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Redewendungen · Redewendungen nach Themen

Redewendungen über Menschen und Verhalten

Die größte Gruppe im Bestand. Hier wird charakterisiert, entlarvt und gespottet, und zwar in Bildern, die von der Falknerei über die Kirche bis zum Fischteich reichen.

160 Einträge mit Bedeutung und Herkunft · alphabetisch sortiert · Seite 1 von 6

Bekannte Redewendungen

  • Alle Brücken hinter sich abbrechen

    Redew.

    Sich jede Rückkehrmöglichkeit nehmen und einen radikalen Neuanfang erzwingen.

    Herkunft: Wer nach dem Übersetzen die Brücke zerstört, kann nicht mehr zurück. Das Bild ist aus der antiken Kriegsführung überliefert und wird unter anderem im Zusammenhang mit Feldherren berichtet, die ihren Truppen den Rückweg nehmen wollten.

    Themen: Alltag

    Siehe auch: Sich ein Herz fassen

  • Alle über einen Kamm scheren

    Redew.

    Sehr unterschiedliche Fälle oder Personen gleich behandeln, ohne zu unterscheiden.

    Herkunft: Das Bild stammt aus dem Handwerk des Baders, der beim Haareschneiden für alle Kunden denselben Kamm benutzte.

    Auch: Alles über einen Kamm scheren

    Themen: Alltag

  • Etwas auf dem Kasten haben

    Redew.

    Fähig und tüchtig sein, etwas wirklich können.

    Herkunft: „Kasten“ steht in der Umgangssprache scherzhaft für den Kopf, ähnlich wie Oberstübchen und Dachstuhl.

    Themen: AlltagArbeit

    Siehe auch: Etwas aus dem Ärmel schütteln Etwas im Griff haben Etwas aus dem Effeff können

  • Jemanden auf den Arm nehmen

    Redew.

    Sich einen Spaß mit jemandem erlauben und ihn nicht ernst nehmen.

    Herkunft: Wer auf den Arm genommen wird, wird behandelt wie ein Kind und damit nicht ernst genommen.

    Themen: KörperSprache und Kommunikation

    Siehe auch: Jemanden durch den Kakao ziehen Das Pulver nicht erfunden haben Einen Vogel haben

  • Jemandem auf den Fersen sein

    Redew.

    Jemanden so dicht verfolgen, dass er kaum noch entkommen kann.

    Herkunft: Aus der Jagd- und Verfolgungssprache: Der Verfolger ist so nah, dass er die Fersen des Fliehenden sieht.

    Themen: Körper

  • Jemandem auf den Zahn fühlen

    Redew.

    Jemanden gezielt ausfragen, um herauszufinden, was wirklich dahintersteckt.

    Herkunft: Aus der Heilkunde: Der Zahn wurde abgetastet, um Schäden zu finden. Wer jemandem auf den Zahn fühlt, sucht ebenso nach der Schwachstelle.

    Themen: KörperSprache und Kommunikation

  • Jemandem auf der Nase herumtanzen

    Redew.

    Jemandes Nachgiebigkeit ausnutzen und sich alles erlauben.

    Herkunft: Das Bild verbindet Respektlosigkeit mit körperlicher Nähe. Die Nase steht dabei, wie in mehreren deutschen Wendungen, für die Person selbst.

    Themen: Körper

  • Sich auf die Hinterbeine stellen

    Redew.

    Sich wehren und nicht länger alles hinnehmen.

    Herkunft: Das Bild stammt vom Pferd, das sich aufbäumt, und vom Bären, der sich zur Wehr setzt.

    Themen: Tiere

  • Jemanden auf die Palme bringen

    Redew.

    Jemanden so reizen, dass er die Beherrschung verliert.

    Herkunft: Eine jüngere Bildung des 20. Jahrhunderts. Das Bild ist das des Affen, der bei Aufregung den Baum hinaufklettert.

    Siehe auch: Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern Rot sehen

  • Aus einer Mücke einen Elefanten machen

    Redew.

    Eine Kleinigkeit maßlos aufbauschen.

    Herkunft: Der Gegensatz von kleinstem und größtem Tier ist ein altes rhetorisches Bild. Im Deutschen ist die Wendung seit dem 16. Jahrhundert belegt, das Motiv selbst geht auf die griechische Antike zurück.

    Themen: Sprache und KommunikationTiere

    Siehe auch: Jemanden in den höchsten Tönen loben Den Mund zu voll nehmen Das Blaue vom Himmel versprechen

Redewendungen mit belegter Herkunft

  • Alles grau in grau sehen

    Redew.

    Die Lage durchweg trübe einschätzen.

    Herkunft: Die Wendung ist eine Malereimetapher: Grau in Grau bezeichnet eine Technik, bei der ein Bild ausschließlich in Grautönen ausgeführt wird. Sie heißt fachsprachlich Grisaille.

    Themen: Farben

    Siehe auch: Schwarzsehen

  • Jemanden an den Pranger stellen

    Redew.

    Jemanden öffentlich bloßstellen.

    Herkunft: Der Pranger war bis ins 19. Jahrhundert ein Ort der öffentlichen Beschämung von Verurteilten.

    Themen: Sprache und Kommunikation

    Siehe auch: Jemandem den Kopf waschen Jemanden in die Pfanne hauen Ein dickes Fell haben

  • Auf dem hohen Ross sitzen

    Redew.

    Überheblich auftreten und auf andere herabsehen.

    Herkunft: Das Bild stammt aus der Zeit, als nur Ritter und Vornehme zu Pferd unterwegs waren und buchstäblich auf die Fußgänger herabsahen.

    Auch: Sich aufs hohe Ross setzen

    Themen: Tiere

    Siehe auch: Die Nase hoch tragen Das Pferd von hinten aufzäumen Auf das falsche Pferd setzen

  • Etwas auf dem Kerbholz haben

    Redew.

    Sich etwas haben zuschulden kommen lassen.

    Herkunft: Auf Kerbhölzern wurden Schulden durch eingeritzte Kerben festgehalten; das Holz wurde geteilt, damit keine Seite nachträglich etwas hinzufügen konnte.

    Themen: Geld

    Siehe auch: Auf Pump leben Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Den Kopf hinhalten müssen

  • Ein Auge auf jemanden werfen

    Redew.

    Interesse an jemandem fassen und ihn als möglichen Partner ins Auge nehmen.

    Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch Daniel im Alten Testament, wo die Ältesten ihre Augen auf Susanna werfen.

    Themen: LiebeKörper

    QuelleAltes Testament

    Siehe auch: Jemandem schöne Augen machen Jemandem den Hof machen

  • Sich aus der Affäre ziehen

    Redew.

    Sich geschickt aus einer heiklen Lage befreien, ohne Schaden zu nehmen.

    Herkunft: „Affäre“ ist aus dem Französischen entlehnt und meinte ursprünglich das Gefecht. Wer sich daraus zieht, entkommt ohne Schaden.

  • Der Hecht im Karpfenteich sein

    Redew.

    Jemand sein, der in eine träge oder eingespielte Gruppe Bewegung, Unruhe und Konkurrenzdruck bringt.

    Herkunft: Das Bild stammt aus der Teichwirtschaft: Ein eingesetzter Raubfisch hält die Karpfen in Bewegung und soll so ihre Kondition verbessern.

    Auch: Ein Hecht im Karpfenteich

    Themen: TiereArbeit

    Siehe auch: Jemandem einen Floh ins Ohr setzen

Kurze Redewendungen

  • Sich eine Abfuhr holen

    Redew.

    Deutlich zurückgewiesen werden.

    Herkunft: „Abfuhr“ stammt aus der studentischen Fechtsprache, wo der Unterlegene vom Platz geführt wurde.

    Themen: Liebe

    Siehe auch: Einen Korb bekommen Jemandem die kalte Schulter zeigen

  • Jemandem etwas abknöpfen

    Redew.

    Jemandem Geld abnehmen, meist durch Überredung.

    Herkunft: Knöpfe waren an alter Kleidung wertvoll und wurden einzeln abgetrennt und weiterverwendet. Wer jemandem etwas abknöpft, nimmt ihm ein Stück seines Besitzes.

    Themen: Geld

  • Auf dem Schlauch stehen

    Redew.

    Eine an sich einfache Sache im Moment nicht begreifen und nicht weiterkommen.

    Herkunft: Das Bild stammt vermutlich aus dem Feuerwehr- oder Gartenbereich: Wer auf dem Schlauch steht, blockiert den Wasserfluss und wundert sich, warum nichts kommt.

    Themen: Alltag

  • Auf großem Fuß leben

    Redew.

    Aufwendig leben und viel Geld ausgeben.

    Herkunft: Für die Wendung kursiert die Erklärung, ein Adliger habe wegen eines missgebildeten Fußes besonders lange Schnabelschuhe tragen lassen, worauf die Mode reagiert habe. Diese Geschichte ist nicht belegt. Näher liegt der schlichte Zusammenhang von Fußbreite und Aufwand, wie ihn auch die Redensart vom breiten Auftreten kennt.

    Themen: GeldKörper

  • Auf Pump leben

    Redew.

    Den eigenen Lebensstil auf Schulden aufbauen.

    Herkunft: „Pumpen“ steht in der Umgangssprache seit dem 18. Jahrhundert für Borgen. Das Bild ist das des Schöpfens aus einem fremden Vorrat.

    Themen: Geld

    Siehe auch: Etwas auf dem Kerbholz haben Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Den Kopf hinhalten müssen

  • Ein Auge zudrücken

    Redew.

    Einen Fehler durchgehen lassen, statt auf der Regel zu bestehen.

    Herkunft: Wer ein Auge schließt, sieht nur die Hälfte. Die Wendung beschreibt die bewusste Nachsicht, nicht das Übersehen aus Unachtsamkeit.

    Themen: ArbeitKörper

  • Aus dem Takt geraten

    Redew.

    Aus dem gewohnten Ablauf gebracht werden.

    Herkunft: Der Takt kommt aus der Musik und bezeichnet das gleichmäßige Zeitmaß. Wer aus dem Takt gerät, verliert den Gleichschritt mit den anderen.

    Themen: Alltag

  • Aus der Haut fahren

    Redew.

    Vor Ärger die Fassung verlieren.

    Herkunft: Das Bild ist das eines Tieres, das sich häutet, hier ins Gewaltsame gewendet: Der Zorn ist so groß, dass er den Körper zu sprengen scheint.

    Themen: Körper

    Siehe auch: Die Faust in der Tasche ballen Sich schwarzärgern Sich grün und blau ärgern

  • Etwas ausbaden müssen

    Redew.

    Für einen Fehler geradestehen, den ein anderer gemacht hat.

    Herkunft: Verweist auf das gemeinschaftliche Badehaus, in dem der Letzte das gebrauchte Wasser ausschütten musste.

    Themen: Arbeit

    Siehe auch: Etwas auslöffeln müssen Die Suppe auslöffeln Den Kopf hinhalten müssen

  • Jemandem einen Bären aufbinden

    Redew.

    Jemandem etwas Erfundenes so erzählen, dass er es glaubt.

    Herkunft: „Bär“ geht hier vermutlich auf ein älteres Wort für Last oder Abgabe zurück, nicht auf das Tier. Wer jemandem einen Bären aufbindet, lädt ihm eine Last auf, die er nicht bemerkt.

    Themen: Sprache und KommunikationTiere

    Siehe auch: Ein Wolf im Schafspelz Das Blaue vom Himmel versprechen

  • Jemandem einen Bärendienst erweisen

    Redew.

    In guter Absicht helfen und damit alles schlimmer machen.

    Jean de La Fontainefranzösischer Fabeldichter, 1621 bis 1695

    Herkunft: Geht auf eine Fabel von La Fontaine zurück, in der ein Bär seinem schlafenden Herrn eine Fliege mit einem Stein von der Stirn schlägt.

    Themen: Tiere

    QuelleLa Fontaine

    Siehe auch: Jemandem unter die Arme greifen

  • Von der Rolle sein

    Redew.

    Nicht mehr leistungsfähig oder konzentriert sein, den Anschluss verloren haben, aus dem Tritt geraten sein.

    Herkunft: Die Wendung wird auf das Steherrennen im Bahnradsport zurückgeführt. Der Radfahrer folgt dort dicht hinter einer Schrittmachermaschine, an deren Heck eine Rolle angebracht ist. Wer den Windschatten und damit den Kontakt zu dieser Rolle verliert, fällt zurück und ist „von der Rolle“.

    Auch: Von der Rolle kommen

    Themen: AlltagGlück und Pech

  • Zu Kreuze kriechen

    Redew.

    Klein beigeben, sich demütigen und einen Fehler oder eine Niederlage eingestehen.

    Herkunft: Die Wendung geht auf einen mittelalterlichen Bußbrauch zurück: Am Karfreitag rutschten Büßende auf den Knien zum Kreuz, um es zu verehren.

    Siehe auch: Klein beigeben

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