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Alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft, Seite 7
342 Einträge mit Bedeutung · Seite 7 von 12
Die Nacht ist keines Menschen Freund.
Sprichw.Im Dunkeln wirken Sorgen größer und Wege gefährlicher.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Vor der Straßenbeleuchtung war die Nacht tatsächlich gefährlich, was der Formel ihre wörtliche Grundlage gab.
Siehe auch: Wer nachts nicht schlafen kann, dem fehlt am Tag der Mut. Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können.
Sprichw.Eine dumme Frage zu stellen ist leicht, sie sinnvoll zu beantworten oft unmöglich.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Die Sieben steht wie oft in Sprichwörtern nicht für eine Zahl, sondern für eine unbestimmte Menge.
Themen: Klugheit und DummheitWissenLernen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wie man fragt, so wird man belehrt. Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Das Denken soll man den Pferden überlassen, die haben den größeren Kopf.
Die Natur heilt, der Arzt pflegt die Wunde.
Sprichw.Die eigentliche Heilung leistet der Körper, die Behandlung schafft nur die Bedingungen dafür.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „natura sanat, medicus curat morbos“, das auf Hippokrates zurückgeführt wird.
Themen: NaturGesundheitErfahrung
QuelleHippokrates
Siehe auch: Schlaf ist die beste Medizin.
Die Natur macht keine Sprünge.
Sprichw.Entwicklungen verlaufen schrittweise, nicht in Sprüngen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „natura non facit saltus“, das seit Leibniz als naturwissenschaftlicher Grundsatz gilt.
Themen: NaturVeränderungGeduld
QuelleLeibniz
Der Nehmende vergisst schneller als der Gebende.
Sprichw.Eine Wohltat bleibt dem länger im Gedächtnis, der sie erwiesen hat.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Seneca in seiner Schrift über die Wohltaten.
Themen: DankbarkeitGroßzügigkeitFreundschaft
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer nicht danken kann, dem hilft man nicht zweimal. Dankbarkeit ist eine seltene Tugend.
Der Neid frisst seinen eigenen Herrn.
Sprichw.Missgunst schadet vor allem dem, der sie hegt.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Horaz, der den Neid als selbstzerstörerisch beschreibt. Im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Auch: Neid frisst den Neider.
QuelleHoraz
Siehe auch: Wer neidet, der leidet. Der Neidische magert an fremdem Fett. Wer nichts hat, den beneidet auch niemand.
Der Neidische magert an fremdem Fett.
Sprichw.Der Wohlstand eines anderen zehrt den Neider auf.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „invidus alterius macrescit rebus opimis“ bei Horaz.
QuelleHoraz
Siehe auch: Wer nichts hat, den beneidet auch niemand. Wer neidet, der leidet. Der Neid frisst seinen eigenen Herrn.
Neue Besen kehren gut.
Sprichw.Wer neu in einer Aufgabe ist, gibt sich besonders viel Mühe; oft mit dem Unterton, dass der Eifer nachlässt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Zusatz, der alte kenne dafür die Ecken, ist ebenso alt und gehört eigentlich dazu.
Neue Herren, neue Gesetze.
Sprichw.Mit einer neuen Führung ändern sich auch die Regeln.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt, entstanden in einer Zeit, in der ein Herrschaftswechsel tatsächlich neue Rechtsordnungen brachte.
Themen: MachtVeränderungRecht und Gerechtigkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
Sprichw.Der Sinn des Lernens liegt nicht in der Prüfung, sondern in dem, was danach kommt.
Senecarömischer Philosoph und Staatsmann, um 1 bis 65 n. Chr.
Herkunft: Umkehrung einer Klage Senecas, der kritisierte, man lerne für die Schule statt für das Leben („non vitae, sed scholae discimus“).
Auch: Non scholae, sed vitae discimus.
QuelleSeneca
Siehe auch: Wissen ist Macht. Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen.
Niemand weiß, was der morgige Tag bringt.
Sprichw.Die Zukunft lässt sich nicht vorhersehen, deshalb ist jede Planung vorläufig.
Herkunft: Der Gedanke findet sich im biblischen Buch der Sprüche (27,1).
Auch: Man weiß nie, was der morgige Tag bringt.
Themen: ZukunftSchicksalHoffnung
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, nur vorbereiten. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
Not macht erfinderisch.
Sprichw.Wer wenig Mittel hat, findet oft überraschende Lösungen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „mater artium necessitas“, wonach die Not die Mutter der Künste sei. Der Gedanke findet sich bereits bei Platon.
Themen: ArmutKlugheit und DummheitErfahrung
QuellePlaton
Ohne Fleiß kein Preis.
Sprichw.Ein Erfolg setzt Anstrengung voraus; geschenkt bekommt man nichts.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Schulliteratur des 18. Jahrhunderts. „Preis“ meint dabei den Siegespreis, nicht den Kaufpreis.
Themen: FleißErfolgArbeitSchule
Siehe auch: Es lernt sich nichts von selbst.
Ohne Regen kein Regenbogen.
Sprichw.Das Schöne setzt oft das Unangenehme voraus.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, im Deutschen erst seit dem späten 20. Jahrhundert verbreitet.
Siehe auch: Nach Regen kommt Sonnenschein. Auf jeden Winter folgt ein Frühling. Pech im Spiel, Glück in der Liebe.
Ordnung ist das halbe Leben.
Sprichw.Wer Ordnung hält, spart Zeit und Ärger.
Herkunft: Die Formel ist in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 19. Jahrhundert belegt. Sie gehört zu einer Gruppe von Sätzen, die eine Tugend als Anteil am Gelingen beziffern, vergleichbar mit „Frisch gewagt ist halb gewonnen“.
Siehe auch: Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zeit ist Geld. Ordnung muss sein.
Ost, West, zu Hause best.
Sprichw.So schön es anderswo sein mag, am wohlsten ist man daheim.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt und gehört zu den Haussprüchen, die über Türen und auf Wandtellern angebracht wurden.
Themen: Haus und HeimatReisen
Siehe auch: In der Fremde lernt man die Heimat schätzen. Der Heimweg ist immer kürzer.
Papier ist geduldig.
Sprichw.Aufschreiben lässt sich alles; ob es auch zutrifft oder eingehalten wird, steht auf einem anderen Blatt.
Cicerorömischer Redner und Staatsmann, 106 bis 43 v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in einem Brief Ciceros.
QuelleCicero
Siehe auch: Worte sind Wind. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. Ein Schelm gibt mehr, als er hat.
Probieren geht über Studieren.
Sprichw.Eigene Versuche bringen oft mehr als theoretische Überlegungen.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Er stammt aus dem Gegensatz zwischen handwerklicher Erfahrung und gelehrter Bildung.
Themen: ErfahrungLernenHandwerk
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Das Leben ist die beste Schule.
Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.
Sprichw.Im vertrauten Umfeld wird eine Leistung oft weniger anerkannt als von Fremden.
Herkunft: Der Satz geht auf das Neue Testament zurück (Matthäus 13,57).
Themen: Haus und HeimatNachbarnNeid
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Das Rad, das am lautesten quietscht, bekommt das Fett.
Sprichw.Wer sich am lautesten beschwert, wird zuerst bedient.
Herkunft: Lehnübersetzung eines im Englischen verbreiteten Sprichworts.
Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Sprichw.Große Vorhaben brauchen Zeit; Ungeduld über langsame Fortschritte ist unangebracht.
Herkunft: Die Wendung ist als französisches Sprichwort seit dem 12. Jahrhundert belegt und von dort in die übrigen europäischen Sprachen gelangt.
Auch: Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden.
Siehe auch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Zeit arbeitet für den, der warten kann. Es fällt kein Baum auf den ersten Hieb.
Scheiden tut weh.
Sprichw.Jeder Abschied fällt schwer, selbst wenn er nötig ist.
Herkunft: Die Wendung stammt aus dem Volkslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“.
Themen: AbschiedLiebeFreundschaft
QuelleVolkslied
Siehe auch: Wer geht, lässt immer etwas zurück. Wer gehen will, den soll man nicht halten. Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
Der Schein trügt.
Sprichw.Der erste Eindruck führt oft in die Irre.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „fallaces sunt rerum species“, die bei Seneca belegt ist.
QuelleSeneca
Siehe auch: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.
Ein Schelm gibt mehr, als er hat.
Sprichw.Wer über seine Verhältnisse verspricht, kann nicht liefern; scherzhaft auch als Entschuldigung gebraucht.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. „Schelm“ meinte damals den Betrüger, nicht den harmlosen Spaßvogel.
Themen: LügenGroßzügigkeitEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Worte sind Wind. Papier ist geduldig.
Der Schlaf ist der Bruder des Todes.
Sprichw.Der Schlaf gleicht dem Tod, weil das Bewusstsein aussetzt.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus der griechischen Mythologie, in der Hypnos und Thanatos Brüder sind.
Siehe auch: Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders. Sterben müssen wir alle. Im Schlaf sind alle Menschen gleich.
Ein schlechter Handwerker schilt sein Werkzeug.
Sprichw.Wer nichts kann, sucht die Schuld bei den Umständen.
Herkunft: Die Formel übersetzt ein französisches Sprichwort und ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt.
Themen: HandwerkArbeitMisserfolg
Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Sprichw.Man sollte über das urteilen, wovon man etwas versteht, und nicht über alles andere.
Herkunft: Geht auf eine Anekdote über den griechischen Maler Apelles zurück, der die Kritik eines Schusters an den Schuhen seines Bildes gelten ließ, dessen weitergehende Einwände aber zurückwies.
Themen: BerufHandwerkBescheidenheit
Siehe auch: Ein jeder tue, was seines Amtes ist.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
Sprichw.Ein einzelnes gutes Zeichen bedeutet noch nicht, dass sich die Lage insgesamt gewendet hat.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in einer Fabel Äsops belegt und findet sich in ähnlicher Form bei Aristoteles.
Themen: ZeitHoffnungTiereJahreszeiten
QuelleÄsop, Aristoteles
Siehe auch: Fliegen die Schwalben niedrig, kommt Regen. Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist.
Schweigen kann man nicht bereuen.
Sprichw.Ein ungesagtes Wort hat noch niemandem geschadet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Publilius Syrus, wonach niemand das Schweigen bereut habe, viele aber das Reden.
Themen: Klugheit und DummheitVorsichtWahrheit
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Stille Wasser sind tief. Wer viel weiß, redet wenig.
Die Seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Sprichw.Manchen fällt ohne jede Anstrengung zu, wofür andere hart arbeiten. Meist mit einem Unterton von Neid gesagt.
Herkunft: Der Satz geht auf Psalm 127 im Alten Testament zurück.
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer das Glück sucht, findet es selten. Wer das Glück hat, führt die Braut heim. Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.
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