Sprichwörter · Leben
Sprichwörter über Erfahrung, Seite 2
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Bekannte Sprichwörter
Die Gesundheit merkt man erst, wenn sie fehlt.
Sprichw.Solange alles funktioniert, nimmt man den Körper nicht wahr.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit dem älteren Gedanken, man erkenne den Wert einer Sache erst nach dem Verlust.
Themen: GesundheitErfahrungDankbarkeit
Siehe auch: Wer noch Eltern hat, weiß nicht, was er hat. Man weiß erst, was man hatte, wenn man es verloren hat. Man erkennt das Glück erst am Geräusch seines Fortgehens.
Große Menschen machen wenig Aufhebens.
Sprichw.Wer etwas kann, muss darauf nicht hinweisen.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, verwandt mit dem älteren Bild vom leeren Krug, der am lautesten klingt.
Themen: BescheidenheitHochmutErfahrung
Siehe auch: Wer sich zu klein macht, wird übersehen. Wer leise auftritt, wird länger gehört. Wer viel hat und wenig zeigt, hat am meisten.
Die gute alte Zeit war auch nicht besser.
Sprichw.Die Erinnerung schönt, was tatsächlich ebenso mühsam war wie die Gegenwart.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, die sich gegen die im 19. Jahrhundert entstandene Verklärung der Vergangenheit richtet.
Themen: VergangenheitErfahrungAlter
Siehe auch: Alte Leute vergessen den Namen und behalten die Geschichte. Wer sich erinnert, lebt zweimal. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.
Die Heimat erkennt man erst aus der Ferne.
Sprichw.Der Abstand zeigt, was das Vertraute ausmacht.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Ovid in seinen Briefen aus der Verbannung.
Themen: ReisenHaus und HeimatErfahrung
QuelleOvid
Siehe auch: In der Fremde lernt man die Heimat schätzen.
Im Handel entscheidet die Ware, nicht das Wort.
Sprichw.Auf Dauer setzt sich durch, was taugt, nicht was gut beworben wird.
Herkunft: Eine Kaufmannsregel des 19. Jahrhunderts.
Themen: HandelEhrlichkeitErfahrung
Siehe auch: Wer nur auf den Preis sieht, kauft zweimal. Der Preis ist vergessen, die Qualität bleibt. Wer billig kauft, kauft zweimal.
Im Unglück zeigt sich der Charakter.
Sprichw.Erst unter Druck wird sichtbar, wie jemand wirklich ist.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei den antiken Moralisten, unter anderem bei Seneca.
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer im Unglück lacht, hat es halb überwunden. Nicht das Schicksal entscheidet, sondern der Umgang damit. Wer vom Tod spricht, meint das Leben.
In der Schule lernt man nicht für den Lehrer.
Sprichw.Der Ertrag des Unterrichts kommt dem Lernenden zugute, niemandem sonst.
Herkunft: Eine Umkehrung von Senecas Klage, man lerne für die Schule statt für das Leben.
QuelleSeneca
Siehe auch: Wissen ohne Anwendung ist wie eine Wolke ohne Regen. Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen.
In jeder Familie gibt es einen, der aus der Reihe tanzt.
Sprichw.Kein Familienverband ist so einheitlich, wie er nach außen wirkt.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel des 20. Jahrhunderts.
Jede Veränderung kostet, auch die zum Besseren.
Sprichw.Auch eine Verbesserung verlangt Aufwand und Gewöhnung.
Herkunft: Eine Formel aus der Organisationslehre des 20. Jahrhunderts.
Themen: VeränderungNeuanfangErfahrung
Jeder Beruf hat seine Bürde.
Sprichw.Von außen sieht jede Tätigkeit leichter aus, als sie ist.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Wer seinen Beruf nicht kennt, findet keinen Feierabend. Neid lehrt nur vergleichen, nicht handeln. Die Jugend hat die Kraft, das Alter die Übersicht.
Jedes Ding hat zwei Seiten.
Sprichw.Bevor man urteilt, sollte man beide Sichtweisen kennen.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die antike Rhetorik zurück, in der zu jeder Sache beide Seiten vorzutragen waren. Im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Themen: ErfahrungWahrheitStreit
Siehe auch: Die Wahrheit liegt in der Mitte. Die Wahrheit hat viele Seiten, aber keine zwei. Wer den Wein lobt, hat ihn meist schon getrunken.
Die Jugend hat die Kraft, das Alter die Übersicht.
Sprichw.Beide Lebensalter haben, was dem anderen fehlt.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, in deutschen Sammlungen des 19. Jahrhunderts belegt.
QuelleSammlungen des 19. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer jung heiratet, wächst zusammen; wer alt heiratet, muss sich einigen. Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen, das Alter die Zeit, sie anzuwenden. Jeder Beruf hat seine Bürde.
Jugend ist ein Fehler, der sich täglich bessert.
Sprichw.Scherzhafte Feststellung, dass das Problem sich von selbst löst.
Herkunft: Der Ausspruch wird Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben, ohne dass sich eine Stelle nachweisen ließe.
QuelleGoethe
Siehe auch: Mit den Jahren kommt die Weisheit. Leichtsinn kleidet die Jugend, nicht das Alter. Graue Haare machen noch keinen Weisen.
Die Jugend meint, sie habe Zeit.
Sprichw.Erst mit dem Alter wird spürbar, wie begrenzt die Lebenszeit ist.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden.
Sprichwörter mit belegter Herkunft
Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Sprichw.Wer einmal Schaden genommen hat, geht dieser Gefahr künftig aus dem Weg.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 13. Jahrhundert belegt und damit eines der ältesten schriftlich bezeugten deutschen Sprichwörter.
Themen: ErfahrungAngstKinderVorsicht
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Durch Schaden wird man klug.
Gegen die Natur kämpft man vergebens.
Sprichw.Was in der Natur der Sache liegt, lässt sich nicht abstellen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Horaz, der schreibt, man könne die Natur mit der Mistgabel austreiben, sie kehre dennoch zurück.
Themen: NaturErfahrungSchicksal
QuelleHoraz
Siehe auch: Die Natur lässt sich nicht betrügen. Es wächst kein Baum in den Himmel. Wo viel Recht ist, ist viel Unrecht.
Der Geiz wächst mit dem Vermögen.
Sprichw.Anders als erwartet nimmt die Sparsamkeit mit dem Wohlstand zu statt ab.
Juvenalrömischer Satiriker, um 60 bis 130 n. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Juvenal, der schreibt, die Geldgier wachse mit dem Geld.
QuelleJuvenal
Siehe auch: Der Geizige besitzt sein Geld nicht, sein Geld besitzt ihn. Der Geiz macht den Beutel schwer und das Herz leer. Wer viel verschenkt, muss wenig bewachen.
Gleich und gleich gesellt sich gern.
Sprichw.Menschen suchen die Nähe derer, die ihnen ähnlich sind.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Homer und wird von Platon aufgegriffen. Im Deutschen ist die Reimfassung seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: FreundschaftPartnerschaftErfahrung
Siehe auch: Man sieht sich immer zweimal im Leben. In der Partnerschaft entscheidet nicht das Thema, sondern der Ton. Gleiche Brüder, gleiche Kappen.
Graue Haare machen noch keinen Weisen.
Sprichw.Lebensjahre allein bringen keine Einsicht.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts belegt, verwandt mit dem Satz, dass Alter vor Torheit nicht schützt.
Themen: AlterKlugheit und DummheitErfahrung
Siehe auch: Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger. Mit den Jahren kommt die Weisheit. Jugend ist ein Fehler, der sich täglich bessert.
Die größte Angst ist die vor der Angst.
Sprichw.Nicht die Gefahr lähmt, sondern die Vorstellung von ihr.
Herkunft: Der Gedanke stammt von Michel de Montaigne aus seinen „Essais“ (1580).
QuelleMontaigne
Siehe auch: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Wer viele fürchtet, muss viele fürchten. Wer im Dunkeln pfeift, hat Angst.
Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendessen.
Sprichw.Zuversicht hilft beim Anfangen, ersetzt aber kein Ergebnis.
Herkunft: Der Ausspruch stammt von Francis Bacon.
Themen: HoffnungErfahrungMisserfolg
QuelleFrancis Bacon
Siehe auch: Wer den Mut verliert, hat alles verloren. Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Wer blind vertraut, wird sehend enttäuscht.
Hunger ist der beste Koch.
Sprichw.Wer richtig hungrig ist, dem schmeckt auch einfaches Essen ausgezeichnet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Cicero, der schreibt, der Hunger sei die Würze der Speise. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleCicero
Siehe auch: In der Not schmeckt jedes Brot. Wer mit dem Essen spielt, hat noch keinen Hunger gekannt. Salz und Brot macht Wangen rot.
Im Alter wird der Mensch wieder Kind.
Sprichw.Am Lebensende kehren Angewiesenheit und Unmittelbarkeit der Kindheit zurück.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Literatur belegt und findet sich als deutsches Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert.
Siehe auch: Zwei, die sich brauchen, sind noch kein Paar.
In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Sprichw.Wer keine Wahl hat, nimmt auch das, was er sonst verschmähen würde.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Die Fliege galt als das geringste denkbare Tier, das selbst der Teufel verschmähen würde.
Siehe auch: Arm sein ist keine Schande, aber sehr unbequem. Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts zurücklegt, lebt von der Hand in den Mund.
In der Not schmeckt jedes Brot.
Sprichw.Wer wirklich Hunger hat, stellt keine Ansprüche.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen des 18. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Hunger ist der beste Koch. Wer mit dem Essen spielt, hat noch keinen Hunger gekannt. Salz und Brot macht Wangen rot.
Die Katze lässt das Mausen nicht.
Sprichw.Alte Gewohnheiten legt niemand ab, auch wenn er es beteuert.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Gedanke findet sich bereits in einer Fabel Äsops von der in eine Frau verwandelten Katze, die beim Anblick einer Maus zurückfällt.
QuelleÄsop, Sprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Wolf verliert wohl die Haare, aber nicht die Tücke. Wer zusammen reist, lernt sich kennen. Stille Wasser sind tief.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.
Sprichw.Kinder denken und empfinden anders und dürfen nicht wie Erwachsene behandelt werden.
Herkunft: Ein Grundsatz der Reformpädagogik des frühen 20. Jahrhunderts, der auf Rousseau zurückgeht.
QuelleRousseau
Siehe auch: Strenge Eltern, milde Kinder. Wer sein Kind liebt, der züchtigt es. Wer Kinder schlägt, hat die Argumente verloren.
Kurze Sprichwörter
Geduld ist eine Tugend.
Sprichw.Die Fähigkeit zu warten gilt als Charaktereigenschaft, nicht als Schwäche.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „patientia virtus“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: GeduldBescheidenheitErfahrung
Siehe auch: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Erwartungen. Wer vom Tod spricht, meint das Leben. Wer den Streit sucht, findet ihn überall.
Glück ist kein Dauerzustand.
Sprichw.Zufriedenheit stellt sich in Abschnitten ein, nicht als Zustand.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts ohne älteren Beleg.
Siehe auch: Wetter und Laune ändern sich schnell. Glück und Unglück wandern auf einem Steg. Dreht der Wind, dreht das Wetter.
Jugend hat keine Tugend.
Sprichw.Nachsichtige Feststellung darüber, dass junge Menschen unbedacht handeln.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts. „Tugend“ meint hier nicht Sittlichkeit, sondern Besonnenheit.
Themen: JugendLeichtsinnErfahrung
Siehe auch: Die Jugend ist trunken ohne Wein. Jugend ist keine Lebenszeit, sondern ein Zustand des Gemüts.
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