Auswahl
Redewendungen mit Bedeutung und Herkunft
Redewendungen sind der Teil der Sprache, der sich am wenigsten von selbst erklärt: Ihr Sinn ergibt sich nicht aus den einzelnen Wörtern. Diese Seite sammelt die Wendungen, deren Bild aus einem Bereich stammt, den heute kaum noch jemand kennt, vom Handwerk über die Jagd bis zur alten Rechtssprache.
167 Einträge mit Bedeutung · Seite 1 von 6
Jemanden abblitzen lassen
Redew.Eine Werbung deutlich zurückweisen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Steinschlossgewehr: Zündete das Pulver auf der Pfanne, ohne den Schuss auszulösen, sprach man vom Abblitzen.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Sich eine Abfuhr holen Einen Korb bekommen Jemandem die kalte Schulter zeigen
Sich eine Abfuhr holen
Redew.Deutlich zurückgewiesen werden.
Herkunft: „Abfuhr“ stammt aus der studentischen Fechtsprache, wo der Unterlegene vom Platz geführt wurde.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Jemanden abblitzen lassen Einen Korb bekommen Jemandem die kalte Schulter zeigen
Alle Jubeljahre
Redew.Nur sehr selten, in unregelmäßigen und großen Abständen.
Herkunft: Das Jubeljahr ist ursprünglich das alle fünfzig Jahre begangene Erlassjahr des Alten Testaments.
Themen: Alltag
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Über kurz oder lang
Alle Register ziehen
Redew.Sämtliche verfügbaren Mittel einsetzen.
Herkunft: Aus dem Orgelbau: Die Register bestimmen, welche Pfeifenreihen klingen. Wer alle zieht, nutzt die volle Kraft des Instruments.
Siehe auch: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben
Alles auf eine Karte setzen
Redew.Den gesamten Einsatz auf eine einzige Möglichkeit legen.
Herkunft: Das Bild stammt vom Kartenspiel, wo der Spieler seinen Einsatz auf eine Karte legt.
Themen: ArbeitGlück und Pech
Siehe auch: Hart am Wind segeln Den Trumpf ausspielen Den Bock zum Gärtner machen
Alles grau in grau sehen
Redew.Die Lage durchweg trübe einschätzen.
Herkunft: Die Wendung ist eine Malereimetapher: Grau in Grau bezeichnet eine Technik, bei der ein Bild ausschließlich in Grautönen ausgeführt wird. Sie heißt fachsprachlich Grisaille.
Themen: Menschen und VerhaltenFarben
Siehe auch: Schwarzsehen
Am Ball bleiben
Redew.Eine Sache konsequent weiterverfolgen und nicht nachlassen.
Herkunft: Die Wendung stammt aus dem Ballsport.
Siehe auch: Die Stellung halten
Am seidenen Faden hängen
Redew.In höchster Gefahr schweben, sehr ungewiss sein.
Herkunft: Das Bild geht auf die Sage vom Schwert des Damokles zurück, das an einem Rosshaar über dem Thron hing.
Themen: Glück und PechAlltag
Siehe auch: Auf der Kippe stehen Ein Danaergeschenk
Jemanden an den Pranger stellen
Redew.Jemanden öffentlich bloßstellen.
Herkunft: Der Pranger war bis ins 19. Jahrhundert ein Ort der öffentlichen Beschämung von Verurteilten.
Themen: Menschen und VerhaltenSprache und Kommunikation
Siehe auch: Jemandem den Kopf waschen Jemanden in die Pfanne hauen Ein dickes Fell haben
Etwas an die große Glocke hängen
Redew.Eine Angelegenheit weitererzählen, die besser vertraulich geblieben wäre.
Herkunft: Die Glocke im Turm rief die Gemeinde zusammen, wenn etwas Wichtiges bekanntgegeben wurde.
Themen: Sprache und Kommunikation
Die Ärmel hochkrempeln
Redew.Sich tatkräftig an die Arbeit machen.
Herkunft: Vor körperlicher Arbeit wurden die Ärmel zurückgeschlagen, damit sie nicht störten oder schmutzig wurden. Die Geste ist zum Bild für den Entschluss geworden, anzupacken.
Siehe auch: In die Hände spucken
Auf das falsche Pferd setzen
Redew.Sich für die Möglichkeit entscheiden, die sich als die schlechtere erweist.
Herkunft: Das Bild stammt vom Wetten beim Pferderennen.
Themen: Glück und PechTiere
Siehe auch: Die Katze im Sack kaufen Den Bock zum Gärtner machen Das Pferd von hinten aufzäumen
Auf dem hohen Ross sitzen
Redew.Überheblich auftreten und auf andere herabsehen.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Zeit, als nur Ritter und Vornehme zu Pferd unterwegs waren und buchstäblich auf die Fußgänger herabsahen.
Auch: Sich aufs hohe Ross setzen
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
Siehe auch: Die Nase hoch tragen Das Pferd von hinten aufzäumen Auf das falsche Pferd setzen
Etwas auf dem Kerbholz haben
Redew.Sich etwas haben zuschulden kommen lassen.
Herkunft: Auf Kerbhölzern wurden Schulden durch eingeritzte Kerben festgehalten; das Holz wurde geteilt, damit keine Seite nachträglich etwas hinzufügen konnte.
Themen: GeldMenschen und Verhalten
Siehe auch: Auf Pump leben Jemandem den Schwarzen Peter zuschieben Den Kopf hinhalten müssen
Auf den Busch klopfen
Redew.Vorsichtig etwas in Erfahrung bringen wollen.
Herkunft: Ebenfalls aus der Jägersprache: Treiber schlugen ins Gebüsch, um zu sehen, ob Wild darin steckt.
Auf der Strecke bleiben
Redew.Im Wettbewerb oder Verlauf einer Entwicklung nicht mithalten können und ausscheiden.
Herkunft: Die Wendung stammt aus der Jägersprache: Erlegtes Wild wurde auf der sogenannten Strecke abgelegt. Wer auf der Strecke bleibt, kommt nicht mehr mit.
Themen: ArbeitGlück und PechErfolg
Siehe auch: Etwas in den Sand setzen Baden gehen Sich an etwas die Zähne ausbeißen
Auf Freiersfüßen wandeln
Redew.Auf der Suche nach einem Ehepartner sein.
Herkunft: „Freier“ ist das alte Wort für den Werbenden. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: LiebeMenschen und Verhalten
Siehe auch: Um jemandes Hand anhalten Sich jemandem an den Hals werfen Jemandem schöne Augen machen
Auf Hochtouren laufen
Redew.Mit voller Leistung und hoher Geschwindigkeit arbeiten, meist über einen längeren Zeitraum.
Herkunft: Die Touren sind die Umdrehungen einer Maschine. Läuft sie auf Hochtouren, arbeitet sie mit voller Drehzahl. Die Wendung ist mit der Industrialisierung in die Alltagssprache gekommen.
Siehe auch: Einen Zahn zulegen
Auf verlorenem Posten stehen
Redew.In einer Lage kämpfen, die nicht mehr zu gewinnen ist.
Herkunft: Der verlorene Posten war im Militär die vorgeschobene Stellung, deren Besatzung im Ernstfall geopfert wurde.
Themen: Glück und PechArbeit
Siehe auch: Ein Fass ohne Boden
Ein Auge auf jemanden werfen
Redew.Interesse an jemandem fassen und ihn als möglichen Partner ins Auge nehmen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch Daniel im Alten Testament, wo die Ältesten ihre Augen auf Susanna werfen.
Themen: LiebeKörperMenschen und Verhalten
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Sich jemandem an den Hals werfen Jemandem schöne Augen machen Jemandem den Hof machen
Kein Auge zutun
Redew.Die ganze Nacht wach liegen, meist vor Sorge oder Aufregung.
Herkunft: Wörtlich zu nehmen: Wer wach liegt, schließt die Augen nicht. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Jemanden aus dem Feld schlagen
Redew.Einen Konkurrenten vollständig verdrängen.
Herkunft: Das Feld ist das Schlachtfeld. Wer den Gegner daraus schlägt, hat ihn vollständig verdrängt. Die Wendung ist aus der Militärsprache in den Wettbewerb übergegangen.
Siehe auch: Das Rennen machen Es geht um die Wurst Die Oberhand gewinnen
Aus dem Takt geraten
Redew.Aus dem gewohnten Ablauf gebracht werden.
Herkunft: Der Takt kommt aus der Musik und bezeichnet das gleichmäßige Zeitmaß. Wer aus dem Takt gerät, verliert den Gleichschritt mit den anderen.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
Sich aus der Affäre ziehen
Redew.Sich geschickt aus einer heiklen Lage befreien, ohne Schaden zu nehmen.
Herkunft: „Affäre“ ist aus dem Französischen entlehnt und meinte ursprünglich das Gefecht. Wer sich daraus zieht, entkommt ohne Schaden.
Themen: Menschen und Verhalten
Aus heiterem Himmel
Redew.Völlig unerwartet und ohne Vorzeichen.
Herkunft: Das Bild ist das eines Blitzes bei wolkenlosem Himmel; die ausführlichere Fassung spricht vom Blitz aus heiterem Himmel.
Themen: AlltagGlück und Pech
Siehe auch: Aus allen Wolken fallen
Jemandem einen Bärendienst erweisen
Redew.In guter Absicht helfen und damit alles schlimmer machen.
Jean de La Fontainefranzösischer Fabeldichter, 1621 bis 1695
Herkunft: Geht auf eine Fabel von La Fontaine zurück, in der ein Bär seinem schlafenden Herrn eine Fliege mit einem Stein von der Stirn schlägt.
Themen: Menschen und VerhaltenTiere
QuelleLa Fontaine
Siehe auch: Jemandem unter die Arme greifen
Einen Bärenhunger haben
Redew.Sehr großen Hunger haben, wie nach langer körperlicher Arbeit.
Herkunft: Der Bär dient in mehreren deutschen Wortbildungen als Verstärkung, etwa bei Bärenkräften und Bärenhitze.
Themen: Essen und TrinkenTiere
Bei jemandem in der Kreide stehen
Redew.Bei jemandem Schulden haben, meist über einen längeren Zeitraum angewachsen.
Herkunft: Wirte notierten offene Zechen früher mit Kreide auf einer Tafel.
Themen: Geld
Siehe auch: Etwas auf dem Kerbholz haben Auf Pump leben
Berge versetzen
Redew.Außergewöhnlich Schwieriges bewirken.
Herkunft: Die Wendung geht auf das Neue Testament zurück (1. Korinther 13,2).
Themen: ErfolgMenschen und Verhalten
QuelleNeues Testament
Bis in die Puppen
Redew.Sehr lange, meist bis tief in die Nacht.
Herkunft: Die Wendung geht auf den Berliner Tiergarten zurück, wo am Großen Stern Standbilder aufgestellt waren, die im Volksmund Puppen hießen. Der Weg dorthin galt als weit.
Themen: AlltagMenschen und Verhalten
Siehe auch: Die Sau rauslassen
Auf dieser Seite stehen redewendungen mit Bedeutung und Herkunft, jeweils mit Bedeutung. Alle weiteren Themen finden Sie im Themenregister, den gesamten Bestand im alphabetischen Verzeichnis.
Weiter im Nachschlagewerk