Sprichwörter · Leben
Sprichwörter über Erfahrung
Erfahrung gilt in Sprichwörtern als teuer erkaufte, aber verlässliche Lehrmeisterin. Wer sie hat, braucht keinen Rat mehr, und wer sie nicht hat, hört ihn ohnehin nicht.
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Bekannte Sprichwörter
Das Alter ist eine Last, aber die Alternative ist schlechter.
Sprichw.Trockener Kommentar über die Beschwerden des Alterns.
Herkunft: Eine umgangssprachliche Formel des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer Kinder hat, hat Sorgen, wer keine hat, erst recht. Jugend ist ein Fehler, der sich täglich bessert.
Arm sein ist keine Schande, aber sehr unbequem.
Sprichw.Ironische Ergänzung des älteren Satzes, Armut schände nicht.
Herkunft: Eine volkstümliche Zuspitzung des 19. Jahrhunderts, die dem Trostspruch die Härte der Lage entgegenhält.
Siehe auch: Wer trinkt, um zu vergessen, soll vorher bezahlen. Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Aus Büchern lernt man nicht alles.
Sprichw.Manches erschließt sich nur durch eigenes Tun.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit dem Sprichwort, Probieren gehe über Studieren.
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Die Schule des Lebens hat hohes Schulgeld. Das Leben ist die beste Schule.
Aus einer Niederlage lernt man mehr als aus einem Sieg.
Sprichw.Der Erfolg erklärt sich nicht, das Scheitern zwingt zur Untersuchung.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei den antiken Historikern und wurde im 19. Jahrhundert zur militärischen Lehrformel.
Themen: MisserfolgLernen
Siehe auch: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Die Jugend darf sich irren, das Alter muss es zugeben. Aus Fehlern wird man klug, aber nicht immer sofort.
Aus Fehlern wird man klug, aber nicht immer sofort.
Sprichw.Manche Erfahrung muss man mehrfach machen, bevor sie sitzt.
Herkunft: Eine ironische Erweiterung des älteren Sprichworts, im 20. Jahrhundert verbreitet.
Themen: MisserfolgLernen
Siehe auch: Aus einer Niederlage lernt man mehr als aus einem Sieg. Übung macht den Meister. Wissen ist nicht dasselbe wie Verstehen.
Beim Essen lernt man die Leute kennen.
Sprichw.Am Tisch zeigt sich, wie jemand mit anderen umgeht.
Herkunft: Eine volkstümliche Erfahrungsformel des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer zusammen reist, lernt sich kennen. Stille Wasser sind tief. Die Katze lässt das Mausen nicht.
Bequemlichkeit ist die teuerste Gewohnheit.
Sprichw.Was man sich abnehmen lässt, muss man bezahlen.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Wer nichts tut, hat nie Zeit. Wer den Becher zu oft leert, leert auch den Beutel. Leichtsinn ist teurer als Vorsicht.
Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat ich dir.
Sprichw.Alte Merkregel zur Reihenfolge beim Trinken. Ein sachlicher Grund dafür ist nicht belegt.
Herkunft: Die Merkregel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt. Ein sachlicher Grund für die Reihenfolge ist nicht nachgewiesen; entscheidend ist die Gesamtmenge.
Auch: Wein auf Bier, das rat ich dir; Bier auf Wein, das lass sein.
Themen: TrinkenGesundheit
Siehe auch: Wer trinkt, vergisst nicht, er verschiebt nur. Ein Glas erfreut, das zweite genügt, das dritte schadet. Der Wein ist ein Spiegel des Menschen.
Dank ist eine Blume, die selten wächst.
Sprichw.Auf Dankbarkeit sollte man nicht rechnen.
Herkunft: Eine volkstümliche Bildformel des 19. Jahrhunderts.
Themen: DankbarkeitGroßzügigkeit
Siehe auch: Der Nehmende vergisst schneller als der Gebende. Dankbarkeit ist eine seltene Tugend. Wer nicht danken kann, dem hilft man nicht zweimal.
Eifersucht schärft den Blick für das, was nicht da ist.
Sprichw.Wer sucht, findet auch dort etwas, wo nichts ist.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Themen: EifersuchtAngst
Siehe auch: Wer sucht, findet auch, was nicht da ist. Wer immer kontrolliert, wird immer etwas finden. Eifersucht kommt selten vor dem Verlust, meist danach.
Erfolg macht sichtbar, was vorher niemand sehen wollte.
Sprichw.Dieselbe Leistung wird erst nach dem Ergebnis wahrgenommen.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders. Macht verdirbt den Charakter. Das Rad, das am lautesten quietscht, bekommt das Fett.
Man erkennt das Glück erst am Geräusch seines Fortgehens.
Sprichw.Erst wenn eine gute Lage vorbei ist, wird sie als solche erkannt.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, mehrfach zugeschrieben, ohne belegbaren Erstautor.
Themen: GlückVergangenheit
Siehe auch: Man weiß erst, was man hatte, wenn man es verloren hat. Die Gesundheit merkt man erst, wenn sie fehlt. Wer noch Eltern hat, weiß nicht, was er hat.
Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Erwartungen.
Sprichw.Das Wetter ist, was es ist; unpassend wird es erst durch die Planung.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit dem Satz, es gebe kein schlechtes Wetter.
Themen: WetterBescheidenheit
Siehe auch: Geduld ist eine Tugend. Wer wenig verspricht, kann viel halten. Wer vom Tod spricht, meint das Leben.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Alte Leute vergessen den Namen und behalten die Geschichte.
Sprichw.Das Langzeitgedächtnis bleibt oft, während Neues nicht mehr haftet.
Herkunft: Eine volkstümliche Beobachtung, die der Gedächtnisforschung des 20. Jahrhunderts entspricht.
Themen: AlterVergangenheit
Siehe auch: Die gute alte Zeit war auch nicht besser. Wer sich erinnert, lebt zweimal. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.
An den Früchten erkennt man den Baum.
Sprichw.Was jemand taugt, zeigt sich an dem, was er hervorbringt, nicht an dem, was er sagt.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus der Bergpredigt (Matthäus 7,16).
Themen: NaturLandwirtschaft
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie die Saat, so die Ernte.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Sprichw.Kinder ähneln ihren Eltern in Verhalten und Eigenschaften.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Bild ist buchstäblich gemeint: Fallobst bleibt in der Nähe des Baumes liegen.
Siehe auch: Wie der Vater, so der Sohn. Art lässt nicht von Art. Kein Baum wächst ohne Wurzeln.
Der Appetit kommt beim Essen.
Sprichw.Oft stellt sich die Lust an einer Sache erst ein, wenn man damit begonnen hat.
Herkunft: Die Wendung ist als französisches Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde durch François Rabelais bekannt.
QuelleRabelais
Siehe auch: Frisch gewagt ist halb gewonnen. Der erste Schritt ist der schwerste.
Art lässt nicht von Art.
Sprichw.Die angeborene Wesensart bricht früher oder später durch.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wer zusammen reist, lernt sich kennen. Stille Wasser sind tief.
Dreht der Wind, dreht das Wetter.
Sprichw.Ein Wechsel der Windrichtung kündigt fast immer eine neue Wetterlage an.
Herkunft: Die Regel hat einen physikalischen Kern: Ein Windsprung zeigt den Durchgang einer Luftmassengrenze an.
Siehe auch: Wetter und Laune ändern sich schnell. Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön. Der Himmel lügt nicht, aber man liest ihn falsch.
Durch Schaden wird man klug.
Sprichw.Aus eigenen Fehlern lernt man nachhaltiger als aus guten Ratschlägen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „quae nocent, docent“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Aus Schaden wird man klug.
Themen: Klugheit und DummheitMisserfolg
Siehe auch: Irren ist menschlich. Aus einer Niederlage lernt man mehr als aus einem Sieg. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin.
Sprichw.Was man selbst erlebt hat, prägt sich stärker ein als jeder Unterricht.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „experientia docet“.
Siehe auch: Wissen ohne Anwendung ist wie eine Wolke ohne Regen. Probieren geht über Studieren. Die Schule des Lebens hat hohes Schulgeld.
Es wächst kein Baum in den Himmel.
Sprichw.Jedes Wachstum stößt irgendwann an eine Grenze.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz wird heute vor allem in der Wirtschaftssprache als Warnung vor unbegrenztem Wachstum gebraucht.
Auch: Bäume wachsen nicht in den Himmel.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Gegen die Natur kämpft man vergebens. Die Natur lässt sich nicht betrügen. Die Natur eilt nicht und doch wird alles fertig.
Der Frosch im Brunnen kennt das Meer nicht.
Sprichw.Wer nur seinen eigenen Bereich kennt, hält ihn für die ganze Welt.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem chinesischen Schrifttum und ist über Übersetzungen des 19. Jahrhunderts ins Deutsche gelangt.
Siehe auch: Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. Reisen bildet.
Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Sprichw.Die Erwartung des Schlimmen quält oft mehr als das Ereignis.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei antiken Autoren, unter anderem bei Publilius Syrus.
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Wer viel hat, hat viel zu verlieren. Die Nacht ist keines Menschen Freund. Wer viel verschenkt, muss wenig bewachen.
Kurze Sprichwörter
Andere Länder, andere Sitten.
Sprichw.Was anderswo üblich ist, muss nicht dem entsprechen, was man von zu Hause kennt.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Herodot in seiner Beschreibung fremder Bräuche. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
QuelleHerodot
Siehe auch: Wer reist, vergleicht; wer vergleicht, versteht. Wer reist, hat etwas zu erzählen. Reisen bildet.
Angst ist ansteckend.
Sprichw.Furcht überträgt sich in Gruppen schneller als jede Beruhigung.
Herkunft: Eine Beobachtung aus der Massenpsychologie des frühen 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Angst macht Beine.
Sprichw.Furcht setzt Kräfte frei, über die man sonst nicht verfügt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: Angst
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer trinkt, vergisst nicht, er verschiebt nur.
Das Auge isst mit.
Sprichw.Wie ein Gericht aussieht, beeinflusst, wie es schmeckt.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die antike Kochkunst zurück und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert als feste Wendung belegt.
Themen: Essen
Aus Fehlern lernt man.
Sprichw.Ein Fehlschlag ist kein Verlust, solange man daraus etwas mitnimmt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich in der lateinischen Formel „errando discimus“ und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Themen: MisserfolgLernen
Siehe auch: Wer lebt, macht Fehler; wer keine macht, lebt nicht. Stillstand ist Rückschritt.
Der erste Bissen entscheidet.
Sprichw.Der erste Eindruck bestimmt das Urteil über das Ganze.
Herkunft: Eine Formel aus der Gastronomiesprache des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: Wer den Wein lobt, hat ihn meist schon getrunken. Kleider machen Leute. Jedes Ding hat zwei Seiten.
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