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Alte Sprichwörter und ihre nachweisbare Herkunft, Seite 2
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Bauernregeln sind Erfahrung, keine Vorhersage.
Sprichw.Wetterregeln fassen Beobachtungen zusammen, sie sagen nichts voraus.
Herkunft: Eine Einordnung aus der modernen Meteorologie, die den statistischen Gehalt der Regeln untersucht hat.
Themen: WetterLandwirtschaftWissen
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön.
Ein Baum, den man oft versetzt, wächst nicht.
Sprichw.Wer ständig neu anfängt, kann nirgends richtig Fuß fassen.
Herkunft: Eine gärtnerische Erfahrung: Ein häufig umgepflanzter Baum bildet keine tragfähigen Wurzeln aus. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: VeränderungHaus und HeimatNatur
Beim Nachbarn ist das Gras immer grüner.
Sprichw.Aus der Ferne wirkt fremder Besitz besser als der eigene.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Ovid, der schreibt, die Ernte auf fremdem Feld sei stets ergiebiger.
QuelleOvid
Siehe auch: Wer vergleicht, verliert. Wer niemandem etwas gönnt, hat selbst am wenigsten. Wer neidet, hat vergessen, was er selbst hat.
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.
Sprichw.Ironischer Spruch: Zurückhaltung wird gelobt, hilft aber beim Vorankommen wenig.
Herkunft: Der Spruch parodiert die ältere Lehrformel von der Bescheidenheit als Zierde. Der grammatisch falsche Dativ am Ende ist Teil des Scherzes und kein Versehen.
Themen: BescheidenheitHochmutErfolg
Besitz verpflichtet.
Sprichw.Wer viel hat, trägt für den Umgang damit Verantwortung.
Herkunft: Die Formel geht auf Artikel 14 des deutschen Grundgesetzes zurück, wonach Eigentum verpflichtet; der Gedanke ist älter.
Themen: ReichtumGroßzügigkeitRecht und Gerechtigkeit
QuelleGrundgesetz
Siehe auch: Wer viel verschenkt, muss wenig bewachen. Wer gibt, macht sich frei. Wer viel hat, hat viel zu verlieren.
Besser arm in Ehren als reich in Schanden.
Sprichw.Ein guter Ruf wiegt schwerer als Vermögen, das auf unlautere Weise erworben wurde.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitArmutReichtum
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Armut schändet nicht. Wer in Ehren alt wird, hat mehr erreicht als der, der reich stirbt. Im Handel ist der Ruf das Kapital.
Besser beneidet als bemitleidet.
Sprichw.Missgunst zu ernten ist immer noch besser, als anderen leidzutun.
Herkunft: Der Gedanke wird dem griechischen Dichter Pindar zugeschrieben und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert als Reimspruch belegt.
QuellePindar
Siehe auch: Wer vergleicht, verliert. Wer neidet, hat vergessen, was er selbst hat. Neid lehrt nur vergleichen, nicht handeln.
Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Sprichw.Ein kleiner, sicherer Vorteil ist mehr wert als eine große, ungewisse Aussicht.
Herkunft: Der Gedanke ist in ganz Europa verbreitet und geht auf eine Fabel Äsops zurück, in der eine Nachtigall den Jäger vergeblich auf größere Beute verweist.
Auch: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Themen: VorsichtGeldTiereGeduld
QuelleÄsop
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. Leichtsinn ist teurer als Vorsicht.
Besser spät als nie.
Sprichw.Etwas verspätet zu tun ist immer noch besser, als es zu unterlassen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „potius sero quam numquam“, das bei Livius belegt ist.
QuelleLivius
Der beste Lehrer ist die Not.
Sprichw.Unter Druck lernt man schneller als in jedem Unterricht.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in der antiken Literatur und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer viel liest, weiß viel; wer viel wandert, sieht viel. Wer befehlen will, muss gehorchen gelernt haben. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.
Betrug schlägt seinen eigenen Herrn.
Sprichw.Wer andere hintergeht, schadet am Ende sich selbst.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitLügenRecht und Gerechtigkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer lügt, der trügt. Wer im Handel lügt, verkauft nur einmal. Unrecht Gut gedeihet nicht.
Bewegung ist die beste Medizin.
Sprichw.Regelmäßige Bewegung wirkt vorbeugend besser als jede Behandlung.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Hippokrates zurück, der das Gehen als beste Arznei des Menschen bezeichnete.
Themen: GesundheitAlterFleiß
QuelleHippokrates
Siehe auch: Wer maßhalten kann, braucht keinen Arzt.
Bleibe im Lande und nähre dich redlich.
Sprichw.Rat, in der vertrauten Umgebung zu bleiben und ehrlich sein Auskommen zu suchen.
Herkunft: Der Satz stammt aus Psalm 37 im Alten Testament.
Themen: Haus und HeimatArbeitReisen
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Ehrliche Arbeit macht keinen reich, aber ruhig.
Blut ist dicker als Wasser.
Sprichw.Im Zweifel hält man eher zu Verwandten als zu Außenstehenden.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 12. Jahrhundert in ähnlicher Fassung belegt. Die verbreitete Behauptung, sie habe ursprünglich das Gegenteil bedeutet und auf einen Blutsbund unter Kampfgefährten gezielt, lässt sich nicht nachweisen.
Themen: FamilieZusammenhaltFreundschaft
Siehe auch: Wer heiratet, heiratet die Familie mit.
Borgen macht Sorgen.
Sprichw.Wer sich Geld leiht, handelt sich damit Druck und Abhängigkeit ein.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Gleichklang der beiden Wörter hat ihm zu seiner Verbreitung verholfen.
Siehe auch: Wer Schulden macht, verkauft seine Freiheit. Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Geld und Freundschaft verträgt sich schlecht.
Doppelt gibt, wer schnell gibt.
Sprichw.Hilfe zur rechten Zeit ist doppelt so viel wert wie Hilfe, die auf sich warten lässt.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „bis dat qui cito dat“, die auf den römischen Autor Publilius Syrus zurückgeführt wird.
Auch: Wer schnell gibt, gibt doppelt.
Themen: GroßzügigkeitZusammenhaltDankbarkeitZeitFreundschaft
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Eine kleine Hilfe zur rechten Zeit ist mehr als eine große zu spät. Die kleinste Gabe zur rechten Zeit ist die größte. Wohltun trägt Zinsen.
Dreht der Wind, dreht das Wetter.
Sprichw.Ein Wechsel der Windrichtung kündigt fast immer eine neue Wetterlage an.
Herkunft: Die Regel hat einen physikalischen Kern: Ein Windsprung zeigt den Durchgang einer Luftmassengrenze an.
Siehe auch: Wetter und Laune ändern sich schnell. Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön. Der Himmel lügt nicht, aber man liest ihn falsch.
Eine dreifache Schnur reißt nicht leicht.
Sprichw.Was mehrfach verbunden ist, hält länger als das Einzelne.
Herkunft: Aus dem Buch Prediger im Alten Testament (Prediger 4,12), häufig als Trauspruch gewählt.
Themen: ZusammenhaltFreundschaftPartnerschaft
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Wer sich entschuldigen kann, ist der Stärkere. Einigkeit macht stark. Ein Finger allein macht keine Faust.
Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.
Sprichw.Wer für einen arbeitet, dem soll man auch seinen Anteil lassen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Alten Testament (5. Mose 25,4) und wird im Neuen Testament als Bild für gerechte Entlohnung aufgegriffen.
Themen: DankbarkeitArbeitLandwirtschaftTiere
QuelleAltes Testament, Neues Testament
Siehe auch: Ein Dank ist die halbe Bezahlung.
Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
Sprichw.Wer wenig weiß, hält oft besonders viel von sich.
Herkunft: Ein Reimspruch aus den deutschen Sprichwortsammlungen des 17. Jahrhunderts. Das gemeinsame Holz meint denselben Wuchsgrund, also dieselbe Ursache.
Themen: Klugheit und DummheitHochmut
Siehe auch: Wer über andere hinwegsieht, sieht auch nicht, wer ihm hilft. Graue Haare machen noch keinen Weisen. Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise beantworten können.
Durch dick und dünn gehen.
Sprichw.Jemandem in jeder Lage zur Seite stehen, auch wenn es schwierig wird.
Herkunft: „Dick“ meinte im Mittelhochdeutschen das Dickicht, „dünn“ das offene Feld. Wer durch dick und dünn geht, folgt einem anderen durch jedes Gelände.
Themen: PartnerschaftFreundschaftZusammenhalt
Siehe auch: In guten wie in schlechten Tagen.
Durch Schaden wird man klug.
Sprichw.Aus eigenen Fehlern lernt man nachhaltiger als aus guten Ratschlägen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „quae nocent, docent“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Aus Schaden wird man klug.
Themen: ErfahrungKlugheit und DummheitMisserfolg
Siehe auch: Irren ist menschlich. Aus einer Niederlage lernt man mehr als aus einem Sieg. Wer nur rechnet, verrechnet sich.
Eine Ehe ist ein langes Gespräch.
Sprichw.Was eine Verbindung trägt, ist weniger die Leidenschaft als das fortgesetzte Reden.
Friedrich NietzschePhilosoph, 1844 bis 1900
Herkunft: Der Gedanke stammt von Friedrich Nietzsche aus „Menschliches, Allzumenschliches“ (1878).
Themen: EhePartnerschaftFreundschaft
QuelleNietzsche
Siehe auch: Wer zusammen lachen kann, hält länger zusammen. In der Ehe zählt nicht der Hochzeitstag, sondern der Alltag. In der Ehe muss man verzeihen können.
Die Ehe ist Himmel und Hölle zugleich.
Sprichw.Dieselbe Verbindung bringt die größten Freuden und die größten Belastungen hervor.
Herkunft: Der Gedanke findet sich in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert, meist als Warnung vor überzogenen Erwartungen.
Themen: EhePartnerschaftLiebe
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Nicht die Feste zeigen ein Paar, sondern die Dienstage. In der Ehe entscheiden die kleinen Dinge.
Ehen werden im Himmel geschlossen.
Sprichw.Wer zueinanderfindet, sei nicht durch Zufall, sondern durch Bestimmung zusammengekommen.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die jüdische und christliche Überlieferung zurück, nach der die Zuordnung der Ehepartner vorherbestimmt sei. Im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer heiratet, tut gut; wer ledig bleibt, tut besser. Was kommen soll, das kommt. Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Ehre, wem Ehre gebührt.
Sprichw.Wer etwas geleistet hat, soll auch die Anerkennung dafür bekommen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Römerbrief des Neuen Testaments (Römer 13,7).
Themen: DankbarkeitRecht und GerechtigkeitBescheidenheit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer sich selbst genügt, braucht wenig Beifall. Ein Dank ist die halbe Bezahlung. Dank kostet nichts und wiegt doch schwer.
Ehrlich währt am längsten.
Sprichw.Wer aufrichtig handelt, fährt auf lange Sicht besser als jemand, der sich Vorteile erschwindelt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. „Währen“ steht hier im Sinne von dauern, nicht von sich bewähren.
Themen: EhrlichkeitWahrheitVertrauen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer sich verstellt, hält es nicht lange durch. Ein alter Freund ist besser als zwei neue. Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.
Eifersucht ist mehr Selbstliebe als Liebe.
Sprichw.Wer eifersüchtig ist, sorgt sich weniger um den anderen als um den eigenen Anspruch.
Herkunft: Der Gedanke stammt von François de La Rochefoucauld aus seinen „Maximen“ (1665).
Themen: EifersuchtLiebeHochmut
QuelleLa Rochefoucauld
Siehe auch: Wer eifersüchtig liebt, liebt sich selbst. Wer viel hat und wenig zeigt, hat am meisten.
Eigener Herd ist Goldes wert.
Sprichw.Ein eigenes Zuhause ist durch nichts zu ersetzen.
Herkunft: Der Herd war der Mittelpunkt des Hauses und in der Rechtssprache zugleich das Zeichen eines eigenen Hausstands. In deutschen Sprichwortsammlungen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Haus und HeimatFamilieOrdnung
Siehe auch: Trautes Heim, Glück allein. Ein Haus ohne Menschen ist nur ein Gebäude. Ein eigenes Dach ist mehr wert als ein fremder Palast.
Eigenlob stinkt.
Sprichw.Wer sich selbst lobt, macht damit auf andere einen schlechten Eindruck.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der derbe Vergleich mit dem Geruch findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Themen: BescheidenheitHochmut
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Wer viel hat und wenig zeigt, hat am meisten. Wer sich zu klein macht, wird übersehen.
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