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Deutsche Sprichwörter: Bestand, Themen und Bedeutung, Seite 6
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Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.
Sprichw.Scherzhafte Bauernregel, die sich über die Beliebigkeit mancher Wetterprognosen lustig macht.
Herkunft: Ein Spottvers auf die Beliebigkeit mancher Bauernregel. Er ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert belegt und zeigt, dass die Skepsis gegenüber Wetterregeln nicht erst mit dem Wetterbericht aufkam.
Themen: WetterTiereJahreszeiten
Siehe auch: Fliegen die Schwalben niedrig, kommt Regen. Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt.
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Sprichw.Wer eine riskante Sache oft genug wiederholt, wird irgendwann Schiffbruch erleiden.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 14. Jahrhundert belegt und in fast allen europäischen Sprachen verbreitet. Der Krug steht für den alltäglichen, oft wiederholten Gang.
Themen: VorsichtLeichtsinnSchicksal
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen.
Kurze Rechnung, lange Freundschaft.
Sprichw.Wer offene Beträge schnell begleicht, erhält sich die gute Beziehung.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Französischen, wo von kurzen Rechnungen und langer Freundschaft die Rede ist.
Themen: GeldFreundschaftHandel
Das Leben ist kein Wunschkonzert.
Sprichw.Man bekommt nicht, was man sich aussucht, sondern was kommt.
Herkunft: Die Formel bezieht sich auf die Radiosendung „Wunschkonzert“, die es im deutschen Rundfunk seit den 1930er Jahren gab.
Themen: LebenErfahrungSchicksal
Siehe auch: Man muss das Leben nehmen, wie es ist. Was sein muss, muss sein.
Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.
Sprichw.Ein Leben reicht nicht aus, um ein Fach ganz zu beherrschen.
Herkunft: Der erste Aphorismus des Hippokrates, lateinisch als „ars longa, vita brevis“ überliefert.
QuelleHippokrates
Siehe auch: Übung macht den Meister. Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders. Sterben müssen wir alle.
Der leerste Krug klingt am lautesten.
Sprichw.Wer am wenigsten zu bieten hat, macht am meisten Aufhebens.
Herkunft: Das Bild ist alt und findet sich in mehreren europäischen Sprachen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: HochmutKlugheit und DummheitBescheidenheit
Siehe auch: Wer viel weiß, redet wenig. Eigenlob stinkt.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Sprichw.Wer noch in der Ausbildung ist, muss Mühen und Anweisungen hinnehmen.
Herkunft: Die Wendung stammt aus dem Zunftwesen und bezog sich auf die Stellung des Lehrlings gegenüber dem Meister.
Themen: BerufHandwerkLernenFleiß
Siehe auch: Handwerk hat goldenen Boden.
Leicht versprochen, schwer gehalten.
Sprichw.Eine unbedachte Zusage wird oft zur Last.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: LeichtsinnLügenVertrauen
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer viel verspricht, hält wenig. Versprechen und Halten sind zweierlei. Wer Eifersucht sät, erntet Misstrauen.
Lernen ist wie Rudern gegen den Strom.
Sprichw.Wer aufhört zu üben, fällt zurück, statt stehenzubleiben.
Herkunft: Die Formel wird häufig Laozi oder Konfuzius zugeschrieben, stammt aber nachweislich aus einem deutschen Schulbuch des 19. Jahrhunderts.
Siehe auch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Es fällt kein Baum auf den ersten Hieb.
Man lernt nie aus.
Sprichw.Auch wer viel weiß, stößt immer wieder auf Neues.
Herkunft: Die Formel ist eine Verkürzung des älteren Satzes, man lerne, solange man lebe, der als lateinisches „tamdiu discendum est, quamdiu vivas“ bei Seneca belegt ist.
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer viel fragt, bekommt viel Antwort. Wer nicht fragt, bleibt dumm. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.
Das letzte Hemd hat keine Taschen.
Sprichw.Besitz nützt am Ende nichts, weil man nichts davon mitnehmen kann.
Herkunft: Das Totenhemd hat tatsächlich keine Taschen. Der Gedanke selbst ist älter und findet sich im ersten Timotheusbrief des Neuen Testaments, wonach wir nichts in die Welt gebracht haben und nichts hinausbringen werden.
Themen: TodReichtumGeldBescheidenheit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer gibt, macht sich frei. Geld allein macht nicht glücklich. Der Geizige besitzt sein Geld nicht, sein Geld besitzt ihn.
Der Letzte macht das Licht aus.
Sprichw.Scherzhafte Aufforderung an denjenigen, der als Letzter geht; auch als Kommentar zu einem Niedergang gebraucht.
Herkunft: Eine umgangssprachliche Formel des 20. Jahrhunderts, im politischen Sprachgebrauch der 1980er Jahre verbreitet.
Den Letzten beißen die Hunde.
Sprichw.Wer zu spät kommt oder als Letzter übrig bleibt, trägt den Schaden.
Herkunft: Das Bild stammt von der Hetzjagd: Die Hunde greifen das Tier an, das zurückbleibt. Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TiereMisserfolgZeit
Die Letzten werden die Ersten sein.
Sprichw.Die Rangordnung kann sich vollständig umkehren; oft als Trost für Benachteiligte gebraucht.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Matthäusevangelium (Matthäus 20,16).
Themen: SchicksalRecht und GerechtigkeitHoffnung
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Auf einen strengen Winter folgt ein guter Sommer.
Die Liebe geht abwärts.
Sprichw.Die Zuwendung der Eltern zu den Kindern ist stärker als die der Kinder zu den Eltern.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „amor descendit“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Ein Vater ernährt eher zehn Kinder, als zehn Kinder einen Vater.
Liebe macht blind.
Sprichw.Wer verliebt ist, übersieht die Fehler des anderen.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Dichtung verbreitet, unter anderem bei Theokrit und Plautus. Die Darstellung des Liebesgottes mit verbundenen Augen ist eine mittelalterliche Zutat.
Themen: LiebePartnerschaftKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Eifersucht macht blind. Wer nichts fürchtet, ist nicht mutig, sondern unwissend. Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Macht geht vor Recht.
Sprichw.Wer stärker ist, setzt sich durch, gleichgültig wer im Recht ist.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde im 19. Jahrhundert zum politischen Schlagwort in der Auseinandersetzung um den Vorrang des Rechts.
Themen: MachtRecht und Gerechtigkeit
Siehe auch: Einigkeit macht stark.
Ein magerer Vergleich ist besser als ein fetter Prozess.
Sprichw.Eine Einigung mit Abstrichen kostet weniger als ein gewonnener Rechtsstreit.
Herkunft: Eine alte Juristenweisheit, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Ein Mann, ein Wort.
Sprichw.Eine Zusage gilt, auch ohne dass sie schriftlich festgehalten wird.
Herkunft: Die Formel stammt aus dem alten Handelsrecht, in dem der mündliche Abschluss bindend war. Sie ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: EhrlichkeitVertrauenHandel
Siehe auch: Versprochen ist versprochen. Wer viel verspricht, hält wenig. Versprechen und Halten sind zweierlei.
Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Sprichw.Pläne können durchkreuzt werden: Der Ausgang liegt nicht allein in menschlicher Hand.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits im biblischen Buch der Sprüche (16,9).
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Niemand weiß, was der morgige Tag bringt. Ehen werden im Himmel geschlossen. Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, nur vorbereiten.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Sprichw.Neben dem Materiellen braucht der Mensch auch anderes, um zufrieden zu sein.
Herkunft: Der Satz stammt aus der Bibel (5. Mose 8,3 und Matthäus 4,4).
QuelleAltes Testament, Neues Testament
Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Sprichw.Jeder darf selbst entscheiden, was ihn glücklich macht; oft resigniert gesagt, wenn jemand auf einem Irrtum beharrt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Ursprünglich als Zugeständnis an die Entscheidungsfreiheit gemeint, heute meist resigniert gebraucht.
Themen: LebenVeränderungMut
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer Neues wagt, muss Altes lassen. Wer nichts zu verlieren hat, fürchtet nichts. Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Mit den Jahren kommt die Weisheit.
Sprichw.Lebenserfahrung bringt ein Urteil hervor, das sich nicht anlesen lässt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich im Buch Hiob des Alten Testaments, wonach bei den Betagten die Weisheit sei. Als deutsche Formel seit dem 18. Jahrhundert geläufig.
QuelleAltes Testament, Buch Hiob
Siehe auch: Alter schützt vor Torheit nicht.
Mit Speck fängt man Mäuse.
Sprichw.Mit einem passenden Anreiz erreicht man mehr als mit Nachdruck.
Herkunft: Ein Bild aus der Schädlingsbekämpfung, im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Gemeint ist der wirksame Köder, nicht die Gewalt.
Themen: Klugheit und DummheitTiereHandel
Mitgefangen, mitgehangen.
Sprichw.Wer bei einer Sache mitgemacht hat, trägt die Folgen mit, auch wenn er nur am Rand beteiligt war.
Herkunft: Der Reimspruch stammt aus der Rechtssprache und meinte ursprünglich die Mithaftung von Beteiligten. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitFreundschaftStreit
Siehe auch: Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler.
Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.
Sprichw.Eine günstige Gelegenheit muss sofort genutzt werden, sonst ist sie vorbei.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Schmiedearbeit: Nur glühendes Eisen lässt sich formen.
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.
Sprichw.Eine Gelegenheit zur Freude sollte man wahrnehmen, wenn sie sich bietet.
Herkunft: „Fallen“ bezieht sich auf den Kalender: Die Feste fallen auf bestimmte Tage. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: GlückLebenJahreszeiten
Siehe auch: Dem Glück muss man nachhelfen.
Dem Mutigen gehört die Welt.
Sprichw.Wer sich etwas traut, dem stehen die Möglichkeiten offen.
Herkunft: Die Formel geht auf das lateinische „audentes fortuna iuvat“ bei Vergil zurück und ist im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert in dieser Fassung geläufig.
QuelleVergil
Siehe auch: Wer nie verliert, hat nie gespielt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Es ist noch nicht aller Tage Abend.
Nach dem Essen sollst du ruhn oder tausend Schritte tun.
Sprichw.Alte Gesundheitsregel: Nach der Mahlzeit hilft entweder Ruhe oder ein Spaziergang.
Herkunft: Eine Gesundheitsregel der Diätetik, die auf die mittelalterliche Schule von Salerno zurückgeht.
Themen: EssenGesundheitSchlaf
QuelleSchule von Salerno
Nach Regen kommt Sonnenschein.
Sprichw.Auch schwierige Zeiten gehen vorbei; auf eine schlechte Phase folgt wieder eine bessere.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „post nubila Phoebus“, wonach nach den Wolken die Sonne komme. Im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Auf Regen folgt Sonnenschein.
Siehe auch: Ohne Regen kein Regenbogen. Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Morgen ist auch noch ein Tag.
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