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Sprichwörter aus der Antike und ihre Quellen
Ein erheblicher Teil dessen, was heute als deutsches Sprichwort gilt, stammt aus der griechischen und römischen Literatur und ist über lateinische Schulbücher ins Deutsche gelangt. Diese Seite versammelt die Einträge, deren Quelle sich in der Antike benennen lässt, von Äsop und Homer bis Seneca und Publilius Syrus.
162 Einträge mit Bedeutung · Seite 1 von 6
Alles fließt.
Lebensw.Nichts bleibt, wie es ist; alles befindet sich in ständiger Veränderung.
Herkunft: Übersetzung des griechischen „panta rhei“, das die Lehre Heraklits zusammenfasst.
Themen: Lebensweisheiten
QuelleHeraklit
Siehe auch: Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird. Aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll. Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu verändern.
Alte Wunden soll man nicht aufreißen.
Sprichw.Schmerzhafte Erinnerungen sollte man nicht ohne Not wieder hervorholen.
Herkunft: Das Bild von der wieder aufbrechenden Wunde für den erneuerten Kummer ist alt und findet sich bereits in der antiken Dichtung, unter anderem bei Vergil.
Themen: VergangenheitStreitUnglück
QuelleVergil
Siehe auch: Wer sich erinnert, lebt zweimal. Wer nur zurückblickt, sieht nicht, wohin er tritt. Wer geht, nimmt mehr mit als sein Gepäck.
Andere Länder, andere Sitten.
Sprichw.Was anderswo üblich ist, muss nicht dem entsprechen, was man von zu Hause kennt.
Herkunft: Der Gedanke ist bereits in der Antike belegt, unter anderem bei Herodot in seiner Beschreibung fremder Bräuche. Im Deutschen ist die Formel seit dem 16. Jahrhundert geläufig.
Themen: ReisenErfahrungNachbarn
QuelleHerodot
Siehe auch: Wer reist, vergleicht; wer vergleicht, versteht. Wer reist, hat etwas zu erzählen. Reisen bildet.
Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
Sprichw.Wer den Anfang geschafft hat, hat den schwierigsten Teil hinter sich.
Herkunft: Der Gedanke wird Aristoteles zugeschrieben und findet sich als lateinisches „dimidium facti qui coepit habet“ bei Horaz.
QuelleAristoteles, Horaz
Siehe auch: Wer zu lange plant, fängt nie an. Wer nichts anfängt, bringt nichts zu Ende. Der erste Schritt ist der schwerste.
Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Sprichw.Wer aus Furcht handelt, entscheidet meist falsch.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits in der antiken Philosophie, unter anderem bei Seneca. Als deutsche Redensart ist er seit dem 19. Jahrhundert geläufig.
Themen: AngstKlugheit und DummheitMut
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer die Welt sehen will, muss die Tür hinter sich zumachen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer Neues wagt, muss Altes lassen.
Auch du, mein Sohn Brutus?
Lebensw.Ausruf über den Verrat durch jemanden, dem man vertraut hat.
Gaius Julius Caesarrömischer Feldherr und Staatsmann, 100 bis 44 v. Chr.
Herkunft: Der Satz wird Caesar bei seiner Ermordung zugeschrieben. Sueton berichtet ihn als Gerücht und in griechischer Sprache; die geläufige lateinische Fassung ist später entstanden.
Auch: Et tu, Brute?
Themen: Lebensweisheiten
Siehe auch: Wir werden entweder einen Weg finden oder einen bahnen. Teile und herrsche. Ich kam, ich sah, ich siegte.
Beim Nachbarn ist das Gras immer grüner.
Sprichw.Aus der Ferne wirkt fremder Besitz besser als der eigene.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bereits bei Ovid, der schreibt, die Ernte auf fremdem Feld sei stets ergiebiger.
QuelleOvid
Siehe auch: Wer vergleicht, verliert. Wer niemandem etwas gönnt, hat selbst am wenigsten. Wer neidet, hat vergessen, was er selbst hat.
Besser beneidet als bemitleidet.
Sprichw.Missgunst zu ernten ist immer noch besser, als anderen leidzutun.
Herkunft: Der Gedanke wird dem griechischen Dichter Pindar zugeschrieben und ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert als Reimspruch belegt.
QuellePindar
Siehe auch: Wer vergleicht, verliert. Wer neidet, hat vergessen, was er selbst hat. Neid lehrt nur vergleichen, nicht handeln.
Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Sprichw.Ein kleiner, sicherer Vorteil ist mehr wert als eine große, ungewisse Aussicht.
Herkunft: Der Gedanke ist in ganz Europa verbreitet und geht auf eine Fabel Äsops zurück, in der eine Nachtigall den Jäger vergeblich auf größere Beute verweist.
Auch: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.
Themen: VorsichtGeldTiereGeduld
QuelleÄsop
Siehe auch: Man soll nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. Leichtsinn ist teurer als Vorsicht.
Besser spät als nie.
Sprichw.Etwas verspätet zu tun ist immer noch besser, als es zu unterlassen.
Herkunft: Die Wendung übersetzt das lateinische „potius sero quam numquam“, das bei Livius belegt ist.
QuelleLivius
Das beste Medikament ist Zeit.
SpruchGenesungsformel über die Rolle der Zeit bei der Heilung.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Hippokrates zurück, der die Natur als eigentliche Heilerin bezeichnete.
Themen: GenesungZum NachdenkenKurz
QuelleHippokrates
Siehe auch: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Lachen ist die beste Medizin. Gute Besserung, und lass dir Zeit.
Bewegung ist die beste Medizin.
Sprichw.Regelmäßige Bewegung wirkt vorbeugend besser als jede Behandlung.
Herkunft: Der Gedanke geht auf Hippokrates zurück, der das Gehen als beste Arznei des Menschen bezeichnete.
Themen: GesundheitAlterFleiß
QuelleHippokrates
Siehe auch: Wer maßhalten kann, braucht keinen Arzt.
Ein Danaergeschenk
Redew.Eine Gabe, die dem Beschenkten schadet.
Herkunft: Nach dem hölzernen Pferd, mit dem die Griechen Troja eroberten. Vergil legt einem troianischen Priester die Warnung vor Geschenken der Danaer in den Mund.
Themen: Menschen und VerhaltenGlück und Pech
QuelleVergil
Siehe auch: Auf der Kippe stehen Am seidenen Faden hängen
Dankbarkeit ist eine seltene Tugend.
Sprichw.Auf Dank für erwiesene Hilfe sollte man sich nicht verlassen.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Seneca, der ein ganzes Buch über Wohltaten und Undank verfasste. Im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert geläufig.
Themen: DankbarkeitGroßzügigkeit
QuelleSeneca
Siehe auch: Der Nehmende vergisst schneller als der Gebende. Dank ist eine Blume, die selten wächst. Wer nicht danken kann, dem hilft man nicht zweimal.
Doppelt gibt, wer schnell gibt.
Sprichw.Hilfe zur rechten Zeit ist doppelt so viel wert wie Hilfe, die auf sich warten lässt.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Formel „bis dat qui cito dat“, die auf den römischen Autor Publilius Syrus zurückgeführt wird.
Auch: Wer schnell gibt, gibt doppelt.
Themen: GroßzügigkeitZusammenhaltDankbarkeitZeitFreundschaft
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Eine kleine Hilfe zur rechten Zeit ist mehr als eine große zu spät. Die kleinste Gabe zur rechten Zeit ist die größte. Wohltun trägt Zinsen.
Ehrlichkeit fängt bei sich selbst an.
Sprichw.Wer sich selbst etwas vormacht, ist auch gegenüber anderen nicht aufrichtig.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit der Inschrift von Delphi.
Themen: EhrlichkeitBescheidenheitWahrheit
QuelleOrakel von Delphi
Siehe auch: Wer dankbar lebt, hat weniger Ansprüche. Großzügigkeit ist eine Übung, keine Anlage. Geduld ist eine Tugend.
Eifersucht hört nicht auf Vernunft.
Sprichw.Gegen Eifersucht hilft kein Argument, weil sie nicht aus dem Verstand kommt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Ovid, der die Eifersucht als taub gegenüber jedem Zuspruch beschreibt.
Themen: EifersuchtLiebeKlugheit und Dummheit
QuelleOvid
Siehe auch: Wo Liebe ist, da ist auch Eifersucht. Wer schreit, hat unrecht.
Eifersucht zehrt am eigenen Herzen.
Sprichw.Das Misstrauen richtet den größten Schaden bei dem an, der es empfindet.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Ovid und in der stoischen Affektenlehre.
Themen: EifersuchtUnglückLiebe
QuelleOvid
Siehe auch: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Der Eifersüchtige quält sich am meisten selbst. Wer neidet, der leidet.
Der Eifersüchtige quält sich am meisten selbst.
Sprichw.Das Misstrauen richtet den größten Schaden bei dem an, der es hegt.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei Seneca und in der stoischen Tradition, wonach die Leidenschaft vor allem den trifft, der sie hegt.
Themen: EifersuchtLiebeUnglück
QuelleSeneca
Siehe auch: Eifersucht zehrt am eigenen Herzen. Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Wer liebt, ohne zu vertrauen, liebt nicht.
Eile mit Weile.
Sprichw.Zügig arbeiten, aber ohne Hast: Wer überstürzt handelt, macht Fehler und verliert am Ende Zeit.
Herkunft: Übersetzung der lateinischen Devise „festina lente“, die dem römischen Kaiser Augustus zugeschrieben wird.
QuelleAugustus
Siehe auch: Zeit und Stunde warten auf niemanden. Gesagt, getan. Erst denken, dann reden.
Einigkeit macht stark.
Sprichw.Eine Gruppe, die zusammenhält, setzt sich leichter durch als jeder für sich.
Herkunft: Die Formel geht auf das lateinische „concordia res parvae crescunt“ bei Sallust zurück und wurde im 19. Jahrhundert zum politischen Wahlspruch mehrerer Staaten.
Themen: ZusammenhaltMachtStreit
QuelleSallust
Siehe auch: Ein Finger allein macht keine Faust. Wer sich entschuldigen kann, ist der Stärkere. Wer allein geht, geht schneller; wer zusammen geht, kommt weiter.
Eintracht macht kleine Dinge groß, Zwietracht lässt große zerfallen.
Lebensw.Gemeinsames Handeln stärkt auch bescheidene Mittel, Zerwürfnis zerstört auch das Große.
Salluströmischer Historiker, 86 bis 35 v. Chr.
Herkunft: Der Satz stammt von dem römischen Historiker Sallust aus dem „Jugurthinischen Krieg“.
Themen: Lebensweisheiten
QuelleSallust
Erkenne dich selbst.
Lebensw.Aufforderung, sich über die eigenen Grenzen und Beweggründe klar zu werden.
Herkunft: Die Inschrift stand am Apollontempel von Delphi.
Themen: Lebensweisheiten
QuelleOrakel von Delphi
Es ist noch nicht aller Tage Abend.
Sprichw.Eine Sache ist noch nicht entschieden, es kann sich noch alles wenden.
Herkunft: Die Formel übersetzt das lateinische „nondum omnium dierum sol occidit“, das bei Livius belegt ist.
Themen: HoffnungZukunftMisserfolg
QuelleLivius
Siehe auch: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Der Jugend gehört die Zukunft. Wer wagt, verliert manchmal. Wer nicht wagt, verliert immer.
Eulen nach Athen tragen
Redew.Etwas dorthin bringen, wo es ohnehin im Überfluss vorhanden ist.
Herkunft: Die Eule war das Wappentier Athens und erschien auf dessen Münzen. Die Wendung stammt aus einer Komödie des Aristophanes.
QuelleAristophanes
Siehe auch: Offene Türen einrennen Eine Sisyphusarbeit
Ein Freund ist ein zweites Ich.
Sprichw.Ein enger Freund steht einem so nah wie man sich selbst.
Herkunft: Wiedergabe der lateinischen Formel „alter ego“, die auf Ciceros Schrift über die Freundschaft zurückgeht.
Themen: FreundschaftVertrauen
QuelleCicero
Siehe auch: Gute Freunde kann man auch schweigend ertragen. Wer alles teilt, muss auch das Schweigen teilen können. Ein guter Nachbar ist besser als ein ferner Freund.
Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.
SpruchEnge Freunde denken und empfinden so ähnlich, als teilten sie ein Inneres.
Aristotelesgriechischer Philosoph, 384 bis 322 v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke wird Aristoteles zugeschrieben und ist bei Diogenes Laertios überliefert.
Themen: FreundschaftZum Nachdenken
QuelleAristoteles, Diogenes Laertios
Siehe auch: Lachen ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen. Ein Freund ist jemand, der dich kennt und trotzdem mag. Wo du bist, ist zu Hause.
Frisch gewagt ist halb gewonnen.
Sprichw.Wer eine Sache entschlossen anpackt, hat den schwierigsten Teil bereits hinter sich.
Herkunft: Die Formel geht auf das lateinische „dimidium facti qui coepit habet“ bei Horaz zurück, wonach der Anfang schon die Hälfte der Tat ist.
QuelleHoraz
Siehe auch: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende. Der erste Schritt ist der schwerste.
Die Furcht vor dem Übel ist schlimmer als das Übel selbst.
Sprichw.Die Erwartung des Schlimmen quält oft mehr als das Ereignis.
Publilius Syrusrömischer Spruchdichter, 1. Jahrhundert v. Chr.
Herkunft: Der Gedanke findet sich bei antiken Autoren, unter anderem bei Publilius Syrus.
Themen: AngstVorsichtErfahrung
QuellePublilius Syrus
Siehe auch: Wer viel hat, hat viel zu verlieren. Die Nacht ist keines Menschen Freund. Wer viel verschenkt, muss wenig bewachen.
Geben, ohne zu rechnen, ist die einzige Großzügigkeit.
Sprichw.Wer beim Schenken kalkuliert, schenkt nicht, sondern investiert.
Herkunft: Eine Formel des 20. Jahrhunderts, verwandt mit dem Gedanken bei Seneca, die Wohltat liege in der Gesinnung.
Themen: GroßzügigkeitGeldBescheidenheit
QuelleSeneca
Siehe auch: Wer viel gibt, braucht selbst am wenigsten. Wer gibt, soll schweigen; wer nimmt, soll reden. Wer gibt, macht sich frei.
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