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Alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft, Seite 5
342 Einträge mit Bedeutung · Seite 5 von 12
Im Zweifel für den Angeklagten.
Sprichw.Solange Schuld nicht bewiesen ist, gilt die für den Beschuldigten günstigere Annahme.
Herkunft: Übersetzung des juristischen Grundsatzes „in dubio pro reo“.
Themen: Recht und GerechtigkeitWahrheit
Siehe auch: Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
In der Kürze liegt die Würze.
Sprichw.Eine knappe Darstellung wirkt stärker als eine ausufernde.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Gedanke selbst findet sich schon in der antiken Rhetorik als Lob der Knappheit.
Themen: Klugheit und DummheitWissen
Siehe auch: Erst denken, dann reden.
In der Not erkennt man seine Freunde.
Sprichw.Erst wenn es schwierig wird, zeigt sich, auf wen man sich wirklich verlassen kann.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „amicus certus in re incerta cernitur“, das Cicero in seiner Schrift über die Freundschaft zitiert.
Auch: Den Freund erkennt man in der Not.
Themen: FreundschaftUnglückVertrauen
QuelleCicero
Siehe auch: Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot. Ein guter Nachbar ist besser als ein ferner Freund. Wer nicht danken kann, dem hilft man nicht zweimal.
In der Not frisst der Teufel Fliegen.
Sprichw.Wer keine Wahl hat, nimmt auch das, was er sonst verschmähen würde.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Die Fliege galt als das geringste denkbare Tier, das selbst der Teufel verschmähen würde.
Siehe auch: Wer nichts hat, kann nichts sparen.
In guten wie in schlechten Tagen.
Sprichw.Formel aus dem Eheversprechen, mit der Beistand unabhängig von den Umständen zugesagt wird.
Herkunft: Stammt aus dem Traugelöbnis der christlichen Kirchen und ist von dort in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen.
Themen: EhePartnerschaftZusammenhalt
Siehe auch: Durch dick und dünn gehen.
Irren ist menschlich.
Sprichw.Fehler zu machen gehört zum Menschsein und ist kein Grund für harte Verurteilung.
Senecarömischer Philosoph und Staatsmann, um 1 bis 65 n. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „errare humanum est“, deren Gedanke sich schon bei Seneca findet.
Auch: Errare humanum est.
Themen: MisserfolgKlugheit und DummheitBescheidenheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Durch Schaden wird man klug. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Alter schützt vor Torheit nicht.
Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun und Fass.
Sprichw.Bauernregel: Ein feuchter Mai gilt als günstig für die spätere Ernte.
Herkunft: Eine Bauernregel mit sachlichem Kern: Kühle und Feuchtigkeit im Mai verlängern die Wachstumsphase des Getreides und begünstigen die Kornfüllung.
Themen: WetterLandwirtschaftJahreszeiten
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Ist's zu Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein.
Sprichw.Bauernregel zum 2. Februar: Klares Wetter deutet auf eine anhaltende Kältephase hin.
Herkunft: Die Regel hat einen meteorologischen Kern. Klarer Himmel Anfang Februar zeigt eine Hochdrucklage über Mitteleuropa an, die kalte Luft festhält.
Themen: WetterJahreszeitenLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Jeder hat sein Kreuz zu tragen.
Sprichw.Niemand bleibt von Schwierigkeiten verschont, auch wenn man sie von außen nicht sieht.
Herkunft: Das Bild geht auf die Passionsgeschichte des Neuen Testaments zurück.
QuelleNeues Testament
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Sprichw.Der Satz schreibt jedem Menschen zu, sein Leben durch eigenes Handeln zu gestalten, statt auf günstige Umstände zu warten.
Herkunft: Geht auf die lateinische Formel „faber est suae quisque fortunae“ zurück, die dem römischen Politiker Appius Claudius Caecus zugeschrieben wird.
Jeder ist sich selbst der Nächste.
Sprichw.Im Zweifel achtet jeder zuerst auf den eigenen Vorteil.
Herkunft: Die Formel ist die ironische Umkehrung des biblischen Gebots der Nächstenliebe und im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: GeizNachbarnGroßzügigkeit
Jeder kehre vor seiner eigenen Tür.
Sprichw.Wer bei sich selbst aufräumt, hat keinen Anlass, über andere zu klagen.
Herkunft: Die Wendung geht auf die städtische Kehrordnung zurück, nach der jeder Hausbesitzer für den Bereich vor seinem Haus zuständig war. Goethe griff sie in den „Zahmen Xenien“ auf.
Themen: NachbarnBescheidenheitStreit
QuelleGoethe
Siehe auch: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wie man's macht, ist es verkehrt. Die Wahrheit tut weh.
Ein jeder tue, was seines Amtes ist.
Sprichw.Jeder sollte die Aufgabe erledigen, für die er zuständig ist, und sich nicht in fremde einmischen.
Herkunft: Die Formel stammt aus der Ständelehre der frühen Neuzeit, nach der jedem sein Wirkungskreis zugewiesen war. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wo viele Hirten sind, wird übel gehütet.
Jugend hat keine Tugend.
Sprichw.Nachsichtige Feststellung darüber, dass junge Menschen unbedacht handeln.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sammlungen des 17. Jahrhunderts. „Tugend“ meint hier nicht Sittlichkeit, sondern Besonnenheit.
Themen: JugendLeichtsinnErfahrung
Siehe auch: Die Jugend ist trunken ohne Wein.
Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen, das Alter die Zeit, sie anzuwenden.
Sprichw.Jedes Lebensalter hat seine Aufgabe im Umgang mit Erfahrung.
Herkunft: Der Gedanke stammt von Jean-Jacques Rousseau aus „Emile oder über die Erziehung“ (1762).
QuelleRousseau
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin.
Die Jugend ist trunken ohne Wein.
Sprichw.Junge Menschen sind schon von sich aus überschwänglich, ohne dass es dazu eines Rausches bedürfte.
Herkunft: Der Ausspruch stammt aus Goethes „West-östlichem Divan“.
Themen: JugendTrinkenLeichtsinn
QuelleGoethe
Siehe auch: Jugend hat keine Tugend.
Jung gewohnt, alt getan.
Sprichw.Was man sich früh angewöhnt, behält man ein Leben lang bei.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz gehört zu einer Gruppe von Sprüchen, die aus der frühen Prägung eine lebenslange Festlegung ableiten.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. In der Jugend legt man den Grundstein für das Alter. Alte Bäume verpflanzt man nicht.
Die Katze lässt das Mausen nicht.
Sprichw.Alte Gewohnheiten legt niemand ab, auch wenn er es beteuert.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Gedanke findet sich bereits in einer Fabel Äsops von der in eine Frau verwandelten Katze, die beim Anblick einer Maus zurückfällt.
QuelleÄsop, Sprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Wolf verliert wohl die Haare, aber nicht die Tücke. Stille Wasser sind tief. Art lässt nicht von Art.
Kauf ist Kauf.
Sprichw.Ein abgeschlossener Kauf lässt sich nicht rückgängig machen.
Herkunft: Eine alte Rechtsregel, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Kinder sind der Eltern Spiegel.
Sprichw.Am Verhalten der Kinder zeigt sich, wie die Eltern mit ihnen umgehen.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Kinder lernen nicht, was man ihnen sagt, sondern was sie sehen. Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen. Wie der Vater, so der Sohn.
Kinder und Narren sagen die Wahrheit.
Sprichw.Wer nicht auf Rücksicht bedacht ist, spricht unverblümt aus, was andere verschweigen.
Herkunft: In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Narr am Hof durfte tatsächlich aussprechen, was anderen verboten war.
Themen: WahrheitKinderEhrlichkeit
Siehe auch: Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd. Trunkener Mund tut Wahrheit kund. Im Wein liegt Wahrheit.
Kleider machen Leute.
Sprichw.Wie jemand gekleidet ist, beeinflusst maßgeblich, wie er von anderen eingeschätzt wird.
Herkunft: Als Titel einer Novelle von Gottfried Keller aus dem Jahr 1874 endgültig geläufig geworden; die Redensart selbst ist älter.
Themen: ErfahrungReichtumHochmut
QuelleGottfried Keller
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.
Sprichw.Regelmäßige kleine Aufmerksamkeiten halten eine Beziehung lebendig.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Gemeint war ursprünglich die regelmäßige gegenseitige Gabe, die eine Beziehung im Gleichgewicht hält.
Themen: FreundschaftGroßzügigkeitNachbarn
Siehe auch: Freundschaft will gepflegt sein.
Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen.
Sprichw.Mit dem Alter der Kinder wachsen auch die Probleme, mit denen Eltern zu tun haben.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt und findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Themen: KinderElternFamilieAlter
Siehe auch: Wer sein Kind liebt, der züchtigt es. Kinder sind der Eltern Spiegel. Eltern können ihren Kindern nur zwei Dinge mitgeben: Wurzeln und Flügel.
Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen.
Sprichw.Wer wenig Macht hat, wird für dasselbe Vergehen härter belangt als der Mächtige.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitMachtArmut
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer hat, dem wird gegeben. Im Zweifel für den Angeklagten.
Kleinvieh macht auch Mist.
Sprichw.Auch geringe Beträge summieren sich mit der Zeit zu etwas Ansehnlichem.
Herkunft: Der Satz stammt aus der Landwirtschaft, in der Dung ein wirtschaftliches Gut war. Auch kleine Tiere trugen dazu messbar bei.
Themen: SparenGeldLandwirtschaftTiere
Siehe auch: Viele Wenig machen ein Viel. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
Der Klügere gibt nach.
Sprichw.Einen Streit zu beenden, indem man selbst zurücksteckt, gilt als das Vernünftigere.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Ihr wird gern die spöttische Fortsetzung angehängt, dass deshalb die Dummen die Welt beherrschen.
Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Sprichw.Ein bevorstehendes Ereignis kündigt sich meist schon vorher an.
Thomas Campbellschottischer Dichter, 1777 bis 1844
Herkunft: Übersetzung einer Zeile des schottischen Dichters Thomas Campbell aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Themen: ZukunftVorsichtErfahrung
QuelleThomas Campbell
Kommt der Wind von Ost, gibt es keinen Trost.
Sprichw.Bauernregel über den Ostwind, der in Mitteleuropa im Winter Kälte und im Sommer Trockenheit bringt.
Herkunft: Die Regel bildet die tatsächliche Windverteilung ab: Ostwind führt kontinentale Luft heran, also im Winter kalte und im Sommer trockene.
Themen: WetterLandwirtschaftJahreszeiten
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Kommt Zeit, kommt Rat.
Sprichw.Manche Probleme lösen sich, wenn man ihnen Zeit lässt, statt sofort zu handeln.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei den griechischen Tragikern. Im Deutschen ist der Reimspruch seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Die Zeit arbeitet für den, der warten kann. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Es ist noch nicht aller Tage Abend.
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