Auswahl
Sprichwörter mit Bedeutung erklärt
Jeder Eintrag in diesem Nachschlagewerk hat eine Bedeutungserklärung, die eigenständig formuliert und nicht von anderen Seiten übernommen ist. Diese Seite sammelt Sprichwörter, deren Bedeutung sich nicht schon aus dem Wortlaut ergibt und bei denen die Erklärung tatsächlich etwas hinzufügt.
37 Einträge mit Bedeutung · Seite 1 von 2
Aller guten Dinge sind drei.
Sprichw.Wird meist scherzhaft gesagt, um einen dritten Versuch oder eine dritte Wiederholung zu rechtfertigen.
Herkunft: Die Wendung wird auf mittelalterliche Rechtsbräuche zurückgeführt, bei denen Gerichtsverhandlungen dreimal angesetzt wurden.
Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf.
Sprichw.Ein spöttischer Spruch, mit dem jemand angestrengtes Nachdenken abtut, meist scherzhaft als Aufforderung, sich nicht den Kopf zu zerbrechen.
Herkunft: Die genaue Herkunft ist nicht eindeutig belegt. Der Spruch gehört zu den scherzhaften Spott- und Trotzsprüchen, die im deutschsprachigen Raum mündlich überliefert wurden.
Auch: Das Denken überlässt man den Pferden, die haben den größeren Kopf. · Denken soll man den Pferden überlassen, die haben größere Köpfe.
Themen: Klugheit und DummheitTiereFaulheit
Siehe auch: Wer schläft, sündigt nicht. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.
Eine Ehe ist ein langes Gespräch.
Sprichw.Was eine lange Beziehung trägt, ist weniger die Leidenschaft als die Fähigkeit, miteinander zu reden.
Friedrich NietzschePhilosoph, 1844 bis 1900
Herkunft: Der Gedanke stammt aus Friedrich Nietzsches „Menschliches, Allzumenschliches“ (1878).
Themen: EhePartnerschaftLiebe
QuelleNietzsche
Ehrlich währt am längsten.
Sprichw.Wer aufrichtig handelt, fährt auf lange Sicht besser als jemand, der sich Vorteile erschwindelt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. „Währen“ steht hier im Sinne von dauern, nicht von sich bewähren.
Themen: EhrlichkeitWahrheitVertrauen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Ein alter Freund ist besser als zwei neue.
Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind.
Sprichw.Am Gelingen wollen viele beteiligt gewesen sein, für das Scheitern fühlt sich niemand zuständig.
Herkunft: Der Ausspruch wird John F. Kennedy zugeschrieben, der ihn 1961 verwendete; er ist als italienisches Sprichwort älter.
Themen: ErfolgMisserfolgHochmut
QuelleJohn F. Kennedy
Furcht ist der Anfang der Weisheit.
Sprichw.Wer die Grenzen des eigenen Vermögens ernst nimmt, urteilt vorsichtiger. Ursprünglich religiös als Ehrfurcht gemeint.
Herkunft: Der Satz stammt aus Psalm 111 im Alten Testament, wo von der Furcht des Herrn die Rede ist.
Themen: AngstKlugheit und DummheitWissen
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Demut ist der Anfang aller Weisheit.
Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Sprichw.Wer über seinen Kummer spricht, empfindet ihn weniger schwer. Meist gepaart mit dem Gegenstück über die geteilte Freude.
Herkunft: Das Gegenstück zur geteilten Freude, beide Hälften werden meist zusammen zitiert. Der Gedanke ist wesentlich älter und findet sich bereits bei Cicero.
Auch: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.
Themen: PartnerschaftFreundschaftZusammenhaltUnglück
QuelleCicero
Siehe auch: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Ohne Regen kein Regenbogen.
Glück und Glas, wie leicht bricht das.
Sprichw.Eine Warnung davor, sich auf eine gute Lage zu verlassen: Günstige Umstände können ebenso plötzlich enden wie Glas zerbricht.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Glas war damals kostbar und zerbrechlich zugleich, was den Vergleich besonders einleuchtend machte.
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Übermut tut selten gut. Wasser hat keine Balken.
Gut Ding will Weile haben.
Sprichw.Sorgfältige Arbeit braucht Zeit und lässt sich nicht beschleunigen, ohne dass die Qualität leidet.
Herkunft: Die artikellose Fügung „gut Ding“ bewahrt eine ältere Sprachstufe, in der das Adjektiv vor dem Substantiv unflektiert bleiben konnte. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 15. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Was lange währt, wird endlich gut. Wie der Meister, so das Werk. Was man selbst tut, ist gut getan.
Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.
Sprichw.Bauernregel zum 11. November: Frost oder Raureif am Martinstag gilt als Vorbote eines strengen Winters.
Herkunft: Eine Lostagsregel, in deutschen Sammlungen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Ein statistischer Zusammenhang lässt sich nicht nachweisen.
Themen: WetterJahreszeitenLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Heirate über den Mist, dann weißt du, wer sie ist.
Sprichw.Rat, jemanden aus der eigenen Nachbarschaft zu heiraten, weil man dort die Verhältnisse kennt. Der Mist meint den Misthaufen des Nachbarhofs.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts belegt, entstanden im bäuerlichen Umfeld.
Themen: EhePartnerschaftNachbarn
Heute mir, morgen dir.
Sprichw.Was heute den einen trifft, trifft morgen den anderen. Verbreitete Inschrift auf Friedhöfen und Beinhäusern.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „hodie mihi, cras tibi“, das sich im Buch Jesus Sirach findet und seit dem Mittelalter als Grabinschrift verwendet wird.
Auch: Hodie mihi, cras tibi.
QuelleAltes Testament
Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder hat einen Hammer.
Sprichw.Spöttische Gegenrede zu dem Sprichwort vom eigenen Glück: Nicht alle starten mit denselben Möglichkeiten.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, gebildet als Widerspruch zum älteren Sprichwort.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Sprichw.Der Satz schreibt jedem Menschen zu, sein Leben durch eigenes Handeln zu gestalten, statt auf günstige Umstände zu warten.
Herkunft: Geht auf die lateinische Formel „faber est suae quisque fortunae“ zurück, die dem römischen Politiker Appius Claudius Caecus zugeschrieben wird.
Ein jeder tue, was seines Amtes ist.
Sprichw.Jeder sollte die Aufgabe erledigen, für die er zuständig ist, und sich nicht in fremde einmischen.
Herkunft: Die Formel stammt aus der Ständelehre der frühen Neuzeit, nach der jedem sein Wirkungskreis zugewiesen war. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wo viele Hirten sind, wird übel gehütet.
Die Jugend ist trunken ohne Wein.
Sprichw.Junge Menschen sind schon von sich aus überschwänglich, ohne dass es dazu eines Rausches bedürfte.
Herkunft: Der Ausspruch stammt aus Goethes „West-östlichem Divan“.
Themen: JugendTrinkenLeichtsinn
QuelleGoethe
Siehe auch: Jugend hat keine Tugend.
Kommt der Wind von Ost, gibt es keinen Trost.
Sprichw.Bauernregel über den Ostwind, der in Mitteleuropa im Winter Kälte und im Sommer Trockenheit bringt.
Herkunft: Die Regel bildet die tatsächliche Windverteilung ab: Ostwind führt kontinentale Luft heran, also im Winter kalte und im Sommer trockene.
Themen: WetterLandwirtschaftJahreszeiten
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Der Letzte macht das Licht aus.
Sprichw.Scherzhafte Aufforderung an denjenigen, der als Letzter geht; auch als Kommentar zu einem Niedergang gebraucht.
Herkunft: Eine umgangssprachliche Formel des 20. Jahrhunderts, im politischen Sprachgebrauch der 1980er Jahre verbreitet.
Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Sprichw.Jeder darf selbst entscheiden, was ihn glücklich macht; oft resigniert gesagt, wenn jemand auf einem Irrtum beharrt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Ursprünglich als Zugeständnis an die Entscheidungsfreiheit gemeint, heute meist resigniert gebraucht.
Themen: LebenVeränderungMut
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer Neues wagt, muss Altes lassen. Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts. Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Mitgefangen, mitgehangen.
Sprichw.Wer bei einer Sache mitgemacht hat, trägt die Folgen mit, auch wenn er nur am Rand beteiligt war.
Herkunft: Der Reimspruch stammt aus der Rechtssprache und meinte ursprünglich die Mithaftung von Beteiligten. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitFreundschaftStreit
Siehe auch: Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Neue Besen kehren gut.
Sprichw.Wer neu in einer Aufgabe ist, gibt sich besonders viel Mühe; oft mit dem Unterton, dass der Eifer nachlässt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Zusatz, der alte kenne dafür die Ecken, ist ebenso alt und gehört eigentlich dazu.
Papier ist geduldig.
Sprichw.Aufschreiben lässt sich alles; ob es auch zutrifft oder eingehalten wird, steht auf einem anderen Blatt.
Cicerorömischer Redner und Staatsmann, 106 bis 43 v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in einem Brief Ciceros.
QuelleCicero
Siehe auch: Worte sind Wind. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. Ein Schelm gibt mehr, als er hat.
Ein Schelm gibt mehr, als er hat.
Sprichw.Wer über seine Verhältnisse verspricht, kann nicht liefern; scherzhaft auch als Entschuldigung gebraucht.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. „Schelm“ meinte damals den Betrüger, nicht den harmlosen Spaßvogel.
Themen: LügenGroßzügigkeitEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Worte sind Wind. Papier ist geduldig.
Die Seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Sprichw.Manchen fällt ohne jede Anstrengung zu, wofür andere hart arbeiten. Meist mit einem Unterton von Neid gesagt.
Herkunft: Der Satz geht auf Psalm 127 im Alten Testament zurück.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer das Glück sucht, findet es selten. Wer das Glück hat, führt die Braut heim. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.
Sparsamkeit erhält das Haus.
Sprichw.Ein Haushalt hält sich nicht durch das, was hereinkommt, sondern durch das, was nicht ausgegeben wird.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt und Teil der Hausväterliteratur, die den Haushalt als Wirtschaftseinheit beschrieb.
Themen: SparenGeizHaus und Heimat
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Geizige und der Verschwender kommen beide zu kurz. Wer nichts hat, kann nichts sparen. Sparen ist verdienen.
Stille Wasser sind tief.
Sprichw.Zurückhaltende Menschen haben oft mehr Tiefe oder auch mehr Hintergedanken, als man ihnen zutraut.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem in einer lateinischen Fassung bei Quintus Curtius Rufus über ruhig fließende, aber tiefe Gewässer. Im Deutschen ist er seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ErfahrungKlugheit und DummheitVorsicht
QuelleCurtius Rufus
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wer viel weiß, redet wenig.
Ein Vater ernährt eher zehn Kinder, als zehn Kinder einen Vater.
Sprichw.Eltern sorgen selbstverständlich für ihre Kinder, umgekehrt ist der Rückhalt im Alter oft geringer.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt, meist im Zusammenhang mit der Altersversorgung, für die es keine staatliche Regelung gab.
Themen: ElternKinderFamilieAlter
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Die Liebe geht abwärts.
Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Sprichw.Bauernregel zu den Eisheiligen Mitte Mai, nach denen erst danach frostfrei gepflanzt werden soll.
Herkunft: Bezieht sich auf die Namenstage der Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai, an denen in Mitteleuropa häufig ein letzter Kaltlufteinbruch auftritt.
Themen: WetterJahreszeitenLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Märzenstaub und Märzenwind bringen Regen, der geschwind.
Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Sprichw.Ein einmal geschlossener Bund soll nicht wieder aufgelöst werden; klassische Formel bei kirchlichen Trauungen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Matthäus 19,6).
Themen: EhePartnerschaftFamilie
QuelleNeues Testament
Wer A sagt, muss auch B sagen.
Sprichw.Wer etwas begonnen hat, muss auch die weiteren Schritte gehen und kann nicht auf halbem Weg aussteigen.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem Anfangsunterricht im Lesen und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Auf dieser Seite stehen sprichwörter mit Bedeutung erklärt, jeweils mit Bedeutung. Alle weiteren Themen finden Sie im Themenregister, den gesamten Bestand im alphabetischen Verzeichnis.
Weiter im Nachschlagewerk