag
Von der Rolle sein
Redew.Nicht mehr leistungsfähig oder konzentriert sein, den Anschluss verloren haben, aus dem Tritt geraten sein.
Herkunft: Die Wendung wird auf das Steherrennen im Bahnradsport zurückgeführt. Der Radfahrer folgt dort dicht hinter einer Schrittmachermaschine, an deren Heck eine Rolle angebracht ist. Wer den Windschatten und damit den Kontakt zu dieser Rolle verliert, fällt zurück und ist „von der Rolle“.
Auch: Von der Rolle kommen
Themen: AlltagGlück und Pech
Zu Kreuze kriechen
Redew.Klein beigeben, sich demütigen und einen Fehler oder eine Niederlage eingestehen.
Herkunft: Die Wendung geht auf einen mittelalterlichen Bußbrauch zurück: Am Karfreitag rutschten Büßende auf den Knien zum Kreuz, um es zu verehren.
Siehe auch: Klein beigeben
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