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Deutsche Sprichwörter: Bestand, Themen und Bedeutung, Seite 8
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Selbst ist der Mann.
Sprichw.Wird gesagt, wenn jemand eine Sache lieber selbst erledigt, als sie anderen zu überlassen.
Herkunft: Die Formel ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt und war ursprünglich ein Lob der Selbstständigkeit, nicht der Bastelei.
Auch: Selbst ist die Frau.
Siehe auch: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
Sprichw.Wer den eigenen Fehler erkennt, hat den schwierigsten Teil der Korrektur hinter sich.
Herkunft: Der Gedanke geht auf die Inschrift am Apollontempel von Delphi zurück, die zur Selbsterkenntnis auffordert.
Themen: BescheidenheitErfahrungVeränderung
QuelleOrakel von Delphi
Siehe auch: Irren ist menschlich. Durch Schaden wird man klug. Demut ist der Anfang aller Weisheit.
Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist.
Sprichw.Über den Ertrag einer Sache zu verfügen, bevor sie gelungen ist, ist verfrüht.
Herkunft: Das Bild ist in Europa seit dem Mittelalter verbreitet und findet sich unter anderem in einer Fabel von La Fontaine.
Auch: Man soll die Bärenhaut nicht verkaufen, bevor der Bär erlegt ist.
Themen: VorsichtTiereLeichtsinn
QuelleLa Fontaine
Siehe auch: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, nur vorbereiten.
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Sprichw.Ein Erfolg sollte erst gefeiert werden, wenn er endgültig feststeht.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Solon zurück, der bei Herodot rät, niemanden vor seinem Tod glücklich zu preisen. Im Deutschen ist die Fassung mit dem Tag seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.
Themen: VorsichtZukunftHoffnung
Siehe auch: Es ist noch nicht aller Tage Abend. Kommt Zeit, kommt Rat.
Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen.
Sprichw.Wer alles auf eine Möglichkeit setzt, verliert im Ernstfall alles auf einmal.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, wo seit dem 17. Jahrhundert davor gewarnt wird, alle Eier in einen Korb zu legen.
Siehe auch: Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Erst wägen, dann wagen.
Man soll schlafende Hunde nicht wecken.
Sprichw.Ein Problem, das gerade ruht, sollte man nicht ohne Not wieder aufrühren.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und findet sich in ähnlicher Form in mehreren europäischen Sprachen.
Die Sonne bringt es an den Tag.
Sprichw.Was verborgen werden soll, kommt am Ende doch heraus.
Herkunft: Die Formel wurde durch Adelbert von Chamissos Ballade von 1827 allgemein bekannt; als Redensart ist sie älter.
QuelleChamisso
Siehe auch: Lügen haben kurze Beine. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Die Wahrheit kommt ans Licht.
Sparsamkeit erhält das Haus.
Sprichw.Ein Haushalt hält sich nicht durch das, was hereinkommt, sondern durch das, was nicht ausgegeben wird.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt und Teil der Hausväterliteratur, die den Haushalt als Wirtschaftseinheit beschrieb.
Themen: SparenGeizHaus und Heimat
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Der Geizige und der Verschwender kommen beide zu kurz. Wer nichts hat, kann nichts sparen. Sparen ist verdienen.
Steter Tropfen höhlt den Stein.
Sprichw.Auch kleine, aber beständige Anstrengungen führen mit der Zeit zu großen Wirkungen.
Ovidrömischer Dichter, 43 v. Chr. bis 17 n. Chr.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Ovid.
QuelleOvid
Siehe auch: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Es fällt kein Baum auf den ersten Hieb. Die Zeit arbeitet für den, der warten kann.
Stille Wasser sind tief.
Sprichw.Zurückhaltende Menschen haben oft mehr Tiefe oder auch mehr Hintergedanken, als man ihnen zutraut.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem in einer lateinischen Fassung bei Quintus Curtius Rufus über ruhig fließende, aber tiefe Gewässer. Im Deutschen ist er seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ErfahrungKlugheit und DummheitVorsicht
QuelleCurtius Rufus
Siehe auch: Schweigen kann man nicht bereuen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wer viel weiß, redet wenig.
Taten sagen mehr als Worte.
Sprichw.Wer etwas tut, überzeugt mehr als jeder, der es nur ankündigt.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Englischen, wo Taten lauter sprechen als Worte. Der Gedanke ist älter und findet sich bereits im Neuen Testament.
Themen: EhrlichkeitArbeitVertrauen
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Worte sind Wind.
Dem Tod entrinnt niemand.
Sprichw.Nüchterne Feststellung der einzigen Gewissheit des Lebens.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „mors omnibus communis“ und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Siehe auch: Sterben müssen wir alle. Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders. Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen.
Der Tod hat keinen Kalender.
Sprichw.Das Ende kommt ohne Ankündigung und hält sich an keine Ordnung.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts belegt.
Siehe auch: Der Tod kommt wie ein Dieb in der Nacht.
Der Tod kommt wie ein Dieb in der Nacht.
Sprichw.Das Ende kommt unangekündigt und lässt sich nicht einplanen.
Herkunft: Das Bild stammt aus dem Neuen Testament (1. Thessalonicher 5,2).
QuelleNeues Testament
Siehe auch: Der Tod hat keinen Kalender.
Der Tod macht alle gleich.
Sprichw.Vor dem Sterben zählen Rang und Vermögen nicht mehr.
Herkunft: Der Gedanke ist in der antiken Literatur verbreitet, unter anderem bei Horaz, und im Mittelalter durch die Darstellungen des Totentanzes bildlich geworden.
QuelleHoraz
Siehe auch: Sterben müssen wir alle. Im Schlaf sind alle Menschen gleich. Wer den Tod vor Augen hat, lebt anders.
Der Ton macht die Musik.
Sprichw.Nicht was gesagt wird, entscheidet über die Wirkung, sondern wie.
Herkunft: Eine Lehnübersetzung aus dem Französischen, wo der Ton den Gesang macht. Im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Siehe auch: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Trautes Heim, Glück allein.
Sprichw.Zu Hause fühlt man sich am wohlsten.
Herkunft: Ein Hausspruch des 19. Jahrhunderts, der über Türen und auf Wandtellern angebracht wurde. „Traut“ meint vertraut, nicht angetraut.
Themen: Haus und HeimatFamilieGlück
Siehe auch: Eigener Herd ist Goldes wert.
Trunkener Mund tut Wahrheit kund.
Sprichw.Wer getrunken hat, verliert die Zurückhaltung und sagt, was er denkt.
Herkunft: Die deutsche Reimfassung des lateinischen „in vino veritas“, in Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TrinkenWahrheitEhrlichkeit
Siehe auch: Der Wein erfindet nichts, er schwatzt es aus. Im Wein liegt Wahrheit. Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.
Über alles wächst Gras.
Sprichw.Mit der Zeit verliert jedes Ereignis seine Schärfe und gerät in Vergessenheit.
Herkunft: Das Bild ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und geht auf die Beobachtung überwachsener Gräber und Ruinen zurück.
Themen: VergangenheitZeitUnglück
Siehe auch: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Über Tote soll man nichts Schlechtes reden.
Sprichw.Kritik an Verstorbenen gilt als unschicklich, weil sie sich nicht mehr wehren können.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „de mortuis nil nisi bene“, die auf einen antiken Ausspruch zurückgeführt wird.
Auch: De mortuis nil nisi bene.
Themen: TodAbschiedEhrlichkeit
Übermut tut selten gut.
Sprichw.Wer über die Stränge schlägt, zahlt meist dafür.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: HochmutLeichtsinnVorsicht
Siehe auch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wasser hat keine Balken. Müßiggang ist aller Laster Anfang.
Übung macht den Meister.
Sprichw.Fertigkeiten entstehen durch wiederholtes Tun, nicht durch Begabung allein.
Herkunft: Die Wendung stammt aus dem Zunftwesen, in dem der Meistertitel am Ende einer langen Ausbildung stand. Der Gedanke selbst ist älter und findet sich als lateinische Formel „exercitatio artem parat“.
Themen: LernenFleißHandwerkErfahrung
Siehe auch: Wie der Meister, so das Werk. Nicht das Werkzeug macht den Meister. Jedes Handwerk hat seine Kniffe.
Undank ist der Welt Lohn.
Sprichw.Wer anderen hilft, wird dafür oft nicht einmal Dank ernten.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Der Satz gehört zu einer Gruppe resignierter Sprüche über die Vergeblichkeit des Wohltuns.
Themen: DankbarkeitUnglückErfahrung
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wohltun trägt Zinsen. Wer nicht danken kann, dem hilft man nicht zweimal. In der Not erkennt man seine Freunde.
Ein Unglück kommt selten allein.
Sprichw.Die Beobachtung, dass sich Missgeschicke oft häufen und ein Problem weitere nach sich zieht.
Herkunft: Die Formel ist in deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt und in fast allen europäischen Sprachen verbreitet.
Auch: Ein Unglück kommt nie allein.
Unrecht Gut gedeihet nicht.
Sprichw.Unehrlich erworbener Besitz bringt auf Dauer keinen Nutzen.
Herkunft: Der Gedanke stammt aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament, wonach unrecht erworbenes Gut nicht bleibt. Die deutsche Fassung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: Recht und GerechtigkeitGeldEhrlichkeit
QuelleAltes Testament
Siehe auch: Betrug schlägt seinen eigenen Herrn. Wer lügt, der trügt. Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.
Ein Vater ernährt eher zehn Kinder, als zehn Kinder einen Vater.
Sprichw.Eltern sorgen selbstverständlich für ihre Kinder, umgekehrt ist der Rückhalt im Alter oft geringer.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 17. Jahrhundert belegt, meist im Zusammenhang mit der Altersversorgung, für die es keine staatliche Regelung gab.
Themen: ElternKinderFamilieAlter
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Die Liebe geht abwärts.
Versprechen und Halten sind zweierlei.
Sprichw.Eine Zusage bedeutet noch nicht, dass sie auch eingelöst wird.
Herkunft: In deutschen Sprichwortsammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: LügenVertrauenEhrlichkeit
QuelleSprichwortsammlungen des 16. Jahrhunderts
Siehe auch: Wer viel verspricht, hält wenig. Versprochen ist versprochen. Leicht versprochen, schwer gehalten.
Viele Hände, schnelles Ende.
Sprichw.Eine Arbeit ist rasch getan, wenn viele mit anpacken.
Herkunft: Ein Reimspruch, in deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Auch: Viele Hände machen schnell ein Ende.
Themen: ArbeitZusammenhaltFleiß
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Gesagt, getan. Einigkeit macht stark.
Viele Hunde sind des Hasen Tod.
Sprichw.Gegen eine Übermacht hat auch der Geschickteste keine Chance.
Herkunft: Aus der Hetzjagd: Ein einzelner Hund holt den Hasen nicht ein, eine Meute schon. In deutschen Sammlungen seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Themen: TiereZusammenhaltMacht
Siehe auch: Gleiche Brüder, gleiche Kappen.
Viele Köche verderben den Brei.
Sprichw.Wenn zu viele Leute an derselben Sache mitreden, wird das Ergebnis schlechter statt besser.
Herkunft: Die Wendung ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt und findet sich in ähnlicher Form in zahlreichen europäischen Sprachen. Der Brei steht dabei für die einfachste denkbare Speise, an der eigentlich nichts misslingen kann.
Themen: ArbeitZusammenhaltEssen
Siehe auch: Wo viele Hirten sind, wird übel gehütet. Ein jeder tue, was seines Amtes ist.
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