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Was ist eine Redewendung?
Eine Redewendung ist eine feste Wortverbindung, deren Bedeutung sich nicht aus den einzelnen Wörtern erschließen lässt. Wer auf dem Schlauch steht, steht auf keinem Schlauch. Genau diese Lücke zwischen Wortlaut und Bedeutung macht eine Redewendung aus.
Merkmale
- Keine Satzform. Eine Redewendung ist ein Baustein, der in einen Satz eingesetzt wird und sich dabei grammatisch anpasst: er trifft ins Schwarze, sie hat ins Schwarze getroffen, wir werden ins Schwarze treffen.
- Übertragene Bedeutung. Das wörtliche Bild und die tatsächliche Bedeutung fallen auseinander. Den Kopf in den Sand stecken beschreibt niemanden, der sich bückt.
- Feste Bestandteile. Die Wörter lassen sich nicht durch Synonyme ersetzen. „Ins Dunkle treffen“ ergibt keinen Sinn, obwohl dunkel und schwarz nah beieinanderliegen.
- Oft eine Leerstelle. Viele Redewendungen brauchen ein Gegenüber, das erst im Satz eingesetzt wird: Jemandem den Hof machen oder Sich etwas hinter die Ohren schreiben. In Nachschlagewerken steht dafür „jemandem“ oder „sich“.
Woher die Bilder kommen
Ein großer Teil der deutschen Redewendungen stammt aus Lebensbereichen, die für die meisten Menschen abgeschlossen sind: Handwerk, Landwirtschaft, Seefahrt, Jagd, Militär, Kirche, Rechtsprechung, Spiel. Deshalb sind viele Bilder heute nicht mehr selbsterklärend.
- Handwerk und Bauwesen: Etwas unter Dach und Fach bringen kommt aus dem Fachwerkbau, wo das Fach das Feld zwischen den Balken bezeichnet.
- Schützenwesen: Den Vogel abschießen und Ins Schwarze treffen stammen beide vom Schießen, das eine vom Vogelschießen der Gilden, das andere von der Zielscheibe.
- Handel und Buchführung: Etwas auf dem Kerbholz haben verweist auf ein Holzstück, in das Schulden eingeritzt wurden.
- Recht: Zeter und Mordio schreien war ein förmlicher Hilferuf, der die Nachbarschaft zur Verfolgung des Täters verpflichtete.
- Spiel: Den Kürzeren ziehen kommt vom Losen mit Halmen, Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben vom Kartenspiel.
Vorsicht bei Herkunftsgeschichten
Für viele Wendungen kursieren Erklärungen, die gut klingen und sich nicht halten lassen. Redewendungen sind besonders anfällig dafür, weil ihr Bild nach einer Auflösung verlangt und weil eine hübsche Anekdote sich leichter merken lässt als ein Achselzucken.
In diesem Nachschlagewerk gilt deshalb: Genannt wird nur, was sich belegen lässt. Wo die Herkunft ungeklärt ist, steht das ausdrücklich da, statt eine gefällige Geschichte einzusetzen. Mehr dazu im Beitrag über falsche Herkunftsgeschichten.
Alle Redewendungen dieses Nachschlagewerks sind nach Themen sortiert.