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Wissen

Bauernregeln: Stimmen sie?

Bauernregeln sind ein Sonderfall. Formal sind es Sprichwörter: kurz, gereimt, feststehend. Inhaltlich sind es Wettervorhersagen, und damit sind sie das einzige Genre im Sprichwortbestand, das man nachprüfen kann.

Drei Sorten

Regeln zu einem Stichtag

Sie knüpfen an einen Namenstag an: Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. oder Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.. Diese Regeln sind die bekanntesten und zugleich die umstrittensten.

Regeln zu Beobachtungen

Sie schließen von einem sichtbaren Zeichen auf die nächsten Stunden. Abendrot, Gutwetterbot; Morgenrot mit Regen droht. gehört dazu. Diese Gruppe ist die verlässlichste.

Scherzregeln

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist. macht sich über die Beliebigkeit mancher Prognose selbst lustig. Solche Verse sind alt und zeigen, dass die Skepsis nicht erst mit dem Wetterbericht aufkam.

Was davon stimmt

Beobachtungsregeln haben oft einen physikalischen Kern. Die Färbung des Abendhimmels hängt damit zusammen, aus welcher Richtung Luftmassen heranziehen, und in unseren Breiten kommt Wetter überwiegend aus Westen. Wer abends nach Westen in einen klaren, rot gefärbten Himmel sieht, blickt in die Richtung, aus der das Wetter der nächsten Stunden kommt.

Bei den Stichtagsregeln ist das Bild gemischt. Die Siebenschläferregel trifft in Mitteleuropa mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu, weil sich Ende Juni die sommerliche Großwetterlage einstellt, die dann einige Wochen anhält. Für die Eisheiligen gilt Ähnliches: Ein Kaltlufteinbruch Mitte Mai ist statistisch auffällig.

Der Kalenderfehler

Ein Punkt wird meist übersehen. Viele Bauernregeln sind älter als die Kalenderreform von 1582. Beim Übergang vom julianischen zum gregorianischen Kalender fielen zehn Tage weg. Wer eine alte Regel heute auf das Kalenderdatum bezieht, verschiebt sie also gegenüber dem Zeitraum, für den sie gedacht war. Beim Siebenschläfer bedeutet das eine Verschiebung um rund elf Tage.

Wie man sie lesen sollte

Bauernregeln sind verdichtete Langzeitbeobachtung aus einer Zeit ohne Messnetz und ohne Modelle. Sie beschreiben regionale Erfahrungswerte, kein Naturgesetz, und sie stammen aus einem Klima, das sich seither verändert hat. Als Prognosewerkzeug sind sie überholt. Als Zeugnis dafür, worauf Menschen geachtet haben, als das Wetter über die Ernte und damit über den Winter entschied, sind sie schwer zu übertreffen.

Alle Wetterregeln im Bestand stehen unter Wettersprichwörter und Jahreszeiten.