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Deutsche Sprichwörter: Bestand, Themen und Bedeutung, Seite 11
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Viele Hände, schnelles Ende.
Sprichw.Eine Arbeit ist rasch getan, wenn viele mit anpacken.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Viele Hände machen schnell ein Ende.
Themen: ArbeitZusammenhaltFleiß
Siehe auch: Einer allein baut kein Haus. Ein Finger allein macht keine Faust. Zeit und Stunde warten auf niemanden.
Viele Hunde sind des Hasen Tod.
Sprichw.Gegen eine Übermacht hat auch der Geschickteste keine Chance.
Herkunft: Aus der Hetzjagd: Ein einzelner Hund holt den Hasen nicht ein, eine Meute schon. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TiereZusammenhaltMacht
Siehe auch: Gleiche Brüder, gleiche Kappen.
Viele Köche verderben den Brei.
Sprichw.Wenn zu viele Leute an derselben Sache mitreden, wird das Ergebnis schlechter statt besser.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und findet sich in ähnlicher Form in zahlreichen europäischen Sprachen. Der Brei steht dabei für die einfachste denkbare Speise, an der eigentlich nichts misslingen kann.
Themen: ArbeitZusammenhaltEssen
Siehe auch: Wo viele Hirten sind, wird übel gehütet. Ein jeder tue, was seines Amtes ist.
Viele Tropfen machen ein Meer.
Sprichw.Auch der kleinste Beitrag zählt, wenn viele ihn leisten.
Herkunft: Die Formel übersetzt ein lateinisches Sprichwort und ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: ZusammenhaltSparenNatur
Siehe auch: Viele Wenig machen ein Viel. Wer allein geht, geht schneller; wer zusammen geht, kommt weiter. Viele Hände, schnelles Ende.
Viele Wenig machen ein Viel.
Sprichw.Viele kleine Anteile ergeben zusammengenommen eine große Menge.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „multa pauca faciunt unum multum“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: SparenGeldZusammenhalt
Siehe auch: Kleinvieh macht auch Mist. Wer im Kleinen nicht spart, spart im Großen vergebens. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.
Vier Augen sehen mehr als zwei.
Sprichw.Wer eine Sache zu zweit prüft, entdeckt mehr Fehler als allein.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und stammt aus dem Zusammenhang der gegenseitigen Prüfung bei Rechnungen und Urkunden.
Themen: ZusammenhaltKlugheit und DummheitArbeit
Siehe auch: Wer alles kontrolliert, hat nie vertraut.
Ein voller Bauch studiert nicht gern.
Sprichw.Nach einer reichlichen Mahlzeit fällt geistige Arbeit schwer.
Herkunft: Ein Reimspruch aus der Studentensprache, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: EssenLernenFaulheitSchule
Siehe auch: Wer nichts tut, hat nie Zeit. Faulheit und Armut sind Nachbarn. Faulheit ist die Mutter aller Ausreden.
Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Sprichw.Bauernregel zu den Eisheiligen Mitte Mai, nach denen erst danach frostfrei gepflanzt werden soll.
Herkunft: Bezieht sich auf die Namenstage der Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai, an denen in Mitteleuropa häufig ein letzter Kaltlufteinbruch auftritt.
Themen: WetterJahreszeitenLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Viel Nebel im November, viel Schnee im Winter.
Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.
Sprichw.Der Ausgang eines Verfahrens ist ebenso wenig vorhersehbar wie das Wetter auf See.
Herkunft: Alte Juristenweisheit, im deutschen Sprachraum seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Themen: Recht und GerechtigkeitSchicksalReisen
Siehe auch: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Niemand weiß, was der morgige Tag bringt.
Vorbeugen ist besser als heilen.
Sprichw.Ein Schaden lässt sich leichter verhindern als hinterher beheben.
Herkunft: Die Formel übersetzt den medizinischen Grundsatz „praestat cautela quam medela“, wonach Vorsicht besser sei als Heilmittel.
Auch: Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Themen: ZukunftGesundheitVorsicht
Siehe auch: Wer nichts zurücklegt, lebt von der Hand in den Mund. Wer den Körper vernachlässigt, merkt es zuletzt. Sparen heißt heute verzichten, um morgen zu können.
Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.
Sprichw.Was zunächst verborgen bleibt, kommt mit den Jahren heraus.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „veritas filia temporis“, das bei Aulus Gellius belegt ist und im 16. Jahrhundert zum Wahlspruch wurde.
QuelleAulus Gellius
Siehe auch: Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Wer sich verstellt, hält es nicht lange durch. Schneller Erfolg hält am kürzesten.
Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Sprichw.Bei zwei gegensätzlichen Darstellungen trifft meist keine ganz zu.
Herkunft: Die Formel geht auf die aristotelische Lehre von der Mitte zwischen zwei Extremen zurück, im Lateinischen als „in medio stat veritas“ überliefert.
Themen: WahrheitStreitKlugheit und Dummheit
Siehe auch: Jedes Ding hat zwei Seiten. Wissen ist nicht Weisheit. Wer wenig weiß, zweifelt selten.
Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen.
Sprichw.Nichts bleibt auf Dauer unbemerkt, auch nicht das, was man im Verborgenen tut.
Herkunft: Der Vers ist in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt und gehört in den Zusammenhang der Warnung vor unbedachter Rede im Freien.
Siehe auch: Wer die Natur beobachtet, braucht keine Uhr. Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön. Dreht der Wind, dreht das Wetter.
Was der Mensch sät, das wird er ernten.
Sprichw.Jeder bekommt am Ende das zurück, was er selbst in die Welt gesetzt hat.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Galater 6,7).
Auch: Was man sät, das erntet man.
Themen: SchicksalLandwirtschaftRecht und Gerechtigkeit
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wie man sich bettet, so liegt man. Unrecht Gut gedeihet nicht. Kleine Ursachen, große Wirkungen.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Sprichw.Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
Herkunft: Die deutsche Reimfassung der sogenannten Goldenen Regel, die sich in ähnlicher Form in vielen Überlieferungen findet, unter anderem im Neuen Testament.
Themen: Recht und GerechtigkeitNachbarnEhrlichkeit
QuelleNeues Testament
Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten.
Sprichw.Anlagen und Eigenarten zeigen sich schon früh.
Herkunft: Das Bild stammt aus der Korbmacherei und dem Schmiedehandwerk: Ein Haken wird gebogen, solange das Material biegsam ist. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Auch: Was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten.
Was einmal gesagt ist, holt kein Pferd wieder ein.
Sprichw.Ein ausgesprochenes Wort lässt sich nicht zurücknehmen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus der antiken Rhetorik und ist im Deutschen als Reimspruch seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: VergangenheitLügenStreit
Siehe auch: Was gewesen ist, kommt nicht wieder. Was gewesen ist, bleibt gewesen.
Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.
Sprichw.Ein einmal geschlossener Bund soll nicht wieder aufgelöst werden; klassische Formel bei kirchlichen Trauungen.
Herkunft: Der Satz stammt aus dem Neuen Testament (Matthäus 19,6).
Themen: EhePartnerschaftFamilie
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Wer heiratet, heiratet die Familie mit. Wer heiratet, wagt mehr als der, der auszieht. Zwei, die sich brauchen, sind noch kein Paar.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Sprichw.Was in jungen Jahren versäumt wird, lässt sich später nur noch schwer nachholen.
Herkunft: Der Reimspruch spielt mit der Verkleinerungsform desselben Namens für Kind und Erwachsenen. In deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Themen: LernenJugendAlterSchule
Siehe auch: Jung gewohnt, alt getan. Wer früh sparen lernt, braucht es später nicht. Großzügigkeit ist eine Übung, keine Anlage.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Sprichw.Wovon man nichts erfährt, worüber ärgert man sich auch nicht.
Herkunft: Ein Reimspruch, im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt. „Heiß machen“ steht dabei für aufregen.
Was kommen soll, das kommt.
Sprichw.Ausdruck der Ergebung in einen Verlauf, den man nicht beeinflusst.
Herkunft: Eine volkstümliche Formel, in deutschen Sammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Was sein muss, muss sein. Man muss das Leben nehmen, wie es ist.
Was lange währt, wird endlich gut.
Sprichw.Wird gesagt, wenn sich eine lange Wartezeit oder ein zäher Prozess am Ende doch auszahlt.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz dient meist als Entschuldigung für eine Verzögerung.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Gut Ding will Weile haben. Geduld ist bitter, aber ihre Frucht ist süß. Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.
Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.
Sprichw.Nur das Aufgeschriebene ist gesichert.
Johann Wolfgang von GoetheDichter und Naturforscher, 1749 bis 1832
Herkunft: Die Zeilen stammen aus Goethes „Faust I“ (1808), aus der Szene zwischen Mephisto und dem Schüler.
QuelleGoethe
Siehe auch: Wer wenig weiß, zweifelt selten. Papier ist geduldig. Handwerk hat goldenen Boden.
Was schnell wächst, hält nicht lange.
Sprichw.Rasches Wachstum geht auf Kosten der Haltbarkeit.
Herkunft: Eine forstwirtschaftliche Erfahrungsregel, die auf Holzarten mit unterschiedlicher Wuchsgeschwindigkeit zurückgeht.
Siehe auch: Schneller Erfolg hält am kürzesten. Wer nicht warten kann, verdirbt die Ernte. Mit den Jahren wird man nicht klüger, nur ruhiger.
Was sich liebt, das neckt sich.
Sprichw.Kleine Sticheleien zwischen zwei Menschen gelten als Zeichen von Zuneigung.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 18. Jahrhundert belegt. Der Satz wird heute kritisch gesehen, weil er Grenzüberschreitungen verharmlosen kann.
Themen: LiebeStreitPartnerschaft
Siehe auch: Wo Liebe ist, da ist auch Eifersucht. Liebe lässt sich nicht erzwingen. Liebe geht durch den Magen.
Wasser hat keine Balken.
Sprichw.Warnung vor der Gefahr des Wassers: Anders als auf einem Boden findet man darin keinen Halt.
Herkunft: Alte Schiffermahnung, in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt.
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer aufs Eis geht, muss mit dem Einbrechen rechnen. Übermut tut selten gut. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
Wasser predigen und Wein trinken.
Sprichw.Anderen Verzicht empfehlen und selbst genießen.
Heinrich HeineDichter, 1797 bis 1856
Herkunft: Die Wendung wurde durch Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ (1844) allgemein bekannt.
Themen: TrinkenEhrlichkeitLügen
QuelleHeine
Der Wein ist ein Spiegel des Menschen.
Sprichw.Im Rausch zeigt sich, wie jemand ohne Zurückhaltung ist.
Herkunft: Der Gedanke stammt von dem griechischen Dichter Alkaios und wurde von Cicero aufgegriffen.
Themen: TrinkenWahrheitErfahrung
Siehe auch: Wer trinkt, vergisst nicht, er verschiebt nur. Trunkener Mund tut Wahrheit kund. Der Wein öffnet den Mund und schließt die Vernunft.
Wein macht kühne Leute.
Sprichw.Alkohol nimmt die Scheu und lässt Menschen wagemutiger auftreten, als sie sind.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TrinkenMutLeichtsinn
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer Mut trinkt, hat am Morgen keinen mehr. Der Wein öffnet den Mund und schließt die Vernunft. Wer den Becher zu oft leert, leert auch den Beutel.
Wenn der Tau am Morgen liegt, bleibt das Wetter schön.
Sprichw.Bauernregel: Starker Morgentau deutet auf einen klaren, ruhigen Tag hin.
Herkunft: Die Regel hat einen physikalischen Kern. Tau entsteht bei klarer Nacht und schwachem Wind, also unter Bedingungen, die auf eine stabile Hochdrucklage hinweisen.
Themen: WetterNaturLandwirtschaft
Siehe auch: Wie der Oktober, so der März. Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen bestellt. Wer die Natur beobachtet, braucht keine Uhr.
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