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Sprichwörter im Deutschunterricht
Sprichwörter tauchen im Deutschunterricht in zwei ganz verschiedenen Rollen auf: als Thema für Muttersprachler, bei denen es um Herkunft und Bildsprache geht, und als Lernstoff im Fach Deutsch als Fremdsprache, wo es um Verstehen und Anwenden geht. Die Anforderungen sind unterschiedlich.
Für Muttersprachler
Hier ist das Interessante nicht die Bedeutung, die kennen die meisten, sondern die Lücke dahinter. Warum sagt man das eigentlich? Ein Einstieg, der zuverlässig funktioniert: eine Redewendung an die Tafel schreiben, deren Bild vollständig unverständlich geworden ist, und raten lassen. Etwas auf dem Kerbholz haben eignet sich gut, ebenso Zeter und Mordio schreien.
Der zweite Schritt ist die Quellenfrage. Man lässt zu einer Wendung im Netz nach Erklärungen suchen, sammelt die Fundstücke und fragt, woran man merkt, welche davon erfunden ist. Das ist Medienkompetenz an einem Gegenstand, der harmlos genug ist, um offen darüber zu streiten. Der Beitrag über falsche Herkunftsgeschichten liefert das Material dazu.
Für Deutschlernende
Der Bestand ist zu groß, um ihn zu lernen, und die meisten Sammlungen sortieren nach Alphabet statt nach Nützlichkeit. Sinnvoller ist eine Reihenfolge nach Häufigkeit und Verständlichkeit.
- Zuerst die geläufigsten Sprichwörter. Ein paar Dutzend Sätze decken den größten Teil dessen ab, was tatsächlich gesagt wird. Wir haben sie unter bekannte Sprichwörter gesammelt.
- Dann Redewendungen mit durchsichtigem Bild. Jemandem die Daumen drücken oder Ins Schwarze treffen erklären sich fast von selbst, sobald man das Bild einmal gesehen hat.
- Danach Redewendungen mit undurchsichtigem Bild. Diese müssen als Vokabel gelernt werden, weil sich nichts ableiten lässt.
- Zuletzt die seltenen und die regionalen. Sie sind zum Erkennen nützlich, zum aktiven Gebrauch nicht.
Zwei Übungen, die gut funktionieren
Falsche Freunde. Man stellt ein deutsches Sprichwort neben die wörtliche Übersetzung seiner Entsprechung aus der Muttersprache der Lernenden. Fast immer wird ein anderes Bild verwendet, um dasselbe zu sagen. Das macht sichtbar, dass die Bildwahl willkürlich und die Bedeutung das Eigentliche ist.
Die passende Lage finden. Statt Bedeutungen abzufragen, gibt man eine Situation vor und lässt das passende Sprichwort auswählen. Damit wird geübt, was tatsächlich schwierig ist: nicht das Verstehen, sondern das Treffen des richtigen Moments.
Ein Hinweis zur Auswahl
Nicht alles, was in Sammlungen steht, ist im Unterricht brauchbar. Ein Teil des historischen Bestands transportiert Rollenbilder und Urteile über Menschengruppen, die man nicht kommentarlos üben lassen sollte. Wir führen solche Sätze, wo sie sprachgeschichtlich bedeutsam sind, aber sie gehören in den Unterricht nur mit Einordnung.
Für den Einstieg mit jüngeren Kindern gibt es eine eigene Auswahl unter Sprichwörter für Kinder.