Auswahl
Lustige Sprichwörter und Spottverse mit Bedeutung
Ein großer Teil der Sprichworttradition ist gar nicht belehrend, sondern spöttisch. Diese Auswahl versammelt Spottverse, ironische Umkehrungen und scherzhafte Bauernregeln. Erfundene Kalendersprüche stehen hier nicht, sondern nur überlieferte Formulierungen.
14 Einträge mit Bedeutung
Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf.
Sprichw.Ein spöttischer Spruch, mit dem jemand angestrengtes Nachdenken abtut, meist scherzhaft als Aufforderung, sich nicht den Kopf zu zerbrechen.
Herkunft: Die genaue Herkunft ist nicht eindeutig belegt. Der Spruch gehört zu den scherzhaften Spott- und Trotzsprüchen, die im deutschsprachigen Raum mündlich überliefert wurden.
Auch: Das Denken überlässt man den Pferden, die haben den größeren Kopf. · Denken soll man den Pferden überlassen, die haben größere Köpfe.
Themen: Klugheit und DummheitTiereFaulheit
Siehe auch: Wer schläft, sündigt nicht. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Wer hoch zu Ross sitzt, fällt tief.
Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.
Sprichw.Wird geäußert, wenn jemand ohne erkennbares Zutun besonders viel Erfolg hat.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt, also erst nach der Verbreitung der Kartoffel als Hauptnahrungsmittel. Sie gehört zu den neidvollen Sprichwörtern über unverdienten Erfolg.
Auch: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.
Themen: GlückKlugheit und DummheitLandwirtschaft
Siehe auch: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Wer das Glück sucht, findet es selten. Wer das Glück hat, führt die Braut heim.
Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.
Sprichw.Scherzhafte Bauernregel, die sich über die Beliebigkeit mancher Wetterprognosen lustig macht.
Herkunft: Ein Spottvers auf die Beliebigkeit mancher Bauernregel. Er ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt und zeigt, dass die Skepsis gegenüber Wetterregeln nicht erst mit dem Wetterbericht aufkam.
Themen: WetterTiereJahreszeiten
Siehe auch: Fliegen die Schwalben niedrig, kommt Regen. Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt.
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.
Sprichw.Ironischer Spruch: Zurückhaltung wird gelobt, hilft aber beim Vorankommen wenig.
Herkunft: Der Spruch parodiert die ältere Lehrformel von der Bescheidenheit als Zierde. Der grammatisch falsche Dativ am Ende ist Teil des Scherzes und kein Versehen.
Themen: BescheidenheitHochmutErfolg
Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.
Sprichw.Spottvers über Menschen, die Aufgaben immer wieder vertagen.
Christian Felix WeißeSchriftsteller und Kinderbuchautor, 1726 bis 1804
Herkunft: Geht auf ein Gedicht von Christian Felix Weiße aus dem 18. Jahrhundert zurück.
QuelleChristian Felix Weiße
Siehe auch: Morgen, morgen, nur nicht heute. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Wer heute nichts tut, hat morgen doppelt zu tun.
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
Sprichw.Scherzhafte Mahnung zur Umsicht; die Porzellankiste steht für alles, was leicht zerbricht.
Herkunft: Eine scherzhafte Erweiterung des älteren Satzes, Vorsicht sei die Mutter der Weisheit. Die Porzellankiste ist eine Zutat des 20. Jahrhunderts.
Auch: Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Themen: VorsichtKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Vorsicht ist keine Feigheit. Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen. Armut macht vorsichtig.
Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
Sprichw.Trostformel nach einer Zurückweisung oder Trennung: Es gibt noch andere Möglichkeiten.
Herkunft: Eine Trostformel nach einer abgewiesenen Werbung, in deutschen Sammlungen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Abschiednehmen und Wiedersehen sind Geschwister. Scheiden tut weh. Kein Abschied ist für immer.
Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.
Sprichw.Berufliches und Privates sind auseinanderzuhalten.
Herkunft: Die Formel stammt aus der preußischen Militär- und Beamtensprache des 19. Jahrhunderts.
Themen: BerufArbeitTrinkenOrdnung
Siehe auch: Ein jeder tue, was seines Amtes ist. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
Sprichw.Auch wer sonst wenig zustande bringt, hat gelegentlich zufällig Erfolg.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz wird meist herablassend gebraucht und schreibt den Erfolg allein dem Zufall zu.
Auch: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
Themen: GlückTiereKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. Wer das Glück sucht, findet es selten.
Jugend hat keine Tugend.
Sprichw.Nachsichtige Feststellung darüber, dass junge Menschen unbedacht handeln.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts. „Tugend“ meint hier nicht Sittlichkeit, sondern Besonnenheit.
Themen: JugendLeichtsinnErfahrung
Siehe auch: Die Jugend ist trunken ohne Wein. Jugend ist keine Lebenszeit, sondern ein Zustand des Gemüts.
Alter schützt vor Torheit nicht.
Sprichw.Auch ältere Menschen machen Dummheiten; Lebensjahre allein bringen keine Vernunft.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Satz ist die Gegenrede zu der Erwartung, mit den Jahren komme von selbst die Vernunft.
Themen: AlterKlugheit und Dummheit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger. Graue Haare machen noch keinen Weisen. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Sprichw.Wer wenig weiß, hält oft besonders viel von sich.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts. Das gemeinsame Holz meint denselben Wuchsgrund, also dieselbe Ursache.
Themen: Klugheit und DummheitHochmut
Siehe auch: Wer über andere hinwegsieht, sieht auch nicht, wer ihm hilft. Graue Haare machen noch keinen Weisen. Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können.
Ein voller Bauch studiert nicht gern.
Sprichw.Nach einer reichlichen Mahlzeit fällt geistige Arbeit schwer.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Studentensprache, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: EssenLernenFaulheitSchule
Siehe auch: Wer nichts tut, hat nie Zeit. Faulheit und Armut sind Nachbarn. Faulheit ist die Mutter aller Ausreden.
Das geht auf keine Kuhhaut
Redew.Das übersteigt jedes Maß, das lässt sich gar nicht mehr aufzählen.
Herkunft: Verwiesen wird auf Pergament aus Tierhaut als Beschreibstoff: Selbst eine ganze Kuhhaut würde für die Aufzählung nicht reichen.
Siehe auch: Das schlägt dem Fass den Boden aus
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