Auswahl
Alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft, Seite 5
451 Einträge mit Bedeutung · Seite 5 von 16
Graue Haare machen noch keinen Weisen.
Sprichw.Lebensjahre allein bringen keine Einsicht.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts belegt, verwandt mit dem Satz, dass Alter vor Torheit nicht schützt.
Themen: AlterKlugheit und DummheitErfahrung
Siehe auch: Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger. Mit den Jahren kommt die Weisheit. Jugend ist ein Fehler, der sich täglich bessert.
Ein Groschen gespart ist ein Groschen verdient.
Sprichw.Nicht ausgegebenes Geld zählt genauso wie eingenommenes.
Herkunft: Die Formel geht auf Benjamin Franklin zurück, der sie 1737 in seinem Almanach veröffentlichte.
QuelleBenjamin Franklin
Siehe auch: Sparen ist verdienen. Wer sparen will, muss zuerst rechnen. Wer nichts hat, kann nichts sparen.
Die größte Angst ist die vor der Angst.
Sprichw.Nicht die Gefahr lähmt, sondern die Vorstellung von ihr.
Herkunft: Der Gedanke stammt von Michel de Montaigne aus seinen „Essais“ (1580).
QuelleMontaigne
Siehe auch: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Wer viele fürchtet, muss viele fürchten. Wer im Dunkeln pfeift, hat Angst.
Gut Ding will Weile haben.
Sprichw.Sorgfältige Arbeit braucht Zeit und lässt sich nicht beschleunigen, ohne dass die Qualität leidet.
Herkunft: Die artikellose Fügung „gut Ding“ bewahrt eine ältere Sprachstufe, in der das Adjektiv vor dem Substantiv unflektiert bleiben konnte. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 15. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Was lange währt, wird endlich gut. Zweimal messen, einmal schneiden. Wie der Meister, so das Werk.
Gute Ware lobt sich selbst.
Sprichw.Was wirklich taugt, braucht keine Anpreisung.
Herkunft: Ein Kaufmannssprichwort, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Es ist die Gegenrede zur marktschreierischen Anpreisung.
Themen: HandelBerufBescheidenheit
Siehe auch: Wie der Meister, so das Werk. Wer nur auf den Preis sieht, kauft zweimal. Wer billig kauft, kauft zweimal.
Ein guter Name ist besser als Reichtum.
Sprichw.Ein tadelloser Ruf ist mehr wert als Vermögen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament (Sprüche 22,1).
Themen: EhrlichkeitReichtumBescheidenheit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer in Ehren alt wird, hat mehr erreicht als der, der reich stirbt. Im Handel ist der Ruf das Kapital. Besser arm in Ehren als reich in Schanden.
Guter Rat ist teuer.
Sprichw.Wird gesagt, wenn eine Lage so verfahren ist, dass niemand eine Lösung weiß.
Herkunft: „Teuer“ meint hier nicht den Preis, sondern die Seltenheit: Guter Rat ist schwer zu bekommen. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Klugheit und DummheitUnglückGeld
Siehe auch: Wer nichts übrig hat, kann nichts zurücklegen. Wer nichts hat, kann nichts sparen. Man braucht den Nachbarn erst, wenn es brennt.
Guter Rat kommt über Nacht.
Sprichw.Eine schwierige Entscheidung sollte man überschlafen, statt sie sofort zu treffen.
Herkunft: Die Wendung ist die deutsche Fassung des griechischen Gedankens, die Nacht sei ein guter Ratgeber; im Lateinischen als „in nocte consilium“ überliefert.
Auch: Man muss eine Sache überschlafen.
Themen: SchlafKlugheit und DummheitGeduld
Siehe auch: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Eifersucht ist ein schlechter Ratgeber. Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Ein guter Trunk macht Alte jung.
Sprichw.Scherzhafter Trinkspruch über die belebende Wirkung des Weins.
Herkunft: Ein Reimspruch aus dem deutschen Trinkliedgut des 17. Jahrhunderts.
Siehe auch: Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren. Ein Glas in Gesellschaft ist besser als eine Flasche allein. Der Fisch will schwimmen.
Ein guter Zaun macht gute Nachbarn.
Sprichw.Klare Grenzen ersparen den Streit darüber, wo sie verlaufen.
Herkunft: Ein englisches Sprichwort, das durch Robert Frosts Gedicht „Mending Wall“ (1914) allgemein bekannt wurde.
Themen: NachbarnStreitHaus und Heimat
QuelleRobert Frost
Siehe auch: Man soll alte Geschichten ruhen lassen.
Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
Sprichw.Wer sich nichts vorzuwerfen hat, schläft ruhig.
Herkunft: Der Reimspruch ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Der Gedanke findet sich bereits bei den römischen Moralphilosophen.
Themen: SchlafEhrlichkeitGesundheit
Siehe auch: Wer vertraut, schläft besser. Wer nicht schlafen kann, hat meist zu viel gedacht. Im Schlaf sind alle Menschen gleich.
Gutes Werkzeug ist halbe Arbeit.
Sprichw.Mit dem richtigen Gerät geht die Arbeit deutlich leichter von der Hand.
Herkunft: Eine Handwerksregel, in deutschen Sammlungen des 19. Jahrhunderts belegt.
QuelleSammlungen des 19. Jahrhunderts
Siehe auch: Nicht das Werkzeug macht den Meister. Wer zweimal nachdenkt, muss nur einmal handeln. Wer seine Arbeit plant, arbeitet halb so lange.
Eine Hand wäscht die andere.
Sprichw.Man hilft sich gegenseitig, weil beide Seiten davon profitieren.
Senecarömischer Philosoph und Staatsmann, um 1 bis 65 n. Chr.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Seneca („manus manum lavat“).
Themen: ZusammenhaltHandelNachbarn
QuelleSeneca
Siehe auch: Wie du mir, so ich dir. Wer vertraut, dem wird vertraut. Wer nichts gibt, dem wird nichts gegeben.
Die Hand, die die Wiege schaukelt, regiert die Welt.
Sprichw.Wer Kinder prägt, bestimmt mittelbar über die Zukunft.
William Ross Wallaceamerikanischer Dichter, 1819 bis 1881
Herkunft: Übersetzung einer Zeile aus einem Gedicht des amerikanischen Autors William Ross Wallace (1865).
Themen: ElternKinderMachtFamilie
QuelleWilliam Ross Wallace
Siehe auch: Wer sein Kind liebt, der züchtigt es. Was Eltern säen, ernten die Kinder. Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen.
Handwerk hat goldenen Boden.
Sprichw.Wer ein Handwerk beherrscht, hat eine verlässliche Existenzgrundlage.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem Zunftwesen und meinte ursprünglich den Boden im Wortsinn: die tragfähige Grundlage einer Existenz. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: BerufHandwerkArbeitGeld
Siehe auch: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Kein Meister ohne Lehrzeit. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.
Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Sprichw.Wer von einer Straftat profitiert, macht sich ebenso schuldig wie der Täter.
Herkunft: Alte Rechtsregel, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitEhrlichkeitGeld
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Mitgefangen, mitgehangen.
Heirate über den Mist, dann weißt du, wer sie ist.
Sprichw.Rat, jemanden aus der eigenen Nachbarschaft zu heiraten, weil man dort die Verhältnisse kennt. Der Mist meint den Misthaufen des Nachbarhofs.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts belegt, entstanden im bäuerlichen Umfeld.
Themen: EhePartnerschaftNachbarn
Herrschen heißt dienen.
Sprichw.Wer Verantwortung trägt, ist denen verpflichtet, für die er sie trägt.
Herkunft: Der Gedanke geht auf das Neue Testament zurück, wo der Größte der Diener aller sein soll (Markus 10,43).
Themen: MachtBerufBescheidenheit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer Macht hat, hat Verantwortung. Wie der Herr, so's Gescherr. Wer oben steht, steht allein.
Heute mir, morgen dir.
Sprichw.Was heute den einen trifft, trifft morgen den anderen. Verbreitete Inschrift auf Friedhöfen und Beinhäusern.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „hodie mihi, cras tibi“, das sich im Buch Jesus Sirach findet und seit dem Mittelalter als Grabinschrift verwendet wird.
Auch: Hodie mihi, cras tibi.
QuelleAltes Testament
Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.
Sprichw.Wer nichts unternimmt, darf auch auf keinen Beistand hoffen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in einer Fabel Äsops vom Fuhrmann, der um Hilfe ruft, statt selbst anzupacken.
QuelleÄsop
Siehe auch: Hoffen ohne Tun ist Träumen. Dem Glück muss man nachhelfen. Selbst ist der Mann.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Sprichw.Wer sich zu viel auf sich einbildet, wird umso härter enttäuscht.
Herkunft: Der Satz geht auf das biblische Buch der Sprüche (16,18) zurück.
Themen: HochmutMisserfolgBescheidenheit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer hoch zu Ross sitzt, fällt tief. Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Wer hoch steigt, fällt tief.
Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.
Sprichw.Wer nur wartet und nichts tut, wartet oft vergeblich.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: HoffnungGeduldMisserfolg
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Geduld ist bitter, aber ihre Frucht ist süß. Geduld bringt Rosen. Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendessen.
Die Hoffnung ist der Traum des Wachenden.
Sprichw.Hoffnung verhält sich zum Wachen wie der Traum zum Schlaf: Beide zeigen, was man sich wünscht.
Herkunft: Der Ausspruch wird Aristoteles zugeschrieben und ist bei Diogenes Laertios überliefert.
QuelleAristoteles, Diogenes Laertios
Siehe auch: Hoffen kostet nichts. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer den Mut verliert, hat alles verloren.
Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendessen.
Sprichw.Zuversicht hilft beim Anfangen, ersetzt aber kein Ergebnis.
Herkunft: Der Ausspruch stammt von Francis Bacon.
Themen: HoffnungErfahrungMisserfolg
QuelleFrancis Bacon
Siehe auch: Wer den Mut verliert, hat alles verloren. Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Wer blind vertraut, wird sehend enttäuscht.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Sprichw.Selbst in aussichtslosen Lagen bleibt meist ein Rest Zuversicht bestehen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in der Antike, unter anderem bei Cicero. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleCicero
Siehe auch: Hoffen kostet nichts. Die Hoffnung ist der Traum des Wachenden. Wer den Mut verliert, hat alles verloren.
Hunde, die bellen, beißen nicht.
Sprichw.Wer am lautesten droht, ist meist am wenigsten gefährlich.
Herkunft: Die Beobachtung ist alt und in vielen Sprachen belegt. Im Deutschen erscheint sie seit dem 16. Jahrhundert in Sprichwortsammlungen.
Siehe auch: Wer schreit, hat unrecht.
Hunger ist der beste Koch.
Sprichw.Wer richtig hungrig ist, dem schmeckt auch einfaches Essen ausgezeichnet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Cicero, der schreibt, der Hunger sei die Würze der Speise. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert belegt.
QuelleCicero
Siehe auch: In der Not schmeckt jedes Brot. Wer mit dem Essen spielt, hat noch keinen Hunger gekannt. Salz und Brot macht Wangen rot.
Im Alter wird der Mensch wieder Kind.
Sprichw.Am Lebensende kehren Angewiesenheit und Unmittelbarkeit der Kindheit zurück.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Literatur belegt und findet sich als deutsches Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert.
Siehe auch: Zwei, die sich brauchen, sind noch kein Paar.
Im Handel gilt das Wort.
Sprichw.Ein mündlich geschlossenes Geschäft ist ebenso bindend wie ein schriftliches.
Herkunft: Eine alte Kaufmannsregel, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: HandelEhrlichkeitVertrauen
Siehe auch: Ein Mann, ein Wort. Wer wenig verspricht, kann viel halten. Wer viel verspricht, hält wenig.
Im Wein liegt Wahrheit.
Sprichw.Unter Alkoholeinfluss sagen Menschen oft, was sie sonst für sich behalten.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „in vino veritas“, die auf ein griechisches Sprichwort zurückgeht.
Themen: TrinkenWahrheitEhrlichkeit
Siehe auch: Trunkener Mund tut Wahrheit kund. Der Wein erfindet nichts, er schwatzt es aus. Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.
Auf dieser Seite stehen alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft, jeweils mit Bedeutung. Alle weiteren Themen finden Sie im Themenregister, den gesamten Bestand im alphabetischen Verzeichnis.