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Kurze Sprichwörter mit höchstens vier Wörtern, Seite 3
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Die Liebe geht abwärts.
Sprichw.Die Zuwendung der Eltern zu den Kindern ist stärker als die der Kinder zu den Eltern.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „amor descendit“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Ein Vater ernährt eher zehn Kinder, als zehn Kinder einen Vater.
Liebe macht blind.
Sprichw.Wer verliebt ist, übersieht die Fehler des anderen.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Dichtung verbreitet, unter anderem bei Theokrit und Plautus. Die Darstellung des Liebesgottes mit verbundenen Augen ist eine mittelalterliche Zutat.
Themen: LiebePartnerschaftKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Eifersucht macht blind. Wer nichts fürchtet, ist nicht mutig, sondern unwissend. Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Lügen haben kurze Beine.
Sprichw.Eine Unwahrheit kommt in der Regel schnell heraus, weil sie sich nicht lange durchhalten lässt.
Herkunft: Das Bild ist das des Fliehenden, der mit kurzen Beinen nicht weit kommt: Die Lüge holt einen ein. Die Wendung ist in mehreren europäischen Sprachen in derselben Form verbreitet.
Themen: LügenWahrheitEhrlichkeitKinder
Siehe auch: Wer lügt, der trügt. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Die Wahrheit kommt ans Licht.
Macht geht vor Recht.
Sprichw.Wer stärker ist, setzt sich durch, gleichgültig wer im Recht ist.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde im 19. Jahrhundert zum politischen Schlagwort in der Auseinandersetzung um den Vorrang des Rechts.
Themen: MachtRecht und Gerechtigkeit
Siehe auch: Einigkeit macht stark.
Ein Mann, ein Wort.
Sprichw.Eine Zusage gilt, auch ohne dass sie schriftlich festgehalten wird.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem alten Handelsrecht, in dem der mündliche Abschluss bindend war. Sie ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitVertrauenHandel
Siehe auch: Versprochen ist versprochen. Wer viel verspricht, hält wenig. Versprechen und Halten sind zweierlei.
Mitgefangen, mitgehangen.
Sprichw.Wer bei einer Sache mitgemacht hat, trägt die Folgen mit, auch wenn er nur am Rand beteiligt war.
Herkunft: Der Reimspruch stammt aus der Rechtssprache und meinte ursprünglich die Mithaftung von Beteiligten. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitFreundschaftStreit
Siehe auch: Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Nach Regen kommt Sonnenschein.
Sprichw.Auch schwierige Zeiten gehen vorbei; auf eine schlechte Phase folgt wieder eine bessere.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „post nubila Phoebus“, wonach nach den Wolken die Sonne komme. Im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Auf Regen folgt Sonnenschein.
Siehe auch: Ohne Regen kein Regenbogen. Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Morgen ist auch noch ein Tag.
Neue Besen kehren gut.
Sprichw.Wer neu in einer Aufgabe ist, gibt sich besonders viel Mühe; oft mit dem Unterton, dass der Eifer nachlässt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Zusatz, der alte kenne dafür die Ecken, ist ebenso alt und gehört eigentlich dazu.
Neue Herren, neue Gesetze.
Sprichw.Mit einer neuen Führung ändern sich auch die Regeln.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt, entstanden in einer Zeit, in der ein Herrschaftswechsel tatsächlich neue Rechtsordnungen brachte.
Themen: MachtVeränderungRecht und Gerechtigkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Neuer Tag, neues Glück.
Sprichw.Jeder Tag beginnt unbelastet von dem, was gestern misslungen ist.
Herkunft: Eine volkstümliche Trostformel, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer den Mut verliert, hat alles verloren. Es ist noch immer gut gegangen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Not macht erfinderisch.
Sprichw.Wer wenig Mittel hat, findet oft überraschende Lösungen.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „mater artium necessitas“, wonach die Not die Mutter der Künste sei. Der Gedanke findet sich bereits bei Platon.
Themen: ArmutKlugheit und DummheitErfahrung
QuellePlaton
Ohne Fleiß kein Preis.
Sprichw.Ein Erfolg setzt Anstrengung voraus; geschenkt bekommt man nichts.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Schulliteratur des 18. Jahrhunderts. „Preis“ meint dabei den Siegespreis, nicht den Kaufpreis.
Themen: FleißErfolgArbeitSchule
Siehe auch: Es lernt sich nichts von selbst.
Ohne Regen kein Regenbogen.
Sprichw.Das Schöne setzt oft das Unangenehme voraus.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, im Deutschen erst seit dem späten 20. Jahrhundert verbreitet.
Siehe auch: Nach Regen kommt Sonnenschein. Auf jeden Winter folgt ein Frühling. Pech im Spiel, Glück in der Liebe.
Ordnung muss sein.
Sprichw.Kurze Feststellung, mit der auf die Einhaltung von Regeln gepocht wird.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert geläufig und wurde im Ausland zum Schlagwort für eine als typisch deutsch geltende Haltung.
Themen: Ordnung
Siehe auch: Ordnung ist das halbe Leben. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Papier ist geduldig.
Sprichw.Aufschreiben lässt sich alles; ob es auch zutrifft oder eingehalten wird, steht auf einem anderen Blatt.
Cicerorömischer Redner und Staatsmann, 106 bis 43 v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in einem Brief Ciceros.
QuelleCicero
Siehe auch: Worte sind Wind. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. Ein Schelm gibt mehr, als er hat.
Probieren geht über Studieren.
Sprichw.Eigene Versuche bringen oft mehr als theoretische Überlegungen.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt. Er stammt aus dem Gegensatz zwischen handwerklicher Erfahrung und gelehrter Bildung.
Themen: ErfahrungLernenHandwerk
Siehe auch: Erfahrung ist die beste Lehrmeisterin. Das Leben ist die beste Schule.
Reisen bildet.
Sprichw.Wer fremde Orte kennenlernt, erweitert seinen Horizont.
Herkunft: Die Formel geht auf die Bildungsreise des 18. Jahrhunderts zurück, die zur Ausbildung junger Adliger und Bürgersöhne gehörte.
Siehe auch: Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. Andere Länder, andere Sitten. Wer daheim bleibt, lernt die Welt nicht kennen.
Scheiden tut weh.
Sprichw.Jeder Abschied fällt schwer, selbst wenn er nötig ist.
Herkunft: Die Wendung stammt aus dem Volkslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“.
Themen: AbschiedLiebeFreundschaft
QuelleVolkslied
Siehe auch: Wer geht, lässt immer etwas zurück. Wer gehen will, den soll man nicht halten. Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
Der Schein trügt.
Sprichw.Der erste Eindruck führt oft in die Irre.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „fallaces sunt rerum species“, die bei Seneca belegt ist.
QuelleSeneca
Siehe auch: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge.
Selbst ist der Mann.
Sprichw.Wird gesagt, wenn jemand eine Sache lieber selbst erledigt, als sie anderen zu überlassen.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt und war ursprünglich ein Lob der Selbstständigkeit, nicht der Bastelei.
Auch: Selbst ist die Frau.
Siehe auch: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.
Sparen ist verdienen.
Sprichw.Ein nicht ausgegebener Betrag zählt genauso wie ein eingenommener.
Herkunft: Ein Kaufmannssprichwort, im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Wer nichts hat, kann nichts sparen. Wohltun trägt Zinsen. Wer den Kern essen will, muss die Nuss knacken.
Sparsamkeit erhält das Haus.
Sprichw.Ein Haushalt hält sich nicht durch das, was hereinkommt, sondern durch das, was nicht ausgegeben wird.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt und Teil der Hausväterliteratur, die den Haushalt als Wirtschaftseinheit beschrieb.
Themen: SparenGeizHaus und Heimat
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Geizige und der Verschwender kommen beide zu kurz. Wer nichts hat, kann nichts sparen. Sparen ist verdienen.
Sterben müssen wir alle.
Sprichw.Nüchterne Erinnerung daran, dass niemand dem Tod entgeht.
Herkunft: Die Formel ist die volkstümliche Fassung des lateinischen „memento mori“ und in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Der Tod macht alle gleich. Dem Tod entrinnt niemand. Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders.
Stille Wasser sind tief.
Sprichw.Zurückhaltende Menschen haben oft mehr Tiefe oder auch mehr Hintergedanken, als man ihnen zutraut.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem in einer lateinischen Fassung bei Quintus Curtius Rufus über ruhig fließende, aber tiefe Gewässer. Im Deutschen ist er seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ErfahrungKlugheit und DummheitVorsicht
QuelleCurtius Rufus
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wer viel weiß, redet wenig.
Strenge Eltern, milde Kinder.
Sprichw.Auf eine harte Erziehung folgt oft eine besonders nachgiebige der nächsten Generation.
Herkunft: In deutschen Sammlungen des 19. Jahrhunderts belegt.
QuelleSammlungen des 19. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer sein Kind liebt, der züchtigt es. Wer Kinder erzieht, erzieht sich selbst mit. Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen.
Dem Tod entrinnt niemand.
Sprichw.Nüchterne Feststellung der einzigen Gewissheit des Lebens.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „mors omnibus communis“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Sterben müssen wir alle. Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders. Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen.
Totgesagte leben länger.
Sprichw.Wer schon abgeschrieben war, hält sich oft überraschend lange.
Herkunft: Eine jüngere Formel des 20. Jahrhunderts, meist auf Einrichtungen und Unternehmen gemünzt, deren Ende vorschnell verkündet wurde.
Themen: AlterHoffnungGesundheit
Trautes Heim, Glück allein.
Sprichw.Zu Hause fühlt man sich am wohlsten.
Herkunft: Ein Hausspruch des 19. Jahrhunderts, der über Türen und auf Wandtellern angebracht wurde. „Traut“ meint vertraut, nicht angetraut.
Themen: Haus und HeimatFamilieGlück
Siehe auch: Eigener Herd ist Goldes wert.
Über alles wächst Gras.
Sprichw.Mit der Zeit verliert jedes Ereignis seine Schärfe und gerät in Vergessenheit.
Herkunft: Das Bild ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht auf die Beobachtung überwachsener Gräber und Ruinen zurück.
Themen: VergangenheitZeitUnglück
Siehe auch: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Übermut tut selten gut.
Sprichw.Wer über die Stränge schlägt, zahlt meist dafür.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: HochmutLeichtsinnVorsicht
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wasser hat keine Balken. Müßiggang ist aller Laster Anfang.
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