Sprichwörter · Leben
Sprichwörter über die Zeit
Zeit ist in Sprichwörtern immer knapp, immer wirksam und selten auf unserer Seite. Sie heilt, sie drängt, sie verrät und sie läuft davon.
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Bekannte Sprichwörter
Die Arbeit läuft nicht davon.
Sprichw.Scherzhafte Rechtfertigung für eine Pause; im vollständigen Vers folgt der Rat, sie ruhig liegen zu lassen.
Herkunft: Ein Spottvers aus der Umgangssprache des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer heute nichts tut, hat morgen doppelt zu tun. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Morgen, morgen, nur nicht heute.
Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Sprichw.Ein schmerzhafter Schlussstrich ist erträglicher als ein Zustand, der sich endlos hinzieht.
Herkunft: Der Ausspruch wird dem preußischen Offizier Ferdinand von Schill zugeschrieben (1809).
Themen: MisserfolgMut
QuelleFerdinand von Schill
Siehe auch: Veränderung beginnt im Kopf.
Es ist nicht alle Tage Sonntag.
Sprichw.Gute Tage sind die Ausnahme, nicht die Regel.
Herkunft: Der Sonntag war der einzige verlässlich arbeitsfreie Tag. Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Kein Tag gleicht dem anderen. Nicht die Feste zeigen ein Paar, sondern die Dienstage. In der Ehe entscheiden die kleinen Dinge.
Der Heimweg ist immer kürzer.
Sprichw.Die Rückfahrt kommt einem regelmäßig kürzer vor als die Hinfahrt.
Herkunft: Die Beobachtung ist psychologisch beschrieben: Ein bekannter Weg wird als kürzer empfunden, weil er weniger Aufmerksamkeit bindet. Als Redensart erst im 20. Jahrhundert verbreitet.
Themen: ReisenHaus und Heimat
Siehe auch: Wer gern reist, hat auch gern ein Zuhause. Ost, West, zu Hause best. Kein Weg ist zu lang für den, der heimkehrt.
Die Jugend ist kurz, das Alter lang.
Sprichw.Der Abschnitt, um den sich alles dreht, ist der kürzeste.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 18. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Alt werden will jeder, alt sein niemand. Das Alter ist eine Insel, die alle erreichen wollen und niemand betreten will. Alt werden ist ein Vorrecht, nicht jeder erhält es.
Die Jugend meint, sie habe Zeit.
Sprichw.Erst mit dem Alter wird spürbar, wie begrenzt die Lebenszeit ist.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden.
Man kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen.
Sprichw.Eine einmal eingetretene Entwicklung lässt sich nicht rückgängig machen.
Herkunft: Das Bild vom Rad der Zeit geht auf das antike Motiv des Schicksalsrads zurück, das im Mittelalter als Glücksrad weit verbreitet war.
Themen: VergangenheitVeränderung
Siehe auch: Wer nicht vorwärtsgeht, der kommt zurücke. Wer immer zurückschaut, stolpert nach vorn. Stillstand ist Rückschritt.
Eine kleine Hilfe zur rechten Zeit ist mehr als eine große zu spät.
Sprichw.Der Zeitpunkt entscheidet über den Wert der Unterstützung.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit dem Satz, doppelt gebe, wer schnell gebe.
Themen: GroßzügigkeitFreundschaft
Siehe auch: Doppelt gibt, wer schnell gibt. Die kleinste Gabe zur rechten Zeit ist die größte. Wer hilft, ohne zu fragen, hilft am meisten.
Die kleinste Gabe zur rechten Zeit ist die größte.
Sprichw.Der Wert einer Hilfe hängt weniger vom Umfang ab als vom Zeitpunkt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Publilius Syrus, verwandt mit der Formel vom doppelten Geben des schnell Gebenden.
Themen: GroßzügigkeitFreundschaft
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Eine kleine Hilfe zur rechten Zeit ist mehr als eine große zu spät. Doppelt gibt, wer schnell gibt. Wer hilft, ohne zu fragen, hilft am meisten.
Eine Lüge ist schnell gesagt und lange nicht vergessen.
Sprichw.Der Aufwand für die Unwahrheit ist gering, ihre Wirkung dauerhaft.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Wer einmal betrogen wurde, misstraut auch dem Ehrlichen. Leicht versprochen, schwer gehalten.
Mit Geduld und Zeit kommt man weit.
Sprichw.Beharrlichkeit erreicht mehr als Eile.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Wer warten kann, siegt am Ende. Die Zeit arbeitet für den, der warten kann. Steter Tropfen höhlt den Stein.
Morgen ist auch noch ein Tag.
Sprichw.Nicht alles muss heute erledigt sein; auch als Trost nach einem misslungenen Tag.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert geläufig und wurde im 20. Jahrhundert durch die Schlusszeile des Films „Vom Winde verweht“ zusätzlich verbreitet.
Auch: Morgen ist ein anderer Tag.
Themen: HoffnungGeduldZukunftNeuanfang
Siehe auch: Kein Unglück dauert ewig. Jedem Abschied wohnt ein Anfang inne. Ohne Regen kein Regenbogen.
Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.
Sprichw.Spottvers über Menschen, die Aufgaben immer wieder vertagen.
Christian Felix WeißeSchriftsteller und Kinderbuchautor, 1726 bis 1804
Herkunft: Geht auf ein Gedicht von Christian Felix Weiße aus dem 18. Jahrhundert zurück.
QuelleChristian Felix Weiße
Siehe auch: Morgen, morgen, nur nicht heute. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Wer heute nichts tut, hat morgen doppelt zu tun.
Morgenstund hat Gold im Mund.
Sprichw.Wer früh am Tag beginnt, schafft mehr und nutzt die Zeit besser.
Herkunft: Gilt als Übersetzung der lateinischen Formel „aurora habet aurum in ore“.
Siehe auch: Wer lange schläft, den Tag verschläft. Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Doppelt gibt, wer schnell gibt.
Sprichw.Hilfe zur rechten Zeit ist doppelt so viel wert wie Hilfe, die auf sich warten lässt.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „bis dat qui cito dat“, die auf den römischen Autor Publilius Syrus zurückgeführt wird.
Auch: Wer schnell gibt, gibt doppelt.
Themen: GroßzügigkeitZusammenhaltDankbarkeitFreundschaft
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Eine kleine Hilfe zur rechten Zeit ist mehr als eine große zu spät. Die kleinste Gabe zur rechten Zeit ist die größte. Wohltun trägt Zinsen.
Dem Eilenden wird der Weg lang.
Sprichw.Wer es eilig hat, empfindet jede Strecke als zu lang.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Heimweg ist immer kürzer.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen.
Sprichw.Auch sorgfältig verborgene Dinge kommen irgendwann heraus.
Herkunft: Das Bild stammt vom Spinnen: Auch der feinste Faden wird sichtbar, wenn Licht darauf fällt. Der Reimspruch ist in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Lügen haben kurze Beine. Die Wahrheit kommt ans Licht. Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.
Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Sprichw.Wer als Erster handelt, sichert sich den Vorteil.
Herkunft: Lehnübersetzung des englischen Sprichworts „the early bird catches the worm“.
Siehe auch: Wer früh anfängt, muss nicht schnell arbeiten. Morgenstund hat Gold im Mund. Wer lange schläft, den Tag verschläft.
Gut Ding will Weile haben.
Sprichw.Sorgfältige Arbeit braucht Zeit und lässt sich nicht beschleunigen, ohne dass die Qualität leidet.
Herkunft: Die artikellose Fügung „gut Ding“ bewahrt eine ältere Sprachstufe, in der das Adjektiv vor dem Substantiv unflektiert bleiben konnte. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 15. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Was lange währt, wird endlich gut. Zweimal messen, einmal schneiden. Wie der Meister, so das Werk.
Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.
Sprichw.Ein Leben reicht nicht aus, um ein Fach ganz zu beherrschen.
Herkunft: Der erste Aphorismus des Hippokrates, lateinisch als „ars longa, vita brevis“ überliefert.
QuelleHippokrates
Siehe auch: Der Tod ist die Grenze, das Leben das Maß. Übung macht den Meister. Wer vom Tod spricht, meint das Leben.
Den Letzten beißen die Hunde.
Sprichw.Wer zu spät kommt oder als Letzter übrig bleibt, trägt den Schaden.
Herkunft: Das Bild stammt von der Hetzjagd: Die Hunde greifen das Tier an, das zurückbleibt. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TiereMisserfolg
Die Lüge fliegt schnell, die Wahrheit geht zu Fuß.
Sprichw.Eine Unwahrheit verbreitet sich schneller, als die Richtigstellung folgen kann.
Herkunft: Der Gedanke ist im Englischen seit dem 18. Jahrhundert belegt und im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert verbreitet.
Morgen, morgen, nur nicht heute.
Sprichw.Spott über das ewige Vertagen. Der vollständige Vers nennt die faulen Leute als Urheber.
Herkunft: Aus einem Kinderlied von Christian Felix Weiße aus dem 18. Jahrhundert.
QuelleChristian Felix Weiße
Siehe auch: Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Wer heute nichts tut, hat morgen doppelt zu tun.
Kurze Sprichwörter
Alles zu seiner Zeit.
Sprichw.Jede Sache hat ihren richtigen Zeitpunkt und sollte nicht erzwungen werden.
Herkunft: Der Gedanke geht auf das Buch Prediger im Alten Testament zurück, wo jedes Ding seine Zeit hat. Als knappe Redensart ist er im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer früh anfängt, muss nicht schnell arbeiten. Die Natur eilt nicht und doch wird alles fertig. Wo Ordnung herrscht, kommt Ruhe ein.
Das Alter kommt ungeladen.
Sprichw.Niemand bittet darum, und doch stellt es sich bei jedem ein.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Sprichw.Was verschoben wurde, ist damit noch lange nicht erledigt.
Herkunft: Der Satz stammt aus der Rechtssprache: Ein vertagtes Verfahren ist nicht eingestellt. Das Wortspiel mit den beiden ähnlichen Verben hat ihn in die Alltagssprache gebracht.
Themen: MisserfolgZukunft
Siehe auch: Wer nur zurückblickt, sieht nicht, wohin er tritt.
Besser spät als nie.
Sprichw.Etwas verspätet zu tun ist immer noch besser, als es zu unterlassen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „potius sero quam numquam“, das bei Livius belegt ist.
QuelleLivius
Eile mit Weile.
Sprichw.Zügig arbeiten, aber ohne Hast: Wer überstürzt handelt, macht Fehler und verliert am Ende Zeit.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Devise „festina lente“, die dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben wird.
QuelleAugustus
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Gesagt, getan. Erst denken, dann reden.
Gesagt, getan.
Sprichw.Wird gesagt, wenn ein Vorhaben ohne jede Verzögerung umgesetzt wird.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „dictum factum“, das bei Terenz belegt ist.
QuelleTerenz
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Viele Hände, schnelles Ende.
Kommt Zeit, kommt Rat.
Sprichw.Manche Probleme lösen sich, wenn man ihnen Zeit lässt, statt sofort zu handeln.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei den griechischen Tragikern. Im Deutschen ist der Reimspruch seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Die Zeit arbeitet für den, der warten kann. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Es ist noch nicht aller Tage Abend.
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