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Alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft, Seite 9
342 Einträge mit Bedeutung · Seite 9 von 12
Viele Wenig machen ein Viel.
Sprichw.Viele kleine Anteile ergeben zusammengenommen eine große Menge.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „multa pauca faciunt unum multum“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: SparenGeldZusammenhalt
Siehe auch: Kleinvieh macht auch Mist. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
Vier Augen sehen mehr als zwei.
Sprichw.Wer eine Sache zu zweit prüft, entdeckt mehr Fehler als allein.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und stammt aus dem Zusammenhang der gegenseitigen Prüfung bei Rechnungen und Urkunden.
Ein voller Bauch studiert nicht gern.
Sprichw.Nach einer reichlichen Mahlzeit fällt geistige Arbeit schwer.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Studentensprache, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Sprichw.Bauernregel zu den Eisheiligen Mitte Mai, nach denen erst danach frostfrei gepflanzt werden soll.
Herkunft: Bezieht sich auf die Namenstage der Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai, an denen in Mitteleuropa häufig ein letzter Kaltlufteinbruch auftritt.
Themen: WetterJahreszeitenLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Märzenstaub und Märzenwind bringen Regen, der geschwind.
Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
Sprichw.Der Ausgang eines Verfahrens ist ebenso wenig vorhersehbar wie das Wetter auf See.
Herkunft: Alte Juristenweisheit, im deutschen Sprachraum seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Themen: Recht und GerechtigkeitSchicksalReisen
Siehe auch: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Niemand weiß, was der morgige Tag bringt.
Vorbeugen ist besser als heilen.
Sprichw.Ein Schaden lässt sich leichter verhindern als hinterher beheben.
Herkunft: Die Formel übersetzt den medizinischen Grundsatz „praestat cautela quam medela“, wonach Vorsicht besser sei als Heilmittel.
Auch: Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Themen: ZukunftGesundheitVorsicht
Siehe auch: Spare in der Zeit, so hast du in der Not. Die Zukunft gehört denen, die sie vorbereiten.
Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Sprichw.Bei zwei gegensätzlichen Darstellungen trifft meist keine ganz zu.
Herkunft: Die Formel geht auf die aristotelische Lehre von der Mitte zwischen zwei Extremen zurück, im Lateinischen als „in medio stat veritas“ überliefert.
Themen: WahrheitStreitKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Jedes Ding hat zwei Seiten. Wer nichts fürchtet, ist nicht mutig, sondern unwissend. Liebe macht blind.
Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen.
Sprichw.Nichts bleibt auf Dauer unbemerkt, auch nicht das, was man im Verborgenen tut.
Herkunft: Der Vers ist in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt und gehört in den Zusammenhang der Warnung vor unbedachter Rede im Freien.
Siehe auch: Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön.
Was der Mensch sät, das wird er ernten.
Sprichw.Jeder bekommt am Ende das zurück, was er selbst in die Welt gesetzt hat.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Galater 6,7).
Auch: Was man sät, das erntet man.
Themen: SchicksalLandwirtschaftRecht und Gerechtigkeit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie man sich bettet, so liegt man. Unrecht Gut gedeihet nicht. Kleine Ursachen, große Wirkungen.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Sprichw.Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
Herkunft: Die deutsche Reimfassung der sogenannten Goldenen Regel, die sich in ähnlicher Form in vielen Überlieferungen findet, unter anderem im Neuen Testament.
Themen: Recht und GerechtigkeitNachbarnEhrlichkeit
QuelleNeues Testament
Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten.
Sprichw.Anlagen und Eigenarten zeigen sich schon früh.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Korbmacherei und dem Schmiedehandwerk: Ein Haken wird gebogen, solange das Material biegsam ist. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Auch: Was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten.
Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Sprichw.Ein einmal geschlossener Bund soll nicht wieder aufgelöst werden; klassische Formel bei kirchlichen Trauungen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Matthäus 19,6).
Themen: EhePartnerschaftFamilie
QuelleNeues Testament
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Sprichw.Was in jungen Jahren versäumt wird, lässt sich später nur noch schwer nachholen.
Herkunft: Der Reimspruch spielt mit der Verkleinerungsform desselben Namens für Kind und Erwachsenen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: LernenJugendAlterSchule
Siehe auch: Jung gewohnt, alt getan. Alte Bäume verpflanzt man nicht.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Sprichw.Wovon man nichts erfährt, worüber ärgert man sich auch nicht.
Herkunft: Ein Reimspruch, im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt. „Heiß machen“ steht dabei für aufregen.
Was lange währt, wird endlich gut.
Sprichw.Wird gesagt, wenn sich eine lange Wartezeit oder ein zäher Prozess am Ende doch auszahlt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz dient meist als Entschuldigung für eine Verzögerung.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Gut Ding will Weile haben.
Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.
Sprichw.Nur das Aufgeschriebene ist gesichert.
Johann Wolfgang von GoetheDichter und Naturforscher, 1749 bis 1832
Herkunft: Die Zeilen stammen aus Goethes „Faust I“ (1808), aus der Szene zwischen Mephisto und dem Schüler.
QuelleGoethe
Siehe auch: Papier ist geduldig. Handwerk hat goldenen Boden.
Was sich liebt, das neckt sich.
Sprichw.Kleine Sticheleien zwischen zwei Menschen gelten als Zeichen von Zuneigung.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Der Satz wird heute kritisch gesehen, weil er Grenzüberschreitungen verharmlosen kann.
Themen: LiebeStreitPartnerschaft
Siehe auch: Wo Liebe ist, da ist auch Eifersucht. Liebe geht durch den Magen.
Wasser hat keine Balken.
Sprichw.Warnung vor der Gefahr des Wassers: Anders als auf einem Boden findet man darin keinen Halt.
Herkunft: Alte Schiffermahnung, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Übermut tut selten gut. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Glück und Glas, wie leicht bricht das.
Wasser predigen und Wein trinken.
Sprichw.Anderen Verzicht empfehlen und selbst genießen.
Heinrich HeineDichter, 1797 bis 1856
Herkunft: Die Wendung wurde durch Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ (1844) allgemein bekannt.
Themen: TrinkenEhrlichkeitLügen
QuelleHeine
Wein macht kühne Leute.
Sprichw.Alkohol nimmt die Scheu und lässt Menschen wagemutiger auftreten, als sie sind.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TrinkenMutLeichtsinn
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wo der Wein eingeht, geht der Verstand aus. Trunkener Mund tut Wahrheit kund. Der Wein erfindet nichts, er schwatzt es aus.
Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön.
Sprichw.Bauernregel: Starker Morgentau deutet auf einen klaren, ruhigen Tag hin.
Herkunft: Die Regel hat einen physikalischen Kern. Tau entsteht bei klarer Nacht und schwachem Wind, also unter Bedingungen, die auf eine stabile Hochdrucklage hinweisen.
Themen: WetterNaturLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.
Sprichw.Fehlt die Aufsicht, nehmen sich die Untergebenen Freiheiten heraus.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt und in fast allen europäischen Sprachen verbreitet.
Auch: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.
Sprichw.Wer unterwegs war, hat etwas zu berichten.
Matthias ClaudiusDichter und Publizist, 1740 bis 1815
Herkunft: Der Vers stammt aus dem Gedicht „Urians Reise um die Welt“ von Matthias Claudius.
QuelleMatthias Claudius
Wenn zwei Hunde um einen Knochen streiten, läuft der dritte damit fort.
Sprichw.Während zwei sich streiten, macht ein Dritter den Gewinn.
Herkunft: Das Bild ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht auf eine Fabel Äsops zurück.
QuelleÄsop
Siehe auch: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Wo Liebe ist, da ist auch Streit. Streit mit dem Nachbarn dauert länger als mit dem Fremden.
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
Sprichw.Von einem Konflikt profitiert oft ein Unbeteiligter.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „duobus litigantibus tertius gaudet“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Wo zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
Themen: StreitNachbarnErfolgNeidZusammenhalt
Siehe auch: Wenn zwei Hunde um einen Knochen streiten, läuft der dritte damit fort. Streit mit dem Nachbarn dauert länger als mit dem Fremden. Im Streit verliert man mehr, als man gewinnt.
Wer A sagt, muss auch B sagen.
Sprichw.Wer etwas begonnen hat, muss auch die weiteren Schritte gehen und kann nicht auf halbem Weg aussteigen.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem Anfangsunterricht im Lesen und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Sprichw.Wer anderen schaden will, richtet den Schaden häufig bei sich selbst an.
Herkunft: Der Gedanke findet sich im biblischen Buch der Sprüche (26,27) und im Prediger (10,8).
Themen: NeidStreitRecht und Gerechtigkeit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Betrug schlägt seinen eigenen Herrn.
Wer den Kern essen will, muss die Nuss knacken.
Sprichw.Ohne Anstrengung gibt es keinen Ertrag.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „qui e nuce nucleum esse vult, frangat nucem“ bei Plautus.
QuellePlautus
Siehe auch: Wer schmieden will, muss erst das Feuer schüren. Sparen ist verdienen. Arbeit macht das Leben süß.
Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
Sprichw.Wer sorglos mit kleinen Beträgen umgeht, wird auch mit größeren nicht haushalten können.
Herkunft: Die ältere Fassung nennt Pfennig und Taler; in neuerer Zeit ist auch die Variante mit dem Euro geläufig.
Auch: Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euro nicht wert.
Siehe auch: Viele Wenig machen ein Viel. Kleinvieh macht auch Mist.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Sprichw.Wem etwas misslingt, der wird zusätzlich zum eigentlichen Schaden auch noch ausgelacht.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz beschreibt eine Erfahrung, keine Forderung.
Themen: UnglückMisserfolgNachbarn
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer nichts macht, macht auch nichts falsch. Gäste sind wie Fische, nach drei Tagen fangen sie an zu riechen.
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