Sprichwörter · Leben
Sprichwörter über Erfahrung
Erfahrung gilt in Sprichwörtern als teuer erkaufte, aber verlässliche Lehrmeisterin. Wer sie hat, braucht keinen Rat mehr, und wer sie nicht hat, hört ihn ohnehin nicht.
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Bekannte Sprichwörter
Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat ich dir.
Sprichw.Alte Merkregel zur Reihenfolge beim Trinken. Ein sachlicher Grund dafür ist nicht belegt.
Herkunft: Die Merkregel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt. Ein sachlicher Grund für die Reihenfolge ist nicht nachgewiesen; entscheidend ist die Gesamtmenge.
Auch: Wein auf Bier, das rat ich dir; Bier auf Wein, das lass sein.
Themen: TrinkenGesundheit
Siehe auch: Wo der Wein eingeht, geht der Verstand aus. Wein macht kühne Leute. Trunkener Mund tut Wahrheit kund.
Die gute alte Zeit war auch nicht besser.
Sprichw.Die Erinnerung schönt, was tatsächlich ebenso mühsam war wie die Gegenwart.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, die sich gegen die im 19. Jahrhundert entstandene Verklärung der Vergangenheit richtet.
Themen: VergangenheitAlter
Siehe auch: Alte Wunden soll man nicht aufreißen.
Im Unglück zeigt sich der Charakter.
Sprichw.Erst unter Druck wird sichtbar, wie jemand wirklich ist.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei den antiken Moralisten, unter anderem bei Seneca.
QuelleSeneca
Siehe auch: In der Not erkennt man seine Freunde. Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot.
Jedes Ding hat zwei Seiten.
Sprichw.Bevor man urteilt, sollte man beide Sichtweisen kennen.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die antike Rhetorik zurück, in der zu jeder Sache beide Seiten vorzutragen waren. Im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Siehe auch: Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Die Jugend meint, sie habe Zeit.
Sprichw.Erst mit dem Alter wird spürbar, wie begrenzt die Lebenszeit ist.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
An den Früchten erkennt man den Baum.
Sprichw.Was jemand taugt, zeigt sich an dem, was er hervorbringt, nicht an dem, was er sagt.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus der Bergpredigt (Matthäus 7,16).
Themen: NaturLandwirtschaft
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie die Saat, so die Ernte.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Sprichw.Kinder ähneln ihren Eltern in Verhalten und Eigenschaften.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Bild ist buchstäblich gemeint: Fallobst bleibt in der Nähe des Baumes liegen.
Siehe auch: Wie der Vater, so der Sohn. Art lässt nicht von Art. Gleich und gleich gesellt sich gern.
Der Appetit kommt beim Essen.
Sprichw.Oft stellt sich die Lust an einer Sache erst ein, wenn man damit begonnen hat.
Herkunft: Die Wendung ist als französisches Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde durch François Rabelais bekannt.
QuelleRabelais
Siehe auch: Frisch gewagt ist halb gewonnen.
Art lässt nicht von Art.
Sprichw.Die angeborene Wesensart bricht früher oder später durch.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Stille Wasser sind tief. Die Katze lässt das Mausen nicht.
Durch Schaden wird man klug.
Sprichw.Aus eigenen Fehlern lernt man nachhaltiger als aus guten Ratschlägen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „quae nocent, docent“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Aus Schaden wird man klug.
Themen: Klugheit und DummheitMisserfolg
Siehe auch: Irren ist menschlich. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin.
Sprichw.Was man selbst erlebt hat, prägt sich stärker ein als jeder Unterricht.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „experientia docet“.
Siehe auch: Probieren geht über Studieren. Das Leben ist die beste Schule. Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Es wächst kein Baum in den Himmel.
Sprichw.Jedes Wachstum stößt irgendwann an eine Grenze.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz wird heute vor allem in der Wirtschaftssprache als Warnung vor unbegrenztem Wachstum gebraucht.
Auch: Bäume wachsen nicht in den Himmel.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Gegen die Natur kämpft man vergebens. Die Natur lässt sich nicht betrügen.
Der Frosch im Brunnen kennt das Meer nicht.
Sprichw.Wer nur seinen eigenen Bereich kennt, hält ihn für die ganze Welt.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem chinesischen Schrifttum und ist über Übersetzungen des 19. Jahrhunderts ins Deutsche gelangt.
Siehe auch: Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. Reisen bildet.
Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Sprichw.Die Erwartung des Schlimmen quält oft mehr als das Ereignis.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei antiken Autoren, unter anderem bei Publilius Syrus.
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Die Nacht ist keines Menschen Freund. Wer nachts nicht schlafen kann, dem fehlt am Tag der Mut.
Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Sprichw.Wer einmal Schaden genommen hat, geht dieser Gefahr künftig aus dem Weg.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 13. Jahrhundert belegt und damit eines der ältesten schriftlich bezeugten deutschen Sprichwörter.
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Durch Schaden wird man klug.
Gegen die Natur kämpft man vergebens.
Sprichw.Was in der Natur der Sache liegt, lässt sich nicht abstellen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Horaz, der schreibt, man könne die Natur mit der Mistgabel austreiben, sie kehre dennoch zurück.
QuelleHoraz
Siehe auch: Die Natur lässt sich nicht betrügen. Es wächst kein Baum in den Himmel.
Gleich und gleich gesellt sich gern.
Sprichw.Menschen suchen die Nähe derer, die ihnen ähnlich sind.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Homer und wird von Platon aufgegriffen. Im Deutschen ist die Reimfassung seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: FreundschaftPartnerschaft
Siehe auch: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Die größte Angst ist die vor der Angst.
Sprichw.Nicht die Gefahr lähmt, sondern die Vorstellung von ihr.
Herkunft: Der Gedanke stammt von Michel de Montaigne aus seinen „Essais“ (1580).
QuelleMontaigne
Siehe auch: Wer im Dunkeln pfeift, hat Angst. Wer die Gefahr kennt, fürchtet sie weniger. Wer den Tod fürchtet, hat das Leben schon verloren.
Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendessen.
Sprichw.Zuversicht hilft beim Anfangen, ersetzt aber kein Ergebnis.
Herkunft: Der Ausspruch stammt von Francis Bacon.
Themen: HoffnungMisserfolg
QuelleFrancis Bacon
Siehe auch: Wer den Mut verliert, hat alles verloren. Undank ist der Welt Lohn. Neuer Tag, neues Glück.
Hunger ist der beste Koch.
Sprichw.Wer richtig hungrig ist, dem schmeckt auch einfaches Essen ausgezeichnet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Cicero, der schreibt, der Hunger sei die Würze der Speise. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleCicero
Siehe auch: Salz und Brot macht Wangen rot.
In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Sprichw.Wer keine Wahl hat, nimmt auch das, was er sonst verschmähen würde.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Die Fliege galt als das geringste denkbare Tier, das selbst der Teufel verschmähen würde.
Siehe auch: Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Die Katze lässt das Mausen nicht.
Sprichw.Alte Gewohnheiten legt niemand ab, auch wenn er es beteuert.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Gedanke findet sich bereits in einer Fabel Äsops von der in eine Frau verwandelten Katze, die beim Anblick einer Maus zurückfällt.
Themen: Tiere
QuelleÄsop, Sprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Wolf verliert wohl die Haare, aber nicht die Tücke. Stille Wasser sind tief. Art lässt nicht von Art.
Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Sprichw.Ein bevorstehendes Ereignis kündigt sich meist schon vorher an.
Thomas Campbellschottischer Dichter, 1777 bis 1844
Herkunft: Übersetzung einer Zeile des schottischen Dichters Thomas Campbell aus dem frühen 19. Jahrhundert.
QuelleThomas Campbell
Kurze Sprichwörter
Andere Länder, andere Sitten.
Sprichw.Was anderswo üblich ist, muss nicht dem entsprechen, was man von zu Hause kennt.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Herodot in seiner Beschreibung fremder Bräuche. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
QuelleHerodot
Siehe auch: Reisen bildet. Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. Wer daheim bleibt, lernt die Welt nicht kennen.
Angst macht Beine.
Sprichw.Furcht setzt Kräfte frei, über die man sonst nicht verfügt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: Angst
Das Auge isst mit.
Sprichw.Wie ein Gericht aussieht, beeinflusst, wie es schmeckt.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die antike Kochkunst zurück und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert als feste Wendung belegt.
Themen: Essen
Aus Fehlern lernt man.
Sprichw.Ein Fehlschlag ist kein Verlust, solange man daraus etwas mitnimmt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich in der lateinischen Formel „errando discimus“ und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Themen: MisserfolgLernen
Jugend hat keine Tugend.
Sprichw.Nachsichtige Feststellung darüber, dass junge Menschen unbedacht handeln.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts. „Tugend“ meint hier nicht Sittlichkeit, sondern Besonnenheit.
Themen: JugendLeichtsinn
Siehe auch: Die Jugend ist trunken ohne Wein.
Kleider machen Leute.
Sprichw.Wie jemand gekleidet ist, beeinflusst maßgeblich, wie er von anderen eingeschätzt wird.
Herkunft: Als Titel einer Novelle von Gottfried Keller aus dem Jahr 1874 endgültig geläufig geworden; die Redensart selbst ist älter.
QuelleGottfried Keller
Kleine Ursachen, große Wirkungen.
Sprichw.Aus einer unscheinbaren Kleinigkeit kann etwas Großes entstehen.
Herkunft: Die Formel stammt aus der Naturlehre des 18. Jahrhunderts und wurde von dort auf Geschichte und Alltag übertragen.
Themen: SchicksalVeränderung
Siehe auch: Wie man sich bettet, so liegt man. Wer nicht hören will, muss fühlen. Was der Mensch sät, das wird er ernten.
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